Investment Circle 2016
 Market Improvement

Endstation Rendite
Altersvorsorge und Niedrigzinsen: Versicherer und Fondshäuser auf dem gemeinsamen Weg in die neue Rendite-Welt

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ALTERNATIVE ROUTE

Trotz Niedrigzinsen sparen die Deutschen noch immer viel zu konservativ – das Sicherheitsbedürfnis hat zuletzt sogar zugenommen. Nun sind die Berater gefordert: Sie müssen einen Mentalitätswandel herbeiführen und Kunden ertragreiche, aber erklärungsbedürftige Altersvorsorgekonzepte näherbringen

TERRORANGST, ZINSTIEF, Börsenrückschlag – in den vergangenen Monaten lasteten zahlreiche Negativmeldungen auf den Gemütern. Manche Deutsche fühlen sich in der eigenen Heimat nicht mehr sicher und sehen auch ihren materiellen Wohlstand in Gefahr. Letzteres zumindest ist nicht von der Hand zu weisen: Die Europäische Zentralbank hat die Zinsen für konservative Anlagen de facto abgeschafft.

Die Sparer ahnen, dass die Ära der unkomplizierten Geldvermehrung so schnell nicht wiederkehrt. Laut einer aktuellen Studie von Union Investment erwarteten zwei von drei Befragten sogar, mit ihrem Geldvermögen zukünftig über Negativzinsen zur Kasse gebeten zu werden. Erstaunlicherweise zieht aus dieser Einschätzung aber nur eine Minderheit Konsequenzen. „Lieber einen kleinen Schaden hinnehmen als etwas riskieren“, lautet ihr Credo.

Im aktuell als überaus unsicher wahrgenommenen Umfeld hat das Bedürfnis nach althergebrachten Sparformen deutlich zugenommen. Das geht aus der Gothaer Anlegerstudie 2016 hervor, die das Forsa- Institut durchführte. Demnach schnellte der Anteil der Privatpersonen, die bei der Geldanlage vor allem Wert auf Sicherheit legten, von 43 Prozent im Vorjahr auf nunmehr 54 Prozent hoch. Flexibilität oder gar eine gute Rendite waren dagegen deutlich weniger Menschen wichtig. Hohe Erträge rangierten mit einer Präferenz von nur noch 8 Prozent weit abgeschlagen.

ANGSTSPAREN IST DIE REGEL

Traditionelle Anlageformen werden nach wie vor am häufigsten praktiziert, wie die Gothaer-Studie weiter aufdeckt. So besitzt noch immer fast jeder zweite Deutsche ein Sparbuch. Angesichts des günstigen Baugelds waren Immobilien begehrt. Aber auch Rentenpolicen gewannen neue Freunde, wobei die Auflage innovativer Produkte ohne starre Garantien eine Rolle gespielt haben dürfte. Aktien und Investmentfonds blieben vordere Ränge in der Beliebtheitsskala hingegen verwehrt. Die Zahl der Fondsanleger entwickelte sich sogar rückläufig.

Ein Blick in die Statistik des Branchenverbands BVI bestätigt die abwartende Haltung. In den sieben Monaten Januar bis Juli 2016 sank das Mittelaufkommen der Publikumsfonds auf nur noch 3,8 Milliarden Euro, was einem Rückgang um 93 Prozent entspricht. Auch die in den Vorjahren so beliebten Mischfonds hatten einen Durchhänger. Institutionelle Anleger zeigten mehr Stehvermögen. Bei ihnen gingen die Neuanlagen nach dem sehr guten Vorjahr „nur“ um 28 Prozent zurück. Berater und Produktanbieter müssen noch viel Überzeugungsarbeit leisten, um die Deutschen vom Sparbuch wegzulocken.

Aber im Niedrigzinsumfeld führt an intelligenten Kapitalmarktlösungen kein Weg vorbei. Angemessene Renditen erzielt zukünftig nur noch, wer in Teilbereichen höhere Risiken eingeht und starre Garantien meidet. Der Garantiezins deutscher Lebensversicherer, jahrelang ein schlagendes Verkaufsargument, hat als Marketinginstrument ohnehin ausgedient (siehe Grafik).

MENTALITÄTS-TRANSFER

Das Umfeld lässt Asset Manager und Versicherungen enger zusammenrücken. Die Kapitalmarktakteure mit eigentlich sehr unterschiedlichen Mentalitäten ersinnen gemeinsam innovative Produkte. Diese trotzen dem herausfordernden Marktumfeld das entscheidende Plus an Prozentpunkten ab, erfordern jedoch einen umfassenden Aufklärungsbedarf.

Manche Lösungen erscheinen aber auch bereits wieder überholt. So verhalf das Bestreben, die Renditechancen des Kapitalmarkts mit dem Wunsch nach Sicherheit zu verbinden, den Indexpolicen zu einem Aufschwung. Doch Kritiker hinterfragen mittlerweile, ob das Konzept noch aufgeht. Denn die Partizipation an einem Börsenindex speist sich bei Indexpolicen ausschließlich aus der Überschussbeteiligung. Die muss aber erst einmal erwirtschaftet werden. Es kann so Jahre dauern, bis Anleger einen Renditevorsprung wahrnehmen.

Fachleute sehen daher die Fondspolice im Aufwind, wie eine Umfrage von Pioneer ergab. In den Fondsdepots stecken jedoch im Regelfall mehrere Produkte mit jeweils unterschiedlichen, teils komplexen Strukturen. Sollen sich diese zur attraktiven Basis für die Altersvorsorge entwickeln, wird die „… Zusammenarbeit zwischen Versicherern und Fondsgesellschaften weiter an Bedeutung gewinnen“, prognostiziert Pioneer-Manager Nils Hemmer.

Die Universität St. Gallen zeigt in einer Studie für Fidelity und AXA Wege auf, wie die beiden kooperierenden Branchen auf kostspielige Garantien gänzlich verzichten könnten. Die Schweizer Forscher empfehlen, sich nicht nur auf die prozentuale Verteilung des Kapitals auf einzelne Assetklassen zu beschränken. Stattdessen sollten Portfolios zusätzlich am verständlich zu erläuternden Risikoindikator SRRI ausgerichtet werden. Überwacht das Management die Einhaltung vorgegebener Schwankungsbreiten, die von SRRI 1 bis SRRI 7 reichen, verhindert dies ein unerwünschtes Überschießen von Anlagerisiken. Der Vorsorgesparer verfügt in diesem Fall stets über ein Portfolio, das der von ihm im Beratungsgespräch zu Protokoll gegebenen Risikoneigung entspricht.

Im Niedrigzinsumfeld greifen Fondspicker verstärkt auf Mischfonds zurück, die alternative Strategien mit Absolute-Return-Charakter verfolgen. Deren Ziel ist es, sowohl in steigenden als auch in fallenden Märkten positive Erträge zu erwirtschaften. Welche Instrumente Portfoliomanager dabei nutzen, muss allerdings erst einmal verstanden und dann auch noch vermittelt werden. Teilweise kommt dies einer Herkulesaufgabe gleich – ist das Vertrauen der Bevölkerung in die Finanzbranche mit Ausbruch der Weltfinanzkrise doch in den Keller gerutscht und hat sich bis heute kaum erholt.

Indes: Gute Fonds haben sich über Zeiträume von zehn Jahren und mehr in der Vergangenheit immer ausgezahlt. Um die Versicherten vor Verlustrisiken noch weiter abzuschirmen, kombinieren viele Anbieter die Fondsinvestments mit zusätzlichen Absicherungsmechanismen und flexiblen Garantien. Als bewährtes Instrument sehen zahlreiche Altersvorsorgelösungen ein Ein- und Ausstiegsmanagement vor. Dies mildert Verwerfungen, wenn große Beträge auf einmal investiert werden oder in Kürze zur Auszahlung stehen.

