Interview Digitalisierung: So viel Zeit können Berater einsparen

Marco Richter,  Mitgründer und Geschäfts­  führer Vertrieb des Fintech­Unternehmens  Wealthpilot | © Axel Jusselt

Marco Richter, Mitgründer und Geschäfts­ führer Vertrieb des Fintech­Unternehmens Wealthpilot Foto: Axel Jusselt

DAS INVESTMENT: Wo setzt die Digitalisierung an?

Marco Richter: Sie setzt bereits bei der Gewinnung der Daten an. In Zukunft werden diese nicht mehr händisch erfasst und verarbeitet, sondern automatisch über Schnittstellen gewonnen. Vielerorts stehen einzelne Programme noch isoliert als Insellösungen nebeneinander. Die Digitalisierung schafft hier Mehrwert durch eine Vernetzung der Daten und intelligenter Analysen aus einer Hand. Wie groß zum Beispiel der Effizienzgewinn ist, zeigt das Beispiel einer Kontoeröffnung. Momentan erfolgt sie bei einer Bank weitgehend von Hand und dauert in manchen Fällen Tage. Bei einem digitalen Anbieter dauert sie im Schnitt acht Minuten.

Wie verbessert die Digitalisierung den Beratungsprozess?

Richter: Durch Personalisierung und Effizienz. Durch mehr Effizienz bekommt der Berater mehr Zeit für das eigentliche Relationship Management. Der große Treiber in der Digitalisierung ist die Personalisierung. Als Berater kann ich dem Kunden zukünftig viel individuellere Angebote machen und gleichzeitig im Hintergrund in den Abläufen effizienter werden.

Sie bringen in Kürze eine digitale Infrastruktur auf den Markt. Welche Tipps haben Sie von Beratern erhalten?

Richter: Bei der Entwicklung unserer digitalen Lösung für das individuelle Vermögensmanagement haben wir die Berater sehr früh eingebunden. Ihr Feedback brachte uns dazu, den Automatisierungsgrad breiter und den Analysegrad tiefer anzusetzen. Der Berater kann nun mit 70 Prozent Zeitersparnis einen Beratungsprozess anbieten, der bisher nur hochvermögenden Kunden offen stand. Kundenindividuelles Reporting geht nun täglich und dynamisch auf Knopfdruck. Und ist so für eine viel breitere Zielgruppe rentabel.

Wie sieht das in der Anwendung aus?

Richter: Der Berater befüllt die Software mit den Vermögensdaten des Kunden und gewährt ihm Zugang. Sein Kunde kann weitere Vermögenswerte hinzufügen und nutzen, aber entscheiden, ob der Berater diese auch sieht oder nicht. Das Vermögen wird in einer ganzheitlichen Betrachtung angezeigt, unabhängig von den Lagerstellen. Wir veredeln diese durch Zusatzinformationen aus weiteren Datenbanken und strukturieren sie nach einem selbst entwickelten Algorithmus. Illiquide Vermögenswerte werden durch eine intuitive Eingabemaske erfasst. Der Kunde beginnt sein Vermögen über die intuitive Nutzung der Lösung zu tracken und hat täglich eine aktuelle Entscheidungsgrundlage auf Gesamtvermögensebene.

Und was hat der Berater davon, wenn die Autonomie beim Kunden liegt?

Richter: Laut internationalen Studien machen drei von vier Kunden den Berater, der ihnen Zugang zu einer umfassenden Managementlösung gibt, zur primären Vertrauensperson. Durch diesen Vertrauensgewinn verdoppelt sich im Schnitt das betreute Vermögen je Endkunde im weiteren Verlauf der Betreuung. Die Regulierung zwingt zudem zu einer Qualitätsverbesserung in der laufenden Kundenbeziehung. Der Wealthpilot erfüllt die qualitätsverbessernden Anforderungen der Mifid-II-Richtlinie an ein Informationstool und macht die Kundenbetreuung zum Erlebnis.