Interview mit Michael Krautzberger So geht es weiter am Euro-Anleihenmarkt

Michael Krautzberger, Leiter für Euro-Anleihen bei Blackrock. Foto: Tom Hönig

Michael Krautzberger, Leiter für Euro-Anleihen bei Blackrock. Foto: Tom Hönig

// //

DAS INVESTMENT: Vor ein paar Wochen verloren Bundesanleihen ziemlich schnell an Wert. War Ihnen mulmig?

Michael Krautzberger: Nein, wir wussten, dass die Rentenmärkte teuer waren. Ich war allerdings überrascht, wie schnell und heftig die Bewegung war.

Warum sanken die Kurse so plötzlich?

Krautzberger: Der Markt hatte zuvor drei große Szenarios gespielt: sinkende Inflation, Europa als die schwächere Volkswirtschaft hinter den USA und das Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB). Man erwartete, dass die EZB das Doppelte von dem kauft, was neu auf den Markt kommt. Das ist mehr, als damals die US-Notenbank gemacht hat. Im April und Mai wurden dann plötzlich alle drei Konsensannahmen auf die Probe gestellt. Das kann einen Markt schnell und hart treffen. Der Ölpreis stieg und erhöhte die Inflation. Europa hielt sich wirtschaftlich plötzlich besser als die USA. Und Anleihe-Emittenten zogen ihre Emissionen nach vorn und überforderten damit die Kaufkraft der EZB. Und dann korrigierte auch noch der Euro gegenüber dem Dollar nach oben, das hatte kaum jemand erwartet.

Als die US-Notenbank Anleihen kaufte, fielen dort die Kurse tendenziell. Das dürfte in Europa ähnlich laufen.

Krautzberger: Bis heute stimmt das sogar. Ich glaube auch nicht, dass die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe unter null gehen wird, wenn es nicht zu einem Konjunktureinbruch kommt. Ich glaube aber auch nicht, dass sie in Richtung 2 oder 3 Prozent steigen wird. Ich denke, knapp unter einem Prozent sind wir vom fairen Wert gar nicht so weit entfernt.

Deutschland ist mit 75 Prozent seiner Wirtschaftsleistung verschuldet. Sie bezeichnen ein Prozent als faire Rendite?

Krautzberger: Nicht langfristig über alle Konjunkturzyklen. Eher für die aktuelle Situation, den Zustand der Wirtschaft und die Renditen auf anderen Märkten. Die EZB hat für neue Maßstäbe gesorgt. Und so einfach erhöhen kann man die Zinsen nicht mehr.

Warum nicht?

Krautzberger: Weil sich viele zu den aktuellen Konditionen verschulden, sie könnten sich die Kredite zu höheren Zinsen nicht mehr leisten.

Das klingt nach den USA 2007.

Krautzberger: Heute ist es anders, aber nicht weniger gefährlich. Von 1 auf 2 Prozent ist es ein viel größerer Sprung. Die Zinslast verdoppelt sich damit. Das kann die Wirtschaft stark beeinträchtigen.

Das ist ja mal ein tolles Pulverfass.

Krautzberger: Nur wenn die Zentralbank zu schnell vorgeht. Wenn sie die Zinsen behutsam erhöht, und das zügig wirkt, kann es gut gehen.

>>Vergrößern