DECKUNGSSTOCK-HOPPING

Andere Anbieter kombinieren das Fondssparen mit endfälligen Garantien, etwa bezogen auf die nominal eingezahlten Beiträge. Wer als Kunde flexibel bleiben möchte, kann eine Police wählen, die aktive Eingriffe in die Fondsauswahl sowie zwischenzeitliche Zuzahlungen und Entnahmen ermöglicht. Interessant ist auch die Option, vom ursprünglichen Fondssparen später in den Deckungsstock zu wechseln oder kapitalgebundene Auszahlpläne bei Bedarf in eine lebenslange Rente umzuwandeln.

Zusätzlich mögliche Absicherungen biometrischer Risiken erweitern die Produktvielfalt nochmals. Fondspolicen profilieren sich aber nicht nur als Multi-Möglichkeiten-Produkt. Mit ihnen lassen sich auch noch Steuern sparen. Das gilt auch für Privatverträge ohne Einbindung von Riester, Rürup oder den eigenen Arbeitgeber. Auf den Steuerstundungseffekt in der Ansparphase folgen im Regelfall deutlich reduzierte Abgaben während des Rentenbezugs.

BEDROHUNG AUS DEM NETZ

Den Vermittlern vor Ort kommt die Aufgabe zu, den Kunden die vielfältigen Altersvorsorgekonzepte näherzubringen. Allerdings verfügen bislang noch nicht alle Berater über das nötige Rüstzeug dazu. Zudem unterliegt die Finanz- und Vorsorgeberatung immer stärkeren regulatorischen Anforderungen. Schlussendlich machen auch noch neue Konkurrenten den Alteingesessenen das Leben schwer. Vergleichsportale werben aggressiv um Kunden, und reinrassige Online-Anbieter versuchen ebenfalls, sich ein Stück vom Kuchen abzuschneiden.

Eine Internetpräsenz verlangen nach Beobachtung der Unternehmensberatung von Horvath & Partners auch immer mehr Kunden. Sie haben sich daran gewöhnt, via Notebook und Tablet zu recherchieren. Vor allem das jüngere Publikum will Finanzgeschäfte via Mausklick erledigen. Dies ebnet Fintechs den Weg, im Reich der etablierten Anbieter zu wildern und Marktanteile zu erobern.

Angesichts der neuen Konkurrenten und zugleich höherer Arbeitsbelastung erwartet Hovath & Partners daher, dass bis 2020 jede vierte Versicherungsagentur aufgeben muss. Als Reaktion dürfte auch die Zahl sogenannter hybrider Agenturen zunehmen, die beides bieten – persönliche Beratung in den Geschäftsräumen und zu Hause sowie moderne Kommunikation, etwa über Chats oder Videokonferenzen.

Und auch für die Versicherungsbranche gilt: Nimmt der Wettbewerb zu, hat es sich schon immer ausgezahlt, den technologischen Wandel mitzugestalten. So bleibt man im Geschäft.

»Vorbehalte überwinden«

Interview mit Joachim Zech, Geschäftsführer Deutsche Makler Akademie

DAS INVESTMENT: Kommen die Berater mit der neuen Produktwelt gut zurecht?

Joachim Zech:Noch nicht so ganz. Nach den Börsenkrisen 2003 und 2008 bekamen sie zu spüren, dass ihre Kunden die Kapitalanlageprodukte nur an der Höhe der Rendite bewertet haben und nicht an der Qualität der Beratung. Aktuell müssen die Berater ihre Vorbehalte gegenüber den neuen Kapitalmarkt-Angeboten überwinden – ihre alte Produktwelt verschwindet schließlich gerade.

Wo bestehen denn noch besondere Wissenslücken?

Zech: 2015 haben wir rund 6.500 Branchenangehörige in den verschiedenen Aus- und Weiterbildungsgängen gehabt. Das Basiswissen über die Finanzmärkte, ihre unterschiedlichen Anlageklassen und Mechanismen lässt sich nach unserer Beobachtung sicher noch ausbauen. Hier schulen wir mit aufeinander aufbauenden Seminaren, etwa zu den Themen Anlagestrategien, Besteuerung von Kapitalmarktprodukten sowie Fondskennzahlen und Fondsbewertungen. Außerdem könnten in der täglichen Beratung die Bedürfnisse und individuellen Risikoneigungen der Kunden noch umfassender analysiert werden. Reine Produktschulungen umfasst unser Programm aber nicht, das überlassen wir den Anbietern.

Neben den Markt- und Produktfragen müssen sich die Berater noch mit der Regulierung herumschlagen ...

Zech: Ja, die Haftungsrisiken steigen, und das war wohl auch regulatorisch so gewollt. Der Gesetzgeber hat sich gesagt: „Wenn ich den Berater stärker reguliere, schütze ich den Kunden.“ Die neuen Aufklärungs- und Transparenzpflichten korrekt umzusetzen und rechtssicher zu beraten – auch in dieses Gebiet müssen sich viele Vermittler noch intensiver einarbeiten.

»2016 IST DAS JAHR DER POPULISTEN«

Fotos: Lutz Sternstein

Niedrigzinsumfeld und Sparer-Wünsche, neue Produktwelt und Berater-Anforderungen, Garantiekosten und ertragsstarke Altersvorsorge – acht Experten diskutierten mit DAS INVESTMENT über die Herausforderungen für Versicherer und Asset-Manager

Holger Geißler,
Head of Research Research und Sprecher, YouGov Deutschland
Joachim Zech,
Geschäftsführer, Deutsche Makler Akademie (DMA)
Stefan Opel,
SLeiter Hauptabteilung Vertriebsunterstützung, Gothaer Lebensversicherung
Martin Stenger,
Head of Sales IFA and Insurances, Fidelity
Charles Neus,
Direktor, Leiter Versicherungen, Schroders
Christof Kessler,
Sprecher des Vorstands, Gothaer Asset Management
Frank Nobis,
Geschäftsführer, Institut für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP)
Guntram Overbeck,
Leiter Produktmanagement, Helvetia Leben



| DAS INVESTMENT: Herr Geißler, wie sieht der Marktforscher die Stimmungslage unter deutschen Geldanlegern?

Holger Geißler: Wir haben es mit einer zunehmenden Verunsicherung zu tun. Terroranschläge, Brexit und Flüchtlingskrise haben ihre Spuren hinterlassen. Zudem ist das Vertrauen in die Kreditwirtschaft beschädigt, es kam hier zu keiner Image- Erholung. Und aufgrund von Online-Banking und Filialschließungen wird der persönliche Kontakt zum Bankberater immer seltener. Last but not least regiert die Angst vor Altersarmut: Das Bewusstsein, fürs Alter vorsorgen zu müssen, ist vorhanden, aber offen bleibt die Frage, wie man das konkret angehen sollte. Zusammenfassend kann man sagen: Es regiert die Angst vor Verlust, nicht die Hoffnung auf Gewinn.

Stefan Opel: Darum stehen wir als Lebensversicherungsbranche mitten in einer herausfordernden Transformation. Einerseits hat die Bevölkerung den starken Wunsch nach Garantien, doch kosten genau diese Garantien in einem Niedrigzinsumfeld zu viel Anlage-Freiraum, um noch eine angemessene Rendite erwirtschaften zu können. Darum entwickeln wir uns immer mehr, auch gemeinsam mit den Kollegen von der Fondsseite, in Richtung Fondsinvestment – und immer weiter weg von der klassischen Lebensversicherung.

