Interview FMA Finanzmarktaufsicht Österreich: „Mifid II wird die Honorarberatung stärken“

Klaus Kumpfmüller (rechts), Vorstand der österreichischen Finanzmarktbehörde FMA, und Oliver Lepold (links), Journalist, beim Finanzplaner Forum Österreich 2015. Foto: Fotostudio Huger, Wien / Finanzplaner Forum Österreich 2015.

Klaus Kumpfmüller (rechts), Vorstand der österreichischen Finanzmarktbehörde FMA, und Oliver Lepold (links), Journalist, beim Finanzplaner Forum Österreich 2015. Foto: Fotostudio Huger, Wien / Finanzplaner Forum Österreich 2015.

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DAS INVESTMENT.com: Gibt es große Unterschiede in der Umsetzung der EU-Finanzmarktregulierung zwischen Deutschland und Österreich?

Klaus Kumpfmüller: Wir sind in weiten Bereichen auf einer Linie, weil die Struktur unserer Finanzdienstleistungsindustrie ähnlich ist. Auch in Österreich haben wir einen sehr starken Bankenvertrieb und der Vertrieb über Beratungsunternehmen, Wertpapierfirmen und die Wertpapierdienstleister ist ähnlich strukturiert wie in Deutschland. Insofern liegen wir mit deutschen Kollegen oft auf einer Linie.

In Deutschland hat Branche allergisch auf Forderungen reagiert, die Finanzanlagevermittler der Bafin zu unterstellen.

Auch wir kennen die doppelte Zuständigkeit mit der FMA und den Gewerbebehörden. Dort ist keine Änderung geplant. Wir streben eine indirekte Aufsicht über alle Vermittler über die Produkthersteller an. Zum Beispiel bei den Kreditvermittlern. Das heißt, wir legen für die Banken, die Kredite vergeben, bestimmte Standards fest für die Vermittlung. Die Banken werden von uns verpflichtet zu überprüfen, ob sich die Vermittler an die Qualitätsstandards halten.

Über Mifid II wird es eine Abgrenzung der Beratung zwischen unabhängig und abhängig geben. Mit welchen Auswirkungen auf die Praxis rechnen Sie?


Ich glaube, dass sich die Geschäftsmodelle in manchen Bereichen anpassen werden, insgesamt werden sich die Unkenrufe aber sich nicht bewahrheiten. Vor zwei Jahren mussten wir aufgrund des Forderungskatalogs der Mifid/Mifir noch befürchten, dass mit einem Provisionsverbot gleich die ganze Branche wegbricht, weil Geschäftsmodelle verboten werden. Nun haben wir aber den „technical advice“ der europäischen Aufsichtsbehörde ESMA zur Mifid II vorliegen und es ist uns im Vorfeld gelungen, dieses Thema zu entschärfen.

Die Forderung nach einem Verbot von Provisionen wird immer mal wieder vorgebracht – ist sie für die Mifid II wirklich endgültig vom Tisch?

Ja, davon kann man ausgehen. Regulierungsbehörden werden künftig allerdings viel Wert darauf legen, dass sich Regulierungen für unterschiedliche Bereiche nicht mehr in die Quere kommen. Wir haben seit 2008 in vielen Teilen Überschneidungen und zum Teil widersprüchliche Regulierungen erlebt. Die Kommission hat nun das Ziel, dies künftig zu vermeiden. Insofern ist es nach Umsetzung der Mifid II unwahrscheinlich, dass doch noch aus anderer Richtung ein Provisionsverbot auf uns zukommt.

Die Honorarberatung in Deutschland wurde reguliert, hat aber nicht dazu geführt, dass dieser Beratungszweig gestärkt wurde. Bietet Mifid II nun die Chance, die Honorarberatung als echte Alternative zu etablieren?

Ich denke schon. Im ersten Schritt kommt die Transparenz in den Vordergrund. Da sind Banken und Finanzdienstleister schon in Vorleistung auf die Mifid-II-Umsetzung gegangen. Wenn die Transparenz branchenweit hergestellt ist, wird die bisher in einer Nische steckende Honorarberatung deutlich gestärkt werden. Sicherlich gilt das nicht für alle Kunden, für die Oma mit dem Sparbuch ist sie keine Option. Aber für diejenigen mit einem Anlagewunsch von mehr als 20.000 Euro und diejenigen, die nicht nur in ein oder zwei Produkte investieren, wird sie deutlich interessanter werden.