Invesco-Geschäftsführer im Interview „Wer da nur schnell verkaufen will, ist gleich wieder raus“

Alexander Lehmann, Mitglied der Geschäftsführung der Fondsgesellschaft Invesco  | © Uwe Nölke

Alexander Lehmann, Mitglied der Geschäftsführung der Fondsgesellschaft Invesco Foto: Uwe Nölke

DAS INVESTMENT: Laut dem aktuellen Global Wealth Report der Allianz sind deutsche Sparer viel zu ängstlich. Sie verschenken angesichts der niedrigen Zinsen Geld. Die „Deutsche Angst kostet 200 Milliarden Euro“ schreibt die „FAZ“. Sie sind ein Mahner in Sachen privater Geldanlage. Wie fällt Ihr Urteil aus?

Alexander Lehmann: Das Finanzwissen der Deutschen ist ausbaufähig. Das ist schon paradox, denn wir leben ja in einer Nation, in der eigentlich viel Geld verdient wird. Die halbe Welt kauft unsere Autos, aber auf die Idee mal eine Aktie dieser Unternehmen zu kaufen, kommt hierzulande offenbar keiner.

VW oder BMW in der Garage, Adidas-Turnschuhe, von Beiersdorf ein Kleber oder Nivea-Creme – das sind alles solide Dax-Werte, und doch halten nur 6,5 Prozent der Deutschen Aktien. In Finnland ist es jeder Dritte, selbst Spanien ist mit 22 Prozent noch weit vorn.

Die Gründe dafür liegen sicher in unserem Bildungssystem. Wirtschaft und gerade Börse sind erst mal verdächtig. Wir sind stark auf der intellektuellen Seite, was etwa einen Bildungskanon angeht. Aber wir sind schwach in Sachen Vermittlung von Finanzwissen. Deshalb predige ich ja seit 27 Jahren: Liebe Leute, redet über Geld, sonst habt ihr im Alter keins.

Wie passt das zusammen mit einem unglaublich starken Mittelstand und einer sehr breiten und dezentralen Wirtschaftskraft?

Wir sind ein Land der Tüftler und Ingenieure. Für diese Produkte begeistern wir uns, die können Sie auf Messen bestaunen. Finanzanlagen dagegen sind nicht haptisch, die kann man nicht anfassen so wie einen nagelneuen BMW im Showroom. Daher wohl die mangelnde Begeisterungsfähigkeit und das fehlende Verständnis.

Wie können Lösungen ausschauen? Der Bildungsansatz ist doch hoffnungslos.

Ich lasse beim Thema Bildung nicht locker. Wir bräuchten eine Stunde ab der 5. Klasse, das würde reichen. Nichtsdestotrotz müssen wir den Endkunden über seinen Berater erreichen. Da bin ich optimistisch, weil der Beratermarkt sich ganz trefflich entwickelt. Da gibt es inzwischen richtig gute Leute.

Worauf führen Sie das zurück?

Ich denke, indirekt kommt es über die Regulierung. Die Anforderungen an die Dokumentation und an das Gespräch sind mittlerweile sehr hoch. Wer da nur schnell verkaufen will, ist gleich wieder raus. Da hat es sicher eine Auslese gegeben.

Wie stehen Sie zu möglichen Anreizsystemen, vergleichbar mit den amerikanischen Vorsorgeplänen 401K? Sparen und dadurch weniger Steuern zahlen.

Das ist der richtige Trigger. Aber so weit sind wir hierzulande noch nicht. Typisch deutsch ist, dass das bitte der Staat kollektiv organisieren soll. Das ist falsch. Es kann auch privatwirtschaftliche und individuelle Lösungen geben.

Quelle: Allianz Global Wealth Report