Und die Niedrigzinssituation mit schleichender Sparer-Enteignung bleibt voraussichtlich noch lange erhalten. Man spricht ja schon vom Draghi’schen System.

Christof Kessler: Die Situation hat sicherlich etwas Tragisches – doch zurückschrauben geht nicht. Betrachten wir allein die Schwierigkeiten der Fed, ein Zinsschrittchen zu machen. Im Vergleich dazu ist eine Zinserhöhung der EZB noch viel weniger wahrscheinlich. Wir sollten uns aber auch fragen, ob die Zinsfrage für einen Kunden so relevant ist. Er bekommt bei uns wie bei der Konkurrenz den gleichen Zinssatz. Deswegen nicht zu sparen wäre die schlechteste Variante. So würde ich die These entschärfen wollen, dass der Kunde mehr Angst vor Verlust als Hoffnung auf Gewinn hat. Ein kluges Investment sollte sich am möglichst langfristig laufenden Ertrag orientieren – und folgt nicht kurzfristig direktionalen Marktbewegungen.

»Es regiert Angst vor Verlust, nicht Hoffnung auf Gewinn«

Holger Geißler, YouGov Deutschland

Frank Nobis: Hier ist wohl der Berater der Schlüssel zum Erfolg. Wir müssen jedoch viele Berater erst mal dahin bringen, mit Begriffen wie Rendite und Risiko sicher umzugehen. Wir haben in den letzten vier Jahren bei uns im Rating beobachtet, dass 40 Prozent der klassischen Tarife vom Markt verschwunden sind. Von den restlichen 60 Prozent werden viele nur unter der Ladentheke verkauft. Der Fokus liegt in Zukunft auf kapitalmarkteffizienten Vorsorgeprodukten. Da muss der Berater an Bord geholt werden, die Ausbildung der Vertriebsmannschaft sollte daher oberste Priorität genießen.

Joachim Zech: Berater verharren oft in ihrer gewohnten Position aus Angst, etwas falsch zu machen oder mit Produktspezialisten nicht auf Augenhöhe reden zu können. Wir müssen die Bereitschaft schaffen, sich grundlegend fortzubilden.

Charles Neus: Auf alle Fälle. Wer jahrzehntelang Kapitallebensversicherungen angeboten hat, kann sich nicht plötzlich um 180 Grad drehen und fondsgebundene Produkte verkaufen. Das geht nur schrittweise. Deswegen ist das Thema Indexpolicen jetzt allgegenwärtig, und so kommt man Schritt für Schritt zu den rein fondsgebundenen Lösungen. Ich glaube, wir sollten dies ein Stück weit forcieren. Wobei ich persönlich glaube, dass es noch fünf bis zehn Jahre dauern wird, die breite Bevölkerung überzeugen zu können.

Martin Stenger: Hierbei müssen wir auch unterscheiden, wer Erfahrungen mit Fondspolicen mitbringt und wer Neustarter ist. Wie lange liegt der Verkauf echter Fondspolicen zurück, kann man davon ausgehen, dass dafür noch das nötige Wissen und die nötige Routine vorhanden sind? Wir haben vor Kurzem eine Reihe von leicht verständlichen Pocket Guides mit Basiswissen rund um Fonds konzipiert. Diese haben wir schon zigtausendfach bei Maklern verteilt – das zeigt, dass hier edukativ noch viel zu bewerkstelligen ist.

»Die Bereitschaft schaffen, sich grundlegend fortzubilden «

Joachim Zech, Deutsche Makler Akademie (DMA)

Doch wird uns das Thema Garantieprodukte wohl weiter beschäftigen.

Guntram Overbeck: Ja, das wird von der Kundschaft auf jeden Fall gefordert. Doch wir wissen, dass Garantien nur mit einem gewissen Zins funktionieren. Aber der Zins bricht auch den Lebensversicherungen und Banken immer mehr weg. Wenn die Nullzinspolitik so bleibt, werden die Beitragsgarantien etwa von Indexpolicen in Zukunft nicht mehr funktionieren. Insofern möchte ich dem Rat „lieber etwas tun als gar nichts tun“, widersprechen. Wenn ich etwas tue und dabei nur 0 Prozent herausspringen, kann ich auch gleich Hartz IV beantragen. Die Rechnung ist doch einfach: Mit Garantien kann ich vielleicht langfristig 2 bis 3 Prozent erwirtschaften, das reicht aber bei Weitem nicht für eine ordentliche Altersversorgung aus. Also müssen wir das Thema Fondspolicen beim Kunden positionieren. Aber, da stimme ich zu, das ist ein hartes Stück Brot.

Gehen angesichts des Zinsschwunds bald Schockwellen durch die Bevölkerung?

Overbeck: Damit ist zu rechnen, die Effekte sehen wir jetzt schon bei den Rentnern, die bemerken, dass die Rendite bei den klassischen Produkten abschmilzt. Und wer in zehn Jahren in Rente geht, wird ein ganz großes Problem haben, weil die prognostizierten Renten und Ablaufleistungen nicht mehr eingehalten werden können.

Stenger: Aber wir sehen auch, dass diese Realität langsam in den Köpfen ankommt. Neulich bei einer Konferenz in Köln waren alle überrascht, dass eine Dame vom Zentralen Verband der Verbraucherschutzzentralen auf der Bühne sagte, für die erste Halbzeit des Vertrags möge man doch auf Garantien verzichten, denn diese würden nur Rendite kosten. Wer hätte gedacht, dass wir mal Verbraucherschützer zitieren, weil sie ähnlich wie wir argumentieren?

Opel: Die Frage ist doch, welches Level an Garantien wir ansprechen. Für die bAV wird von den Gutachtern für die Nahles- Rente die Defined Ambition, also eine Zielrente, vorgeschlagen. So könnte es sein, dass damit deutlich mehr Fonds auch in der bAV berücksichtigt werden. Im Moment ist ja die Herausforderung, dass wir in der bAV zum Ablauf eine 100-Prozent-Garantie vorhalten müssen. Ich bin überzeugt, dass an dieser Stelle die Initiative des Gesetzgebers nötig ist, und wir beobachten, dass sich die politische Diskussion in diese Richtung bewegt.

»Es könnten bald mehr Fonds in der bAV berücksichtigt werden«

Stefan Opel, Gothaer Lebensversicherung

Mancher sieht Hybridprodukte als Ersatz für traditionelle Policen an – also eine Versicherung, deren Kapitalanlage aus einem klassischen und einem fondsgebundenen Teil besteht. Ist das richtig?

Kessler: Da Hybride eine Garantie geben, sind Sie für mich nur zweite Wahl. Eine Fondspolice kann eine höhere Rendite erzielen und ist anlagetechnisch die bessere Form. Die Herausforderung liegt hier auf der Seite des Vertriebs, die Kunden diesbezüglich aufzuklären.

Opel: Vom Verkaufserfolg her sieht das zunächst sicher leider noch anders aus, hier werden fondsgebundene Produkte mit Garantie weiter die Hauptrolle spielen. Es gab schon mal einen Boom mit reinen Fondspolicen. Einige Berater und Kunden haben hier schlechte Erfahrungen gemacht, was Kosten und Risiken betrifft. Bei Betroffenen ist daher die Zurückhaltung groß. Mittel- und langfristig werden wir aber eine Renaissance der reinen Fondspolice sehen, auch weil unsere Branche dazugelernt hat. Wir haben die Kosten in den Produkten gesenkt, wir haben die Kommunikation hinsichtlich des Risikos und der Kosten verbessert, und heute bedeuten Garantien auch einen massiven Renditeverzicht, was früher so nicht in dem Ausmaß der Fall war.

