Interview mit J. P. Scandalios, Fondsmanager bei Franklin Equity Group „Bewährte Prozesse und Expertise zahlen sich aus“

Samsung-Chef Tim Baxter auf einer Elektronikmesse in Las Vegas: Immer mehr Produkte werden zu intelligenten Begleitern in allen Lebensbereichen | © Getty Images

Samsung-Chef Tim Baxter auf einer Elektronikmesse in Las Vegas: Immer mehr Produkte werden zu intelligenten Begleitern in allen Lebensbereichen Foto: Getty Images

DAS INVESTMENT: Herr Scandalios, Ihr Spezialgebiet ist Technologie. Welche Bereiche reizen Sie derzeit besonders?

J. P. Scandalios: Als Analyst für Aktien-Research bin ich für die Halbleiterbranche zuständig. Es gibt einige spannende Trends, die sich in der Branche gerade entwickeln, wie zum Beispiel optische Verbindungen in Netzwerken und Rechenzentren, künstliche Intelligenz, virtuelle Realität, Fahrerassistenzsysteme (Advanced Driver Assistance Systems, ADAS), Halbleiterlaufwerke, sog. Solid-State Drives (SSDs), Sensor- und Konnektivitäts-Chips für die zahlreichen Geräte für das Internet der Dinge (IdD), drahtlose Aufladung und den 5G-Drahtlos-Standard.

Im breiteren Technologiesektor erkenne ich ebenfalls starke langfristige Trends: Diese umfassen öffentliche Clouds, Software-as-a-Service (SAAS), Cybersicherheit, digitale Zahlungen und Transaktionen, e-Commerce, Robotik sowie soziale und On-demand-Medien.

Wie hat der Dotcom-Boom und sein Scheitern vor mehr als zwei Jahrzehnten den Blick der Anleger auf den Technologiesektor beeinflusst? Betrachten Sie und Ihr Team den Sektor heute deswegen anders?

Scandalios: Dass die Dotcom-Blase tatsächlich Jahrzehnte zurückliegt, erscheint unglaublich! Viele Jahre lang wollten die Anleger von Technologietiteln nichts mehr hören, so sehr schmerzten die Wunden im Depot. Eine ganze Generation von Anlegern kehrte sich von dem Sektor ab, und manche betrachten Technologieunternehmen immer noch mit großer Skepsis.

Das Gute an dem damaligen Boom und seinem Scheitern ist, dass viele Anleger nun disziplinierter sind und sie nachhaltige Gewinne beziehungsweise einen klaren Weg zur Rentabilität ihrer Investments sehen möchten. Anleger sind sich der Bewertungen, die sie Technologie-Aktien zuschreiben, inzwischen besser bewusst. Als Lehre aus der Dotcom-Blase arbeitet unser Analystenteam für Technologie-Research so sorgfältig wie nur irgend möglich. Wir sind sensibilisiert und vor einer derartigen überzogenen Überschwänglichkeit auf der Hut.

Was macht Ihren Ansatz als Investmentmanager aus?

Scandalios: Ich würde meinen Ansatz mit den Wörtern „methodisch“ und „geduldig“ beschreiben, abgerundet von einer gesunden Portion Skepsis. Ich bin ziemlich risikoavers, was für einen Anleger im Technologiesektor wie ein Widerspruch erscheinen könnte.

Ich finde es auf lange Sicht viel einträglicher, sich auf hochwertige Unternehmen zu konzentrieren. Ich bin der festen Überzeugung, dass das beste Risikomanagement vor allem darin besteht, für die Aufnahme eines Titels in ein Portfolio reglementierte, hohe Hürden zu setzen.

Der Technologiesektor kann volatil sein. Wie gehen Sie mit problematischen Phasen um und welche Botschaft haben Sie für Anleger in schwierigen Marktphasen?

Scandalios: Ich lege den Anlegern nahe, dass wir die Volatilität des Technologiesektors begrüßen und versuchen, sie auszunutzen. Das ist leichter gesagt als getan. Aber mehr als 20 Jahre Erfahrung und ein erfahrenes Team sind hierbei von unschätzbarem Wert. Wir haben immer mal wieder eine gehörige Portion Volatilität erlebt. Man denkt sich, dass auch dies vorübergehen wird – und hält sich diszipliniert an seine bewährten Prozesse. Dabei zeigt sich: Problematische Phasen bieten häufig spektakuläre Chancen. In vielen Fällen kennen unsere Analysten diese Technologieunternehmen so gut wie niemand sonst an der Wall Street. Wir hoffen, dass sich diese Expertise letztlich auszahlt.

Sie sind nicht nur Manager eines Technologieportfolios, sondern verwalten auch ein Portfolio mit US-Small- und Mid-Cap-Wachstumswerten. Gibt es hier Unterschiede mit Blick auf die Chancen?

Scandalios: Auch wenn ich auf mehr als zwei Jahrzehnte Erfahrung als Research-Analyst und Portfoliomanager im Technologiesektor zurückblicken kann: Ich wende stets ziemlich viel Zeit auf, um mich mit Titeln aus anderen Sektoren – darunter Finanzen, Energie, Rohstoffe, Gesundheit und Industrie – vertraut zu machen. Zugleich gilt es, sich mit den jeweils für diese Bereiche geltenden kritischen Faktoren zu beschäftigen. Glauben Sie mir: Das ist, als würde man mehrere neue Sprachen gleichzeitig lernen. Allerdings unterscheiden sich die Chancen nicht. Mein übergreifender Ansatz für die Verwaltung aller Portfolios sieht so aus: Ich versuche die besten Player und Akteure in jeder Branche zu finden und dort chancenorientiert anzulegen, wobei ich auf einen langfristigen Anlagehorizont achte.

Was mögen sie bei Ihrem Beruf am meisten und verschafft Ihnen die größte Zufriedenheit?

Scandalios: Die Modellierung von Geschäftsprozessen macht mir immer noch Spaß und auch die Analysearbeit für die Erstellung von Finanzprognosen für ein Unternehmen ist sehr lohnend – natürlich besonders dann, wenn dies zu einer guten Wertentwicklung für unsere Anlagen führt. Zu beobachten, wie ein Szenario eintritt, das man ausgearbeitet hat, kann sehr befriedigend sein. In meinem Fall geht es immer wieder darum zu verstehen: Welchen Nutzen hat das Halbleiterprodukt eines Unternehmens? In welcher Größenordnung wird sich das Produkt verkaufen? Wer sind die Kunden? Welcher Preis kann verlangt werden? Wer sind die Mitbewerber? Alle diese Fragen sind nach wie vor anregende gedankliche Puzzlesteine, die zu einem Gesamtbild zusammengesetzt werden wollen. Unser Research ist unsere Kernkompetenz, und unsere Analysten sind das Fundament unseres Unternehmens.

Mit welcher Anekdote können Sie uns überraschen?

Scandalios: Ich bin griechischer Abstammung und bis vor 300 Jahren war der Name meiner Familie Skilas. Die Fischerei ist und war besonders damals einer der wichtigsten Industriezweige auf den griechischen Inseln. Einer meiner Vorfahren wurde dabei erwischt, wie er ein Fischerboot „auslieh“. Um seiner Familie unendliche Schmach zu ersparen, musste er seinen Familiennamen in Scandalios ändern. Das ist vielleicht nicht die beste Geschichte für jemanden mit treuhänderischen Aufgaben, aber das liegt schon sehr lange Zeit zurück!