Interview „Long 110 Prozent, short 60“

Maximilian Anderl, CFA, ist Leiter für Concentrated Alpha Aktien und leitender Portfoliomanager für die globalen und europäischen Concentrated Alpha Long-only und Long/Short-Strategien bei UBS Asset Management

Maximilian Anderl, CFA, ist Leiter für Concentrated Alpha Aktien und leitender Portfoliomanager für die globalen und europäischen Concentrated Alpha Long-only und Long/Short-Strategien bei UBS Asset Management

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DAS INVESTMENT: Sie investieren schwerpunktmäßig in europäische Aktien. Wie schätzen Sie diese mit Blick auf 2016 ein?

Max Anderl: Dank der nach wie vor expansiven Geldpolitik der Notenbanken befinden sich die Märkte weiter im Risk-on-Modus. Zu dieser positiven Sichtweise tragen auch die fallenden Rohstoffmärkte und die zum Teil verbesserten makroökonomischen Daten bei. Was europäische Aktien betrifft, sehen wir weiter Potenzial. Dank der quantitativen Maßnahmen der Geldpolitik hat der Euro abgewertet, wovon die europäische Wirtschaft und die Unternehmen profitieren. Dazu kommt der niedrige Ölpreis, der für Verbraucher wie eine Steuersenkung wirkt.

Also grünes Licht für Aktienanleger?

Anderl: Ich sehe durchaus auch Risiken. Die Abwertung des Chinesischen Renminbi zum Beispiel birgt die Gefahr eines weiteren Abwertungswettlaufs. Die amerikanische Wirtschaft verliert gleichzeitig an Kraft, und eine wirkliche Beschleunigung des globalen Wachstums scheint weit entfernt. Auch von einer Inflation ist weit und breit nichts zu sehen. Bleibt eine Rezession in den USA oder China jedoch aus, dann sollte diese Entwicklung die Aktienmärkte weiter unterstützen.

Wäre das für Ihre Anlagestrategie bedeutsam?

Anderl: Nur eingeschränkt. Da wir eine Long-short-Strategie verfolgen, spielt die Marktentwicklung für uns keine so große Rolle. Allerdings steuern wir, ausgehend von unserer Marktmeinung, das Beta des Portfolios – wir schauen also, wie stark dies mit dem Aktienmarkt korreliert. Das Beta des Fonds kann zwischen minus 0,25 und plus 0,7 liegen. Das heißt, das Portfolio kann je nachdem mit dem Markt mitlaufen oder sich eher entgegengesetzt entwickeln. Aktuell liegt das Beta bei 0,25.

Wie genau wählen Sie die Einzeltitel aus?

Anderl: Die Auswahl der Aktien erfolgt über ein Bottom-up-Prinzip. Wir schauen uns die einzelnen Unternehmen sehr genau an und analysieren diese in einem dreistufigen Prozess, bei dem wir die Titel auf Basis fundamentaler, qualitativer und quantitativer Kriterien untersuchen. Wir achten dabei zum Beispiel auch auf Risikoparameter wie den Verschuldungsgrad, die Branchenstruktur oder die Qualität der Unternehmensführung. Um Verkaufskandidaten für unser Short-Portfolio zu finden, gehen wir genau den umgekehrten Weg.

Und dann folgt die Aktien-Gewichtung.

Anderl: Richtig. Wir gewichten anhand von Risiko-Ertrags-Gesichtspunkten, wobei die Spanne bei Long-Positionen zwischen 1 und 3 Prozent liegt, für Short-Positionen entsprechend bei minus 1 bis minus 3 Prozent. Der Long-Anteil des Portfolios liegt im Schnitt bei rund 110 Prozent, der Short-Anteil bei 60 Prozent.

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In welchen Branchen finden Sie derzeit die meisten Titel mit Aufwärtspotenzial?

Anderl: Positiv fällt unsere Markteinschätzung auf Basis unserer quantitativen Modelle und aufgrund hoher Dividendenrenditen derzeit für die Pharmabranche aus. Dort sehen wir ein Gewinnpotenzial von 25 Prozent bei zugleich begrenzten Verlustrisiken. Rund ein Fünftel unseres Portfolios steckt in Unternehmen aus diesem Sektor. Zweitgrößte Branche ist mit etwa 18 Prozent die Finanzindustrie.

Und bei welchen Sektoren ist eher Vorsicht angebracht?

Anderl: Signifikante Short-Positionen haben wir derzeit vor allem bei Industriefirmen. Aber auch bei den Unternehmen aus dem Bereich der Telekommunikation sind wir aktuell skeptisch. Zwar bieten diese Konzerne hohe Dividendenrenditen, aber in dieser Branche sind auch immense Ausgaben für Investitionen notwendig. Wir erwarten dort deshalb aktuell nur begrenztes Gewinnpotenzial.

Sehen Sie auch außerhalb von Europa gute Chancen?

Anderl: Natürlich ist hier der amerikanische Markt aufgrund seiner Größe und seiner großen Vielfalt an unterschiedlichen Unternehmen am interessantesten. Aktuell finden wir dort sowohl Long- wie auch Short-Positionen. Auf der Long-Seite sind insbesondere die Informationstechnologie und Teile der Gesundheitsbranche interessant, weil es aus diesen Sektoren kaum europäische Unternehmen gibt. Damit können wir unsere Möglichkeiten erweitern und unser Portfolio ergänzen.

Und die Short-Seite?

Anderl: Nach dem Bullenmarkt der vergangenen Jahre, in dem die Kurse stark gestiegen sind, gibt es am amerikanischen Markt viele Unternehmen mit hohen Bewertungen, die unseres Erachtens nur noch begrenztes Aufwärtspotenzial haben, dafür aber ein hohes Verlustrisiko beinhalten.

Sind Sie darüber hinaus in den Emerging Markets positioniert?

Anderl: Wir sehen uns auch dort um. In den Schwellenländern hat sich zuletzt das Wachstum aber verlangsamt, insbesondere in China. Das hat sich auf jene Branchen negativ ausgewirkt, die vom makroökomischen Umfeld abhängen. Dazu zählen zum Beispiel die Autoindustrie und Unternehmen aus dem Bereich der Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe. Deshalb sehen wir dort eher Abwärtstendenzen und sind hier einige Short-Positionen eingegangen. Und tatsächlich haben genau diese Positionen viel zur guten Wertentwicklung des Fonds in diesem Jahr beigetragen.