Invesco-Manager Sascha Specketer im Interview „Keine Absage an das aktive Management“

Sascha Specketer leitet seit Oktober 2017 die ETF-Einheit der US-Fondsgesellschaft Invesco. Er ist für den deutschen, österreichischen und osteuropäischen Markt verantwortlich. Seit 2008 arbeitete er beim ETF-Anbieter Source. Dieser wurde im April 2017 von Invesco übernommen. Specketer begann seine berufliche Laufbahn im Corporate-Finance-Bereich und wechselte anschließend in die Asset-Management-Branche. | © Johannes Arlt

Sascha Specketer leitet seit Oktober 2017 die ETF-Einheit der US-Fondsgesellschaft Invesco. Er ist für den deutschen, österreichischen und osteuropäischen Markt verantwortlich. Seit 2008 arbeitete er beim ETF-Anbieter Source. Dieser wurde im April 2017 von Invesco übernommen. Specketer begann seine berufliche Laufbahn im Corporate-Finance-Bereich und wechselte anschließend in die Asset-Management-Branche. Foto: Johannes Arlt

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DAS INVESTMENT: Invesco verwaltet weltweit 55 Milliarden Dollar in sogenannten Smart-Beta-Produkten – ETFs, deren Zusammensetzung sich nach klaren Faktoren wie zum Beispiel Größe, Value oder Dividendenhöhe richtet. Worauf führen Sie deren Beliebtheit zurück?

Sascha Specketer: Indexfonds und ETFs sind ja seit etwa 2001 eine Erfolgsgeschichte. Aber die Fonds haben sich weiterentwickelt. Eine immer größere Zahl von Investoren geht seit gut acht Jahren auch in Smart-Beta-Produkte. Weil sie ihnen noch mehr Kontrolle über ihre Investitionsziele geben. Ein weiterer Grund sind sicherlich die einzelnen Themen, die über Smart-Beta-Produkte einfach und transparent abgebildet werden können. Da kann man sicherlich von einer Evolution sprechen.

Wer sind die klassischen Kunden im Smart-Beta-Geschäft?

Vermögensverwalter, Berater aus dem Private Banking und dem Wealth Management, also der klassische Wholesale-Bereich. Interessant und ganz sicher noch ausbaufähig ist der institutionelle Markt, und dort besonders Versicherer und Pensionskassen.

Werten Sie diesen Erfolg auch als punktuelle Absage an aktives Fondsmanagement, beziehungsweise an Fonds, die stark am Vergleichsindex kleben?

Nein, eine Absage an das aktive Management ist es definitiv nicht. Aktives Management wird immer Bestand haben, wenn der Manager einen echten Mehrwert liefert. Der kann lösungsorientiert sein, etwa im Absolute-Return-Bereich, oder seitens der Performance. Wer kontinuierlich ein hohes Alpha erzielt, macht einen tollen Job und wird immer gebraucht. Aber: Wer an traditionellen Benchmarks klebt und diesen Ansatz als aktives Management verkauft, wird langfristig keine Daseinsberechtigung mehr haben.

Gleichwohl verlangen Smart-Beta-Fonds ein gewisses Finanzwissen, was ihre Ausgestaltung und den Charakter einzelner Faktoren angeht.

Sicherlich ist es im Vergleich zu den klassisch gewichteten Indexfonds ein etwas komplexeres Thema. Aber es ist dahingehend auch einfach, weil es sich ja um regelbasierte Gewichtungen handelt. Ein Bespiel: Ich investiere nicht in den Gesamtmarkt S&P 500, sondern in einen ETF, der innerhalb des S&P 500 die schwankungsärmsten und dividendenstärksten Aktien herausfiltert.

Nun gibt es eine recht große Zahl unterschiedlicher Faktoren. Besteht da nicht auch die Gefahr, dass sich einzelne Strategien im Zusammenspiel gegenseitig aufheben?

Jede Faktor-Strategie hat ganz eigene Prämien. Die können im Zusammenspiel positiv miteinander korrelieren, aber auch negativ. Value und Momentum sind sehr stark negativ korreliert. Value und Quality ebenso. In unseren Multi-Faktor-Strategien schließen wir diesen Widerlauf aus. Da finden sich über bis zu fünf Faktoren nur Aktien im Fonds, die in der Summe den maximalen Prämienbeitrag liefern.