»Nicht zu sparen wäre die schlechteste Variante«

Christof Kessler, Gothaer Asset Management

Es ist ebenfalls schon angeklungen: Neben Hybriden wurden Indexpolicen in jüngster Zeit als Produktgruppe der Wahl gehandelt. Doch wächst auch hier die Zahl der Kritiker – zu Recht?

Nobis: Die Indexpolice wurde mit dem Hintergedanken, dass Kunden Sicherheit wollen, in den Markt eingeführt. Sie bietet deshalb endfällige Beitragsgarantien. Wir haben in Backtesting-Verfahren herausgefunden, dass Indexpolicen rund 1 Prozent mehr Rendite als klassische Policen erwirtschaften können. Aber wir wissen, dass sich beim Nullprozentzins auch die Indexpolice schwertut. Insofern sagen auch wir vom IVFP, dass bei der echten Altersvorsorge Fondspolicen ohne Garantien für viele Sparer sinnvoll sind, insbesondere bei Laufzeiten ab 15 Jahren. Wir haben auf Basis des Euro-Stoxx mit rollierenden Zeitabschnitten berechnet, dass ab dann ein Verlustrisiko nahe null ist.

Geißler: Ich möchte an dieser Stelle mal einen Kontrapunkt setzen. Ein Vermittler aus der Nähe von Bautzen hat mir vor einigen Tagen erzählt, dass er bei jungen Leuten momentan nicht mal eine Riester- Rente verkauft bekommt, obwohl die durch die staatlichen Zuschüsse bei einem Minimum-Investment vergleichsweise viel bietet. Kein Einzelfall, denke ich.

Nobis: Das Thema Riester ist ja ein Paradebeispiel für den großen Vertrauensverlust bei den Bürgern. Das Jahr 2016 scheint wirklich das Jahr der Populisten zu sein: Ob auf der großen politischen Bühne der Trumps und Erdogans oder auf der kleineren der Altersvorsorge. Für den bayerischen Ministerpräsidenten Seehofer ist die Riester-Rente tot. Das merken sich die Menschen, ihm glauben sie eher als einem Berater, der eine vergleichsweise sichere Rendite von 4 plus x in Aussicht stellt. Wir haben im Auftrag von einem Investmenthaus und mehreren Versicherern Riester-Renten in der Ablaufphase untersucht. Das waren Echtverträge auf Basis der Beitragszahlungen unter Berücksichtigung von Zulagen und Steuerersparnissen. Bei diesen Verträgen kamen wir nach Abzug aller Kosten auf eine durchschnittliche Rendite von 3,64 Prozent per annum. Das kann sich doch sehen lassen.

Overbeck: Die Politik hilft uns gegenwärtig hier nicht wirklich weiter, das gleicht einem Kampf gegen Windmühlen. Der Frust bei Beratern und Kunden wird ja auch nicht zuletzt dadurch verstärkt, dass man regulatorisch alles transparent machen will, aber dann doch wieder die Sache unnötig verkompliziert. In den Altersvorsorge-Schichten 1 und 2 sind fünf CRK, also Chancen-Risiko-Klassen, vorgesehen. Schicht 3 wird einen Risikoindikator mit sieben Stufen haben. Was ist daran transparent?

Zech: Wenn uns die Politik wenig unterstützt und die Bedenken der Kunden eher schürt, scheint der erfolgversprechendste Weg zu sein, dem Berater neue Wege aufzuzeigen. Dafür ist auch Eigenengagement vonnöten. Wir haben jedoch über Jahre hinweg den Vermittler zu Roadshows und Produktschulungen eingeladen und nett bewirtet. Dafür hat er nichts gezahlt. Jetzt ist dies aus Compliance- oder Kostengründen teils nicht mehr möglich. Ein Umsteuern wird auch hier nicht von heute auf morgen kommen, aber man sieht, dass die Vermittler anfangen, sich benötigte Informationen zu besorgen. Ob das ein Buch für 20 Euro oder ein Seminar für 80 oder 100 Euro ist: Es wird zunehmend verstanden, dass für Bildung und produktneutrales Wissen auch ein Gegenwert geleistet werden muss.

»Risiken muss man klar kommunizieren«

Charles Neus, Schroders

Doch je komplexer das Produkt, desto größerer Erklärungsbedarf. Einen Absolute- Return-Ansatz in drei Sätzen in der Tiefe darzustellen ist kaum möglich.

Neus: Deshalb ist auch hier Kommunikation das A und O. Schließlich sind die derzeit sehr stark nachgefragten Multi- Asset-Lösungen ebenfalls mit Risiken verbunden. Und Risiken muss man im Kundengespräch auch aus Haftungsgründen klar kommunizieren. Zudem gibt es vom Gesetzgeber klare Vorgaben, wie wir das Risiko-Ertrags-Profil in unseren Unterlagen darstellen müssen. Das ist ja auch gut so. Andererseits interessiert meiner Meinung nach die meisten Kunden nicht wirklich, ob dem Produkt ein Total-Return- oder Absolute-Return-Konzept zugrunde liegt. Sie wollen eine nachvollziehbare Aussage zur Sicherheit und Renditemöglichkeiten ihrer Geldanlagen. Das ist ähnlich wie bei einem modernen Auto: Wir müssen den Motor nicht komplett verstehen, um sicher ans Ziel zu kommen.

Kessler: Das sehe ich etwas anders. Das Problem mit komplexen Lösungen ist nun mal, dass diese nicht einfach zu kommunizieren sind. Um im Bild zu bleiben: Wer die Motorhaube zulässt, muss sich darauf verlassen, dass der Motor funktioniert. Das ist nicht immer gewährleistet, und dann hilft ein definiertes Rendite-Risiko-Profil wenig weiter. Der Vermittler möchte sich darauf verlassen, dass das, was er verkauft, ihm nicht später vom Kunden entgegengehalten wird. Dafür muss für ihn und den Kunden zweifelsfrei feststehen, was gekauft wird, auch wenn es mühsam ist.

Stenger: Wir haben uns mit der Frage nach der Kundenaufklärung ebenfalls stark beschäftigt. Und wir sind dabei über Energieeffizienzausweise gestolpert, die an Kühlschranken oder Waschmaschinen hängen, aber auch an den Fahrzeugen im Autohaus kleben. Das hat uns dazu motiviert, ein Multi-Asset-Produkt aufzulegen, das zunächst das Risiko und keine Renditeversprechen nach vorn stellt. Denn dies weckt keine falsche Erwartungshaltung. Die hohe Nachfrage nach Multi-Asset-Strategien hat ja auch damit zu tun, dass ein Anleger bewusst die Entscheidung über die passende Allokation im jeweiligen Marktumfeld einem Profi überlässt. Und der Kunde kann sich darauf verlassen, dass sein Risikoprofil immer gewährleistet ist. Andere Versprechen geben wir nicht. Ich glaube, dass wir mit solchen Maßnahmen das Vertrauen zurückgewinnen können.

Overbeck: Was wir als Aufklärungsmaterial herausgeben, sind Vergangenheitsbetrachtungen – bei denen wir natürlich immer hinzufügen, dass diese keine Prognose und Gewähr für die Zukunft bieten. So lässt sich aber schön zeigen, wie sich innerhalb einer Police über rollierende Zeiträume etwa ein Investment in den Dax rentiert hätte. Aber nochmals: Effektiv haben wir derzeit das Problem, dass der sichere Bereich nicht mehr funktioniert. Ich habe als Kunde eigentlich keine Wahl mehr, sondern muss in Aktien und Fonds investieren. Das muss ein Berater seinen Kunden vermitteln. Angesichts dessen verlieren tatsächlich viele Berater die Lust auf Versicherungsprodukte zur Altersvorsorge. Sie wechseln teilweise lieber die Branche und verkaufen dann Immobilien oder Ähnliches.

