Interview mit Max Anderl „Wir werden schnell aus der Talsohle bergauf gehen“

Maximilian Anderl, CFA, ist Leiter für Concentrated Alpha Aktien und leitender Portfoliomanager für die globalen und europäischen Concentrated Alpha Long-only und Long/Short-Strategien bei UBS Asset Management

Maximilian Anderl, CFA, ist Leiter für Concentrated Alpha Aktien und leitender Portfoliomanager für die globalen und europäischen Concentrated Alpha Long-only und Long/Short-Strategien bei UBS Asset Management

// //

Seit dem vergangenen Jahr ist die Volatilität an den Aktienmärkten gestiegen. Wie kommt der Fonds mit den Turbulenzen klar?

Max Anderl: 2015 war ein sehr gutes Jahr für uns. Zur Jahresmitte konnte sich der Fonds klar von dem einbrechenden MSCI Europe loslösen und unkorrelierte Erträge erzielen. Es gab zwar auch Ausschläge nach oben und unten, aber bei weitem nicht so tiefe Täler wie beim Index. Insgesamt hat der Fonds nach Kosten 2015 eine Performance von rund 20 Prozent erzielt. Im Januar hatten wir erste Schwierigkeiten, haben den Monat aber mit einer Null-Performance letztlich gut überstanden. Im Februar und Anfang März lag der Einbruch allerdings dann bei rund 10 Prozent.

Wie ist es dazu gekommen?

Anderl: Die Kurse haben sich recht ungewöhnlich entwickelt. Die Sektoren, für die die Analysten ihre Prognosen am stärksten gesenkt hatten, sind am besten gelaufen. Das waren vor allem der Energie- und der Grundstoffsektor. Energie hat uns nichts gekostet, da wir hier keine Netto-Short-Position hatten. Der Grundstoffsektor hat die Performance jedoch etwas belastet. Die stärksten Verluste kamen aber aus dem Industriesektor, wo wir unsere größten Short-Positionen hatten. Auf der Long-Seite hat uns der Gesundheitssektor, der sich schlecht entwickelt hat, relativ wehgetan. Hier haben wir jetzt einige Aktien stärker aufgebaut, die sehr unter Druck gekommen sind.

Wie sind Sie jetzt positioniert? Wie hoch ist Ihre Nettoinvestitionsquote, also die Höhe der Long-Positionen abzüglich der Short-Positionen?

Anderl: Wir sind zurzeit sehr vorsichtig. Üblicherweise hat der Fonds ein Nettoexposure von 30 bis 70 Prozent. Im April 2015 lag die Nettoquote noch bei den für uns klassischen 50 Prozent. Diese haben wir dann im Laufe des Jahres auf 35 Prozent herunter gefahren und in den letzten vier Monaten auf 15 Prozent gesenkt. Wenn sich die Märkte weiter erholen, würden wir sie eventuell noch etwas weiter senken. Wenn die Märkte wieder fallen sollten, würden wir die Quote wohl wieder leicht erhöhen. Theoretisch können wir sie auch bis auf minus 25 Prozent reduzieren, also mehr Short- als Long-Postionen eingehen. Das würden wir aber nur machen, wenn wir einen starken Bärenmarkt erwarten. Für ein solches Szenario müssten die USA aber in eine Rezession abrutschen, und dafür sehen wir derzeit keine Anzeichen.

Was erwarten Sie, wie es am Markt weiter geht?

Anderl: Wir gehen davon aus, dass sich die Wirtschaft weiter abschwächt, aber nicht in eine Rezession fallen wird. Die Öl- und Rohstoffpreise dürften sich stabilisieren, aber nicht deutlich steigen. Wenn die Rohstoffpreise aufgrund fallender Nachfrage sinken, können sie schnell V-förmig zurückfedern, wenn die Nachfrage wieder anzieht. Allerdings ist das Angebot zurzeit sehr groß, es wird zu viel produziert. Daher dürfte es bei anziehender Nachfrage nur eine L-förmige Entwicklung, also eine Stabilisierung, geben. Hierfür haben wir den Fonds gut positioniert. Der Rohstoffsektor ist zurzeit ziemlich teuer, wir erwarten einen Rückgang der Aktienpreise und sind entsprechende Positionen eingegangen.

Und worauf setzen Sie auf der Long-Seite?

Anderl: Wir mögen gerne dividendenstarke Titel. Die durchschnittlichen Dividendenrenditen sind in den Industrieländern höher als die Anleiherendite. In Europa etwa steht eine
4-prozentige Dividendenrendite einer Rendite von 0,7 Prozent für zehnjährige Staatsanleihen gegenüber. Entscheidend ist es, die nachhaltigen Dividendenzahler zu identifizieren. Wir rechnen damit, dass die Dividendenzahlungen in den Bereichen Industrie, Energie, Rohstoffe und auch bei einigen Banken eher sinken dürften. Stabile oder steigende Ausschüttungen sehen wir hingegen bei Basiskonsumgüter- und Pharmaunternehmen sowie bei einigen Versorgern.

Schafft der Fonds denn 2016 noch eine positive Performance?

Anderl: In der Vergangenheit konnten wir Kurseinbrüche immer recht zügig wieder aufholen. Wenn wir den Tiefpunkt erreicht haben – was wir glauben –, werden wir aus der Talsohle schnell bergauf gehen.