Interview: Rentenfonds-Manager kauft Griechenland-Anleihen

Christophe Frisch

Christophe Frisch

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DAS INVESTMENT.com: Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und Deka-Volkswirt Ulrich Kater haben Zweifel daran geäußert, ob Griechenland die Leistungskraft aufbringen kann, die Schulden zurück zu zahlen.

Christophe Frisch: Das Programm ist ohne Zweifel extrem ambitioniert. Ich bin mir sicher, dass die Griechen es ernst meinen, das zeigen auch schon die ersten Sparprogramme. Ich glaube allerdings auch, dass ein fixierter Zeitrahmen nicht sonderlich hilfreich ist. Ob die griechischen Probleme in drei oder fünf Jahren gelöst sind, ist zweitrangig.

DAS INVESTMENT.com: Was hat Priorität?

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Frisch: Die europäische Währungsunion ist ein politisches Projekt. Doch es gibt nach wie vor keine gemeinsame Fiskal- und Wirtschaftpolitik. Für Europa sollte die Griechenland-Krise ein Warnschuss sein. Und Aufgaben sollten von nun an gemeinsam angepackt werden.

DAS INVESTMENT.com: Wäre eine Umschuldung oder gar eine Pleite Griechenlands eine Lösung?

Frisch: Auf gar keinen Fall. Sie hätte für niemanden Vorteile, nicht für die Griechen und nicht für das restliche Europa. Eine Pleite Griechenlands käme einer zweiten Lehman-Pleite gleich. Es wird so schon extrem hart für Griechenland und das Land wird die Auswirkungen einer sehr unangenehmen Rezession spüren. Das Ausscheiden Griechenlands aus dem Währungsverbund ist das Worst Case Szenario. Alle Schulden lauten auf Euro. Die Staatsschulden, genauso wie Hypotheken und Kredite der griechischen Bevölkerung. Wir haben durch eine gemeinsame Währung erhebliche Vorteile. Eine Drachme 2.0 wäre eine Katastrophe. Diese ganze Debatte und die unterschiedlichen Szenarien decken auch auf, wie undifferenziert mit dem Thema umgegangen wird.

DAS INVESTMENT.com: Spekulanten haben die Krise verschärft.

Frisch: Es wird auch hier nicht differenziert. Ein Exporteur, der sich gegen Währungsschwankungen absichert, ist der ein Spekulant? Nein, ist er nicht. Was ist passiert? Griechenland hat fehlerhafte Daten geliefert. Der Schwindel ist aufgeflogen und das Defizit ist aufgedeckt. Jetzt gilt es, Klarheit zu bekommen. Mir ist es zu einseitig, sofort mit dem Finger auf Spekulanten zu zeigen.

DAS INVESTMENT.com: Uneinigkeit herrscht auch über den künftigen Umgang mit Credit Default Swaps.

Frisch: Richtig. Und auch hier wird wieder sehr undifferenziert argumentiert. Wir können ökonomische Probleme nicht lösen, wenn wir Finanzinstrumente einfach verbieten. Wir brauchen mehr Transparenz. Was drückt denn das gestiegene Handelsvolumen der CDSs aus? Zunächst einmal wenig. Wir beide können untereinander ein Geschäft eingehen, das können Sie dann wiederum mit einem Dritten glattstellen. Dadurch wird das Volumen aufgebläht. Mehr aber auch nicht.