Die Regulierung hat sich unter anderem auf die Fahnen geschrieben, dass alle Kosten der Produkte ausgewiesen werden sollen. Ist dieses Ziel schon erreicht?

Nobis: Nein. Die Darstellungen der Effektivkosten oder der Reduction in Yield und die Modellrechnungen gehen noch sehr weit auseinander. Im Bereich der zertifizierten Produkte sind wir schon ein Stück weiter, doch auch da müssen wir schauen, was die Produktinformationsstelle zur Altersvorsorge, kurz PIA, hier bringt. Im Bereich der dritten Schicht sind wir noch lange nicht so weit, seitens der Kostentransparenz von echtem Fortschritt sprechen zu können.

»Fondspolicen ohne Garantien sind sinnvoll«

Frank Nobis, Institut für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP)

Die Regulierung hat sich unter anderem auf die Fahnen geschrieben, dass alle Kosten der Produkte ausgewiesen werden sollen. Ist dieses Ziel schon erreicht?

Nobis: Nein. Die Darstellungen der Effektivkosten oder der Reduction in Yield und die Modellrechnungen gehen noch sehr weit auseinander. Im Bereich der zertifizierten Produkte sind wir schon ein Stück weiter, doch auch da müssen wir schauen, was die Produktinformationsstelle zur Altersvorsorge, kurz PIA, hier bringt. Im Bereich der dritten Schicht sind wir noch lange nicht so weit, seitens der Kostentransparenz von echtem Fortschritt sprechen zu können.

»Alles soll transparent sein, doch es wird unnötig verkompliziert«

Guntram Overbeck, Helvetia Leben

Nehmen wir noch ein weiteres Kostenthema auf. Vielfach finden sich in Versicherungsprodukten aktiv gemanagte Fonds. Diesen wird vorgehalten, in großer Zahl der Fälle ihre Benchmark nicht zu schlagen. Im Gegenzug werden ETFs empfohlen. Wie sehen Sie das?

Kessler: Wenn man sich den Erfolg der ETFs bei Vermögensverwaltungsfonds ansieht, zeigt das, wohin die Reise geht. Darum nutzen wir, wo immer es möglich ist, bei der strategischen und taktischen Asset Allocation den günstigsten ETF – und zwar einen realen, keinen synthetischen.

Neus: ETFs und passives Investieren stellen uns sicherlich vor eine Herausforderung: nämlich zu erklären, warum man weiterhin zu aktivem Management steht. Wenn der Portfoliomanager seinen Job richtig macht, generiert er einen Mehrwert. Dass dies nicht immer funktioniert, ist klar. Und wenn es darum geht, Kosten zu sparen, und die Fondshülle so günstig wie möglich zu bekommen ist, gibt es praktikable Lösungen bei einem aktiven Manager. Zudem zeigt sich in bestimmten Anlageklassen, dass aktives Management die bessere Wahl ist. Richtig ist auch: In bestimmten Fällen nutzt auch ein aktiver Manager passive Strategien für seine Investments.

Stenger: Für eine taktische Beimischung kann ein ETF das Mittel der Wahl sein. Doch wenn der Berater mit dem Endkunden direkt in ETFs geht, dann ist das zwar vergleichsweise günstig, aber wo bleibt die Sicherheit, die der Kunde sucht? Insofern kommt da wieder das aktive Asset- Management an den Start.

Zech: Das würde ich unterstreichen. Unsere Markterhebungen zeigen: Diese ganze Transparenzdiskussion hat die Krux für den Verbraucher, dass er zwar ganz viele Informationen bekommt, aber dass er diese im Endeffekt nicht versteht. Von daher hat der Berater tatsächlich nach wie vor eine Übersetzerfunktion.

Geißler: Wenn man sich den Erfolg der ETFs bei Vermögensverwaltungsfonds ansieht, zeigt das, wohin die Reise geht. Darum nutzen wir, wo immer es möglich ist, bei der strategischen und taktischen Asset Allocation den günstigsten ETF – und zwar einen realen, keinen synthetischen.

Die Beratungs- und Vermittlungsleistung für die Massen wollen aber auch FinTechs übernehmen. Unseres Wissens nach sollen allein in Deutschland gegenwärtig 43 Versicherungs-FinTechs am Start sein. Eine echte Bedrohung für den traditionellen Vertrieb?

Opel: Das kommt darauf an, über welches Produkt wir sprechen. Ich kann mir schwer vorstellen, dass eine bAV, eine Berufsunfähigkeitsabsicherung oder andere Lebensversicherungsprodukte, die komplizierter sind und die zum Beispiel Gesundheitsdaten und finanzielle Angaben erfordern, einfach per Smartphone in großen Mengen abgeschlossen werden. Ich glaube auch nicht, dass alle 43 genannten Versicherungs-FinTechs überleben werden. Aber solche, die beispielsweise eng mit Maklerhäusern zusammenarbeiten oder selbst eines sind, haben vielleicht eine bessere Chance, indem man ein Hybridmodell mit einem realen Berater anbietet. Denn wenn ich die Rendite erst über Steuererleichterungen oder andere Instrumente erreichen kann, benötige ich in der Regel jemanden, der mich persönlich berät und mich beim Ausfüllen der Anträge und Formulare unterstützt. Daher: Digitalisierung in der Beratung ja, aber mit bei Bedarf zuschaltbarem persönlichen Vermittler.

Nobis: Ich sehe für die FinTechs durchaus eine Zukunft. Das wird sich noch eine Zeit hinziehen, und es wird wahrscheinlich auch in den nächsten Jahren Parallelwelten geben. Ich denke auch, dass es Berater geben wird, die die persönliche Beratung bei komplexen Produkten umsetzen und einfache Produkte über FinTechs verkaufen. Aber wenn ich die Internetnutzung meine Kinder so anschaue, die sind 19 und 17 Jahre alt, dann glaube ich, dass wir in 20 Jahren einen komplett anderen Markt haben. Und ich glaube, dass wir dann auch bei komplexen Produkten durchaus kompetente Beratungslösungen im Internet finden werden.

Neus: Heute ist doch 50 das neue 35. Also kann sich ein 50-jähriger Berater nicht hinstellen und sagen, dass ihm die Digitalisierung egal ist. Wer das denkt, wird früher oder später gegen die Wand laufen. Das gilt für die Versicherungsbranche, gilt aber auch für die Investmentbranche. Und auch ein 50-jähriger Kunde, das ergibt manche Studie, holt sich im Internet wesentliche Informationen. Deswegen muss der Vermittler proaktiv sein, sich auf veränderte Beratungssituationen einstellen und den Fragen von immer besser informierten Kunden Rede und Antwort stehen.

Geißler: Was die Vergleichsportale tatsächlich momentan den traditionellen Finanzhäusern voraushaben, ist einfach, dass sie in Ansätzen verstehen, wie online und digital funktioniert. Darum haben die FinTechs einen großen Vorteil. Ob sie dann tatsächlich am Ende des Tages die PS auf die Straße bringen, bleibt noch mal abzuwarten. Doch die Generationen, die jetzt kommen, haben ein anderes Kommunikationsverhalten, sind komplett online, werden im Moment bei komplexen Finanzprodukten noch allein gelassen. Die Frage ist, wer sie als Erstes abholt. Und meine Hypothese wäre: Derjenige holt die Kunden ab, der ihre Sprache spricht. Und das können die FinTechs bei jungen Zielgruppen besser.

