Interview mit Dag Rodewald UBS „Smart Beta wird bei ETFs weiter ein beherrschendes Thema sein“

Erfrischende Mischung. Multi-Faktor-ETFs können das Thema ETF einem breiteren Kundenkreis zugänglich machen | © Getty Images

Erfrischende Mischung. Multi-Faktor-ETFs können das Thema ETF einem breiteren Kundenkreis zugänglich machen Foto: Getty Images

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Dag Rodewald

Wie ist Ihre Definition von Smart Beta?

Dag Rodewald: Bei UBS sprechen wir nicht von Smart Beta, sondern von Alternative Beta. Darunter verstehen wir alternativ gewichtete Indizes, also Indizes, die nicht nach Marktkapitalisierung der Unternehmen gewichtet sind. Unternehmen werden stattdessen entsprechend ihrer Ausprägung bestimmter Faktoren bewertet, das können zum Beispiel Value oder Qualität sein. Daraus wird ein Score ermittelt, der den Grad der Faktorausprägung wiederspiegelt. Das Unternehmen mit der höchsten Faktorausprägung bekommt die höchste Gewichtung im Index.

Ist das die bessere und smartere Art, Indizes zusammenzustellen? Wird Smart Beta klassische Indizes ablösen?

Rodewald: Man darf das nicht schwarz- weiß sehen, es gibt nicht nur ein Entweder-oder. Beide Indexarten haben ihre Vor- und Nachteile. So ist es zum Beispiel sinnvoll, Kerninvestments in den großen Märkten wie den USA, Europa oder Japan über marktkapitalisierte Indizes zu haben. Alternative-Beta-ETFs können als Satelliten dazu genommen werden. Wir sehen zwar jetzt zum Beispiel im Versicherungsbereich, dass größere Teile der Kerninvestments durch Faktor-Lösungen ersetzt werden. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass es grundsätzlich eine Ablösung von den klassischen Indizes geben wird.

Wo liegen die Vorteile von Smart Beta?

Rodewald: Smart Beta kann das Risiko-Ertrags-Profil eines Portfolios über lange Zeiträume verbessern. Beispielsweise kann man über die Beimischung von eher defensiven Faktoren wie Qualität und Low Volatility das Portfolio effizienter gestalten. Die Volatilität und die Kursrückschläge sind geringer und teilweise sieht man auch schnellere Erholungsphasen nach Korrekturen.

Allerdings entwickeln sich Faktor-basierte ETFs nicht grundsätzlich immer besser als klassische. Faktoren sind zyklisch. Es gibt  Phasen, in denen ein Investment in einen einzelnen Faktor eine schlechtere Performance erzielt als der Referenzmarkt. Ein aktuelles Beispiel ist der Faktor Low Volatility, der seit Mitte 2016 dem klassischen Index MSCI EMU hinterherhinkt, weil die Volatilität des Gesamtmarktes deutlich zurückgegangen ist. Langfristig kann man aber Risikoprämien vereinnahmen, vor allem durch einen Mix aus Faktoren.