ING-Fondsmanager über Frontier-Markets-Anleihen „Vor 20 Jahren kamen dieselben Sprüche und Einwände wie heute“

Selfie: DAS-INVESTMENT-Redakteur Andreas Harms (links) sprach auf dem private banking kongress 2014 in Hamburg mit ING-Fonds-Manager Roy Scheepe

Selfie: DAS-INVESTMENT-Redakteur Andreas Harms (links) sprach auf dem private banking kongress 2014 in Hamburg mit ING-Fonds-Manager Roy Scheepe

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DAS INVESTMENT.com: Was war ihr letzter Besuch in einem Frontier-Staat?

Roy Scheepe: Ich war im vergangenen Jahr in Malaysia. Wobei es allerdings ein Land ist, das meiner Meinung nach schon vom Frontier- in den Schwellenländerstatus gewechselt ist. Einer unserer Mitarbeiter ist allerdings gerade in Mittelamerika unterwegs und besucht dort drei Frontier-Staaten: die Dominikanische Republik, Honduras und Kuba.

Sie bezeichnen Kuba nicht allen Ernstes als Frontier-Markt.

Es hat alle Eigenschaften eines Frontier Markets, aber es ist noch nicht investierbar.

Weil es kommunistisch ist?

Das allein wäre kein Hinderungsgrund, wie das Beispiel Vietnam zeigt. Doch Vietnam hat die Vorteile erkannt, mit westlichen Ländern zu handeln und sich für Investitionen zu öffnen. Das macht Kuba nicht.

Was bringen Ihnen solche Länderbesuche, was Sie am Schreibtisch nicht sehen können?

Am Schreibtisch haben wir natürlich viele Zahlen und Statistiken. Aber vor Ort können wir mit Menschen sprechen. Sie erzählen uns Dinge, die wir in keinem Bericht finden. Wir sehen die echten Aktivitäten. Und wir sehen, was das Land mit Krediten aus dem Ausland anstellt. Baut es eine weitere Statue des Präsidenten, oder setzt es das Geld für seine Wirtschaft und damit das Wohl des Volkes ein? Wenn das Geld richtig genutzt wird, können Frontier Markets enorm hohe Wachstumsraten aufweisen.

Als Anleihe-Investor brauchen Sie doch gar kein Wachstum.

Vielleicht kein übermäßiges Wachstum, aber ein bisschen schon. Denn sonst würden die Länder gar keine Anleihen ausgeben. Das machen Sie, um ihre Wirtschaft zu vergrößern. Zumindest in den Fällen, die wir suchen.

Bei Frontier Markets fallen mir häufig die Worte Putsch und militärischer Konflikt ein. Haben Sie ausreichend viele Politikwissenschaftler im Team?

Die politische Dimension ist sehr wichtig. Wir suchen natürlich nach stabilen Verhältnissen und haben die entsprechenden Experten. Eine weitere Frage ist auch, wie effizient die Regierung das Land führt.

Diktaturen sind normalerweise ziemlich effizient.

Eine starke Führung kann manchmal ein Plus für ein Land sein, selbst wenn sie nicht demokratisch ist. Wichtiger als die Regierungsform ist das Rechtssystem. Können Sie Ihr Eigentum wiederbekommen, wenn es Ihnen jemand wegnimmt? Werden Verbrechen bestraft? Solche Sicherheit ist sehr bedeutend.

Das macht solche Märkte aber noch nicht zu einer sicheren Sache.

Als wir den Fonds (ING Renta Fund Frontier Markets Debt Hard Currency, ISIN: LU0990547605) Ende 2013 starteten, sagten viele, das sei doch viel zu risikoreich. Warum sollte man in Afrika anlegen und ähnliches.

Womit sie richtig liegen könnten.

Vielleicht auch nicht. Denn als wir vor über 20 Jahren unseren Fonds für Schwellenländeranleihen in Hartwährung auflegten, kamen genau dieselben Sprüche und Einwände. Und wir sehen ja heute, wie viel Gewinn der Fonds brachte: seit Auflegung am 11. Februar 1993, in der Dollar-Tranche brutto 13,6 Prozent pro Jahr. Jetzt kommt quasi die nächste Generation.

Seite 2: 6,6 Prozent Rendite ist auch nicht mehr sehr viel