Das Gespräch moderierte Markus Deselaers



Auf geradem Weg

Seilbahn auf Roosevelt Island, New York City: Die SMART-Fonds von Fidelity nutzen unter anderem Infrastruktur-Investments zur Diversifikation

Foto: iStock

Auf geradem Weg

Zwei neue Fidelity-SMART-Fonds investieren flexibel in klassische und alternative Anlageklassen. Im Blick haben sie dabei vor allem das Risiko. Ziel ist es, die Fonds in festen Volatilitätsspannen zu halten

SEIT DEM 1. JULI 2011 gibt es die Wesentlichen Anlegerinformationen, kurz KIID (Key Investor Information Document). Für jeden Fonds erstellt die Fondsgesellschaft eine Übersicht mit grundlegenden Informationen zum Fonds einschließlich einer Risikoeinstufung. Diese erfolgt anhand des Synthetischen Risiko-Rendite-Indikators (SRRI) auf einer Skala von 1 (sehr niedriges Risiko) bis 7 (sehr hohes Risiko). Der SRRI basiert auf der Schwankungsbreite des Fonds über die vergangenen fünf Jahre.

Doch genauso wenig wie man aus der Performance der Vergangenheit auf künftige Erfolge schließen kann, ist frühere Volatilität ein Garant für Schwankungen in der Zukunft. Tatsächlich gibt es an den Kapitalmärkten ruhige und sehr turbulente Phasen. Und steigt die Volatilität allgemein, nimmt sie auch in vielen Fonds zu, obwohl die Strategie nicht geändert wird. Folge: Der Fonds fällt eventuell in eine höhere Risikoklasse und überschreitet damit möglicherweise die Risikoschmerzgrenze des Anlegers. Dann kann unter Umständen eine Nachberatung erforderlich sein.

Die zwei Ende Juni gestarteten Multi- Asset-Fonds der Fidelity-SMART-Reihe bieten eine Lösung für dieses Dilemma. Hauptziel der Fonds ist es nicht, eine Benchmark zu schlagen, im Fokus steht die Risikokontrolle. Sie streben an, in einer festen Volatilitätsspanne zu bleiben und so ihre SRRI-Einstufung stets zu erhalten. Die SMART-Fonds – SMART steht für Systematic Multi Asset Risk Targeted – steuern die Volatilität über ein systematisches, quantitatives Modell. Damit lassen sich zum Beispiel die Korrelationen verschiedener Asset-Klassen analysieren. Steigt die Volatilität in einer Asset-Klasse, sendet das Modell Signale zur Umschichtung.

So eignet sich der Fidelity SMART Global Defensive Fonds für Anleger mit mittlerem bis höherem Sicherheitsbedürfnis. Er ist der Risikoklasse 3 zugeordnet und strebt entsprechend eine Volatilitätsspanne von 2 bis 5 Prozent an.

DEFINIERTE RISIKOSTRUKTUR

An etwas risikobereitere Anleger wendet sich der Fidelity SMART Global Moderate Fund. Sein oberstes Ziel ist es, langfristig in der Risikoklasse 4 zu bleiben und eine Volatilitätsspanne von 5 bis 10 Prozent einzuhalten. „Auch wenn die Volatilität im Mittelpunkt steht, wollen wir eine anständige Rendite abliefern“, sagt Fondsmanager Eugene Philalithis. Beim Defensive-Fonds soll sie langfristig 2 Prozent pro Jahr über dem Geldmarkt liegen, beim Moderate-Fonds 5 Prozent. „Dazu können wir in eine Vielzahl von Asset-Klassen investieren inklusive alternativer Anlagen wie Immobilien- oder Infrastrukturanlagen“, so Philalithis.

Die Asset-Klassen werden drei Kategorien zugeordnet, die tendenziell unterschiedliche Schwankungsstärken aufweisen. Globale Staats- oder Unternehmensanleihen etwa zählen zu den stabilen Anlagen. Hochzins- und Schwellenländeranleihen, Real Estate Investment Trust und dividendenstarke Aktien fallen in die Rendite-Kategorie. Im Wachstumsbereich finden sich vor allem Aktien.

»Zusatzerträge unabhängig von der Marktphase«

Eugene Philalithis, Fondsmanager

MIT SICHERHEITSPUFFER

Beide SMART-Fonds haben Investitionsspannen für jede Kategorie (siehe Tabelle). Daneben hat Philalithis weitere Möglichkeiten, um das Risiko-Rendite- Profil der Fonds zu optimieren. Er kann als Sicherheitspuffer bis zu 30 Prozent Cash beimischen. „Zudem können wir neben klassischen, vom Marktrisiko abhängigen Investments auch marktneutrale Anlagen ins Portfolio nehmen, um Zusatzerträge unabhängig von der Marktphase zu generieren“, so Philalithis. Er könnte also etwa einen einzelnen Dax-Wert kaufen und die Marktentwicklung durch eine Short-Position auf den Dax absichern.

An einem identischen Ansatz orientiert sich auch die Axa Versicherung bei ihrem sich auch die Axa Versicherung bei ihrem Anlagekonzept Portfolio Balance, das drei SRRI-basierte Risikoprofile anbietet. Fidelity und Axa arbeiten schon viele Jahre im Fondspolicen-Geschäft zusammen.

Claude Hellers, Leiter Wholesale-Vertrieb bei Fidelity International, dazu: „Risikokontrollierte Vermögensverwaltungen sind auf der Fonds- und der Versicherungsseite eine gute Lösung. Für viele Anleger sind zwischenzeitliche Wertschwankungen ihrer Geldanlage ein echter Schmerzpunkt. Sie möchten von vornherein wissen, welche Schwankungsbreite sie erwartet. Unser gemeinsames Ziel ist es, hierfür passende Produkte anzubieten, die langfristig für die Kunden eine angemessene Rendite bei kontrolliertem Risiko erwirtschaften.“ | Sabine Groth

Horizont-Erweiterer

Der Gothaer Comfort Balance überzeugt seit Jahren mit seiner klaren und nachvollziehbaren Anlagestrategie und der ungewöhnlich breiten Streuung

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Horizont-Erweiterer

BREIT ZU STREUEN bedeutet für viele Mischfonds nur die Anlage in Aktien und Renten, bestenfalls kommt noch der Geldmarkt hinzu. Carmen Daub geht hier weiter: Die Managerin der Comfort-Fonds bei der Gothaer Asset Management darf in zusätzliche Assetklassen investieren. Und sie macht von diesen Freiheiten Gebrauch.

„Wir haben einen sehr stringenten Investment- und Risikoprozess in unseren Fonds, bei dem wir die Asset-Allokation in allen Marktphasen aktiv steuern können“, so Daub. Neben Rohstoffen und Immobilien befinden sich auch Private Equity und alternative Investments wie beispielsweise aktuell ein Volatilitätsfonds im Portfolio. „Im Umfeld niedriger Zinsen und nicht eindeutig prognostizierbarer Rendite-Entwicklung bleibt ein solider Anlagemix gepaart mit aktiver Steuerung erste Wahl“, sagt Daub. Sie ist fest davon überzeugt, dass neben traditionellen auch alternative Investments für den nachhaltigen Anlageerfolg erforderlich sind.

Beim mit drei Morningstar-Sternen ausgezeichneten Comfort Balance, der eine ausgewogene Strategie bevorzugt, ist der maximale Aktienanteil auf 70 Prozent des Fondsvolumens begrenzt. Aktuell sind es deutlich weniger (siehe Interview). Für die Anlageklassen Renten und Cash existiert eine maximale Begrenzung von 80 Prozent beziehungsweise 50 Prozent. Außerdem kann Daub auf den Einsatz von Derivaten zurückgreifen.

Auch innerhalb der Assetklassen setzt die Fondsmanagerin auf einen breiten Mix: Auf der Anleiheseite sind das etwa Corporate Bonds, High Yields sowie Schwellenländer- Anleihen: „Diese profitierten zuletzt von der relativ guten Stimmung an den Kapitalmärkten und performten aufgrund der Spread-Einengungen besser als Staatsanleihen entwickelter Länder.“ Letztere hat Daub aktuell auf 18 Prozent des Fondsvolumens heruntergefahren. Trotzdem will sie nicht auf diese Staatsanleihen verzichten: Schließlich geht es bei den Gothaer Comfort Fonds vor allem darum, Risiken zu begrenzen.

Der Investmentprozess besteht aus drei Stufen: In der strategischen Asset-Allokation legt das Team zunächst die langfristige Positionierung über alle Assetklassen fest. Sie erfolgt prognosefrei. Dagegen gehen bei der taktischen Asset-Allokation die mittelfristigen Prognosen ein, die regelmäßig überprüft und entsprechend angepasst werden. Im dritten Schritt wählen die Experten schließlich die Zielfonds aus.

Dabei werden sowohl aktiv gemanagte Fonds als auch Indexprodukte genutzt. Das Gothaer-Team greift dafür auf die Datenbank des Fondsanalysehauses Morningstar zurück und filtert nach quantitativen wie qualitativen Kriterien. „Über unsere Comfort-Fonds können wir privaten Anlegern eine aktive Vermögensverwaltung bieten. Sie haben die Auswahl zwischen drei Portfolios, bei denen wir die Quote an Risiko-Assets dem Anlegerprofil anpassen“, erläutert Daub und ergänzt: „Wir orientieren uns nicht an einer Benchmark, sondern verfolgen einen langfristigen Ansatz.“ Das zahlt sich aus. Seit Auflegung bescherte der Fonds seinen Anlegern ein Plus von mehr als 4 Prozent pro Jahr. Der breiten Mischung sei Dank. | Heino Reents

»Kein großer Aufwärtstrend bei Aktien sichtbar«

Carmen Daub, Fondsmanagerin der Comfort Fonds bei der Gothaer Asset Management, begründet ihre aktuell etwas defensivere Positionierung

 DAS INVESTMENT: Sind Sie mit der Fondsperformance in diesem Jahr zufrieden?

Carmen Daub: Natürlich hat der Fonds nicht die Performance erzielt wie in der Vergangenheit. 2016 war bislang ein sehr schwieriges Jahr über fast alle Assetklassen hinweg. Wir haben bei den Risikoassets starke Kurseinbrüche gesehen. Insofern muss man sagen: Die Märkte haben nicht viel mehr hergegeben.

Die Schwankungen bleiben aber.

Daub: Ja, die Unsicherheiten und Risiken nehmen nicht ab. Wir rechnen deshalb mit steigender Volatilität. Notenbank- Entscheidungen, das Referendum in Italien oder die Präsidentschaftswahl in den USA werden die Märkte bewegen. Damit müssen wir leben. Umso wichtiger ist es, bei der Geldanlage breit zu diversifizieren und schnell und flexibel reagieren zu können.

Und Ihre mögliche Aktienquote schöpfen Sie derzeit nicht aus.

Daub: Nein, wir sind derzeit Aktien gegenüber insgesamt eher etwas vorsichtig eingestellt. Aktuell liegt deren Quote bei 40 Prozent. Nach dem schlechten Jahresstart haben wir sehr schnell Aktien in unserer taktischen Allokation untergewichtet. Es ist kein großer Aufwärtstrend sichtbar, und auch bezüglich ihrer Bewertung sind Aktien unseres Erachtens nicht sehr attraktiv.

Wie sind die regionalen Schwerpunkte auf der Aktienseite?

Daub: Bis auf eine kleine Position in den Emerging Markets sind wir derzeit nur in Europa engagiert. Ein Grund dafür: US-Titel sind mit Abstand am höchsten bewertet, und in Japan sieht es konjunkturell nicht gut aus. Außerdem scheint die Geldpolitik dort ihre Wirkung verloren zu haben. Unser Schwerpunkt liegt als Euro-Investor aber ohnehin überwiegend im Euro-Raum.

Brücke ohne Lücke

Brooklyn Bridge, New York: Sparer sollten die Chancen internationaler
Aktienmärkte nutzen

Foto: Leonardo Patrizi/iStock

Brücke ohne Lücke

Die Renditen von Altersvorsorgeprodukten müssen steigen, damit die spätere Rente ausreicht. Die Helvetia formt aus dieser Erkenntnis eine leistungsstarke Fondspolice, die Vorsorgesparern alle Möglichkeiten lässt

| WER RASTET, DER ROSTET. Das Sprichwort gilt seit jeher für Menschen im reiferen Alter. Neuerdings gilt es aber auch für deren Geld: Genügte es früher, die Erträge eines langen Arbeitslebens dem Zinseszinseffekt auszusetzen, führt dies im Niedrigzinsumfeld zu massiven Vorsorgelücken. Anleger müssen trotzdem nicht verzweifeln. Die fondsgebundene Rentenversicherung CleVesto Balance der Helvetia erlaubt es ihnen, rentabel und äußerst flexibel vorzusorgen. Dabei liegt ein Schwerpunkt auf Aktien. „Auf deren Beimischung darf heute niemand mehr verzichten“, sagt Guntram Overbeck. „Diese Anlageklasse schwankt mitunter zwar intensiv“, so der Leiter Produktmanagement bei der Helvetia Leben, „über Zeiträume von mindestens zehn Jahren und bei der Nutzung einer Ablaufphase war die Wertentwicklung aber stets positiv.“ Investments in den Dax brachten beispielsweise längerfristige Renditen von 6 Prozent, teilweise auch deutlich mehr.

Overbeck hält es daher für unabdingbar, dass die heute 50- bis 60-Jährigen Dividendentitel stärker für ihre Altersvorsorge nutzen. „Dies gilt auch für Einmalanlagen“, erklärt der Experte. Schließlich müsse das zur Verfügung stehende Kapital im Regelfall noch 20 oder 30 Jahre arbeiten – und sollte dabei wachsen. Allerdings leiden die Erträge, sollten die Börsen direkt nach dem Investment abtauchen. Eine Kapitalmarktkrise kurz vor der geplanten Auszahlung würde ebenfalls schmerzen. CleVesto Balance meistert das Timing- Problem: Hier verteilt ein Einstiegsmanagement die Käufe auf 36 Zeitpunkte innerhalb von drei Jahren. Und zum Ende des geplanten Anlagehorizonts greift das Ausstiegsmanagement: Das Kapital wird Zug um Zug in das Sicherungsguthaben der Helvetia überführt.

Unabhängig davon vereinbaren Sparer einen flexiblen Auszahlplan. Overbeck: „Kunden legen individuell fest, wann sie wie viel Kapital benötigen.“ Die monatlichen Bezüge können jederzeit aufgestockt oder wieder reduziert werden, unabhängig von erzielten Erträgen. Hierdurch entsteht Spielraum, zu Beginn einer Altersteilzeit höhere monatliche Beträge zu vereinnahmen und später weniger abzurufen, während das Kapital kontinuierlich ertragsstark angelegt bleibt. „So bleibt man auch kurz vor Rentenbeginn noch handlungsfähig“, sagt Overbeck.

»Auf eine Aktienbeimischung darf heute keiner mehr verzichten«

Guntram Overbeck, Helvetia Leben

Zugleich kann man im dritten Lebensabschnitt attraktive Renditen erwirtschaften. CleVesto Balance kann aber noch mehr. Investiert wird nämlich nicht nur in deutsche Aktien. Vielmehr arbeiten vier bis fünf unterschiedliche Portfolios Hand in Hand.

Betreut werden diese von HSBC und Vontobel. So enthält der ausgewogene Vermögensplan bei CleVesto Balance unter anderem die Strategie MainLane mit Standardaktien aus den USA und Europa. SevenLane wiederum berücksichtigt internationale Aktienfonds aus sieben weltweiten Wirtschaftsräumen. Ein weiterer Teil des Kapitals arbeitet im Sicherungsguthaben (siehe Grafik unten).

Neben dem ausgewogenen Vermögensplan stehen noch ein konservativer sowie ein dynamischer Vermögensplan bereit. Dort sind die Anlagestrategien entsprechend den anderen Risikoneigungen gewichtet. CleVesto Balance gewährleistet, dass keine Portfoliostrategie ein zu hohes Gewicht bekommt. Hat sich eine Strategie zwölf Monate lang gut entwickelt, erfolgt ein Rebalancing. Dabei wird der Anteil überdurchschnittlich gelaufener Strategien reduziert und der der Nachzügler aufgestockt. „Hierdurch investieren Anleger vermehrt in Strategien mit Aufholpotenzial – und antizyklisch“, so Overbeck.



UMSTEUERN JEDERZEIT MÖGLICH

Fühlen sich Vorsorgesparer mit ihrem Börsenengagement nicht mehr wohl, können sie jederzeit umsteuern. Dazu vereinbaren sie eine Umwandlung ihres Restkapitals in eine lebenslange Rente. Overbeck: „Die Entscheidung lohnt sich insbesondere bei einer hohen verbleibenden Lebenserwartung. Zusätzlich reduziert sich durch die spätere Verrentung die anfallende Steuer. Alternativ lässt sich das Vermögen auch auf einen Schlag abrufen, etwa um es als Schenkung zu übertragen.“ | Carsten Behrens

Tragfähiges Konzept

Golden Gate Bridge, San Francisco: Auf Nordamerika hat der Schroder ISF Global Multi-Asset Income derzeit einen starken regionalen Schwerpunkt gelegt

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Tragfähiges Konzept

Stabile Ausschüttungen erzielen, ohne dabei zu hohe Risiken einzugehen – das ist im aktuellen Umfeld eine anspruchsvolle Aufgabe. Fondsmanager Aymeric Forest meistert sie mit dem Schroder ISF Global Multi- Asset Income mit Erfolg

| ES KLINGT FAST nach der Quadratur des Kreises, was Aymeric Forest mit dem Schroder ISF Global Multi-Asset Income versucht: Einen regelmäßigen Ertrag in Höhe von 5 Prozent zu erzielen und gleichzeitig keine zu hohen Risiken in Kauf zu nehmen. Schließlich sind hohe laufende Einnahmenströme im aktuellen Umfeld kaum noch zu finden. Der Grund dafür sind die Notenbanken, die mit ihrer ultralockeren Geldpolitik für historisch niedrige Zinsen und Anleiherenditen sorgen. Die Folge: Risikolosen Ertrag gibt es nicht mehr.

„Wir suchen deshalb in vielen Anlageklassen weltweit nach Chancen“, erklärt Forest. Insgesamt stehen ihm für das Management des Fonds 25.000 verschiedene Wertpapiere aus bis zu 20 Anlageklassen zur Verfügung. Daraus baut er unabhängig von einer Benchmark ein breit gestreutes Portfolio, das derzeit aus über 1.400 Einzeltiteln aus verschiedenen Anlageklassen, Regionen und Branchen besteht.

VALUE- UND DIVIDENDENSTRATEGIE

Bei der Selektion der Einzeltitel steht Qualität im Vordergrund. „Bei der Aktienauswahl, die unser Quantitative Equity Team vornimmt, geht es schwerpunktmäßig darum, attraktiv bewertete Value-Titel und Aktien mit hohen und nachhaltigen Dividenden zu finden.“ Ende August liefert der Aktienteil, der in der Regel zwischen 15 und 40 Prozent ausmacht, eine Dividendenrendite von 3,6 Prozent.

Vielleicht noch anspruchsvoller ist die Auswahl auf der Anleiheseite: „Um hier noch eine attraktive Verzinsung zu erzielen, müssen Sie in längere Laufzeiten gehen und bei Emittenten geringerer Bonität suchen“, so Forest. „Wir sichern Durationsrisiken durch Futures ab und achten zusätzlich bei der Titelselektion darauf, dass die Emittenten starke Fundamentaldaten und ein ausgewogenes Rendite-Risiko-Profil mitbringen.“ Wie wichtig diese Assetklasse für die laufende Ausschüttung ist, zeigt sich an den US-Hochzinsanleihen im Portfolio, die derzeit eine jährliche Verzinsung von 6,4 Prozent bringen. Abgerundet wird der Anlageprozess durch das Risikomanagement.

„Wir allokieren die einzelnen Anlageklassen in allen unseren Multi-Asset-Portfolios nach ihrem Risikobeitrag“, erklärt der Fondsmanager. „Dafür nutzen wir die Risikoprämien der einzelnen Anlageklassen, um robustere Portfolios zu konstruieren.“ Mit der sogenannten Hantelstrategie werden risikoreichere Anlageklassen wie Aktien oder Hochzinsanleihen risikoärmeren Komponenten wie Staatsanleihen und Kasse gegenübergestellt. Balancierend wirken auch liquide alternative Investments. Schließlich ist die flexible und dynamische Steuerung der Asset Allokation ein wichtiger Erfolgsfaktor.

Und das Konzept geht auf:
Seit Auflage konnte der Fonds die jährliche Volatilität auf 4,2 Prozent begrenzen und das Ausschüttungsziel von 5 Prozent erreichen. | Gerd Hübner

»Gewichtung der Anlageklassen nach Risikobeiträgen«

Ein wichtiger Baustein beim Management des Schroder ISF Global Multi-Asset Income ist die flexible Steuerung des Portfolios. Daniel Lösche, Investment Analyst bei Schroders, erklärt, wie das funktioniert

DAS INVESTMENT: Die Marktturbulenzen halten Anleger seit Längerem in Atem. Wie reagieren Sie darauf?

Daniel Lösche: Die breite Streuung und Gewichtung der Anlageklassen nach Risikobeiträgen bieten eine gewisse Sicherheit. Wichtig ist, dass wir in schwierigen Marktphasen unsere Risikopositionen zurückfahren. So haben wir zu Jahresbeginn unser Netto-Aktienexposure auf etwa 15 Prozent gesenkt.

Wie sind Sie aktuell positioniert?

Lösche:Neben europäischen und amerikanischen Aktien sehen wir bei Schwellenländeraktien derzeit eine Verbesserung der Fundamentaldaten. Im Anleihebereich setzen wir stark auf Hochzinsanleihen und Bonds aus den Emerging Markets, die zusammen fast 43 Prozent des Portfolios ausmachen.

Woran lag es, dass es 2015 nicht so gut für den Fonds lief?

Lösche:Ein Grund war, dass der Fonds auf Value-Titel ausgerichtet ist, die 2015 schlechter liefen als Wachstumsaktien. Zudem traf uns die schlechte Entwicklung bei Hochzinsanleihen in der zweiten Jahreshälfte. Für 2016 ist es genau umgekehrt: Value-Aktien und Hochzinsanleihen haben in diesem Jahr dazu beigetragen, dass der Fonds per Ende August mit 5,5 Prozent im Plus liegt. |

 

Video-Interviews

 

Frank Nobis - Institut für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP)

 

Guntram Overbeck - Helvetia Leben

 

Holger Geißler - YouGov Deutschland

 

Joachim Zech - Deutsche Makler Akademie (DMA)

 

Martin Stenger - Fidelity

 

Stefan Opel - Gothaer Lebensversicherung

 

Charles Neus - Schroders