Investment Circle 2016
 Asset Allocation

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Sortieren und mischen

Der Anlageerfolg wird maßgeblich durch die Portfoliostruktur bestimmt: Für die Auswahl und Gewichtung verschiedener Anlageklassen gibt es indes kein Patentrezept. Diversifikation muss heute differenziert betrachtet werden

| Der Fachbegriff „Asset Allocation“ hat sich im Finanzjargon fest etabliert. Schließlich steht dahinter die strategische Herangehensweise an die Finanzanlage: Während sich Investoren vor 20 Jahren vorrangig Gedanken darüber gemacht haben, welche Rentenpapiere oder Aktien sie sich ins Depot legen, fragen sich heute viele, ob sie überhaupt auf diese Anlageklassen setzen sollten – und wenn ja, zu welchem Anteil.

Wobei sich das Investmentuniversum deutlich erweitert hat: Mittlerweile steht eine ganze Reihe von neuen Instrumenten zur Verfügung, die über die traditionellen Anlageklassen wie Aktien, Renten und Cash weit hinausgehen. Glücklicherweise: Die Streuung des Vermögens ist im Umfeld gestiegener Risiken wichtiger denn je.

Dabei hat der Grundgedanke der Diversifikation bereits eine lange Historie und findet insbesondere durch die Portfoliotheorie von Harry M. Markowitz seit den 1950er Jahren Beachtung. Denn Markowitz wies nach, dass man einer unsicheren Zukunft am besten mit einer breiten Mischung verschiedener Assetklassen begegnet – er erhielt für diese Erkenntnis im Jahr 1990 den Nobelpreis.

Auch gut 25 Jahre später ist unstrittig, dass sich die Rendite-Risiko-Eigenschaften eines Portfolios verbessern lassen, wenn nicht alle Eier in einen Korb gelegt werden. Offen bleibt jedoch, in welchem Ausmaß die Diversifikation das Anlagerisiko in der neuen Normalität an den Märkten begrenzen kann.

Es kommt hinzu: Zuletzt waren die Ergebnisse von vielen Multi-Asset-Konzepten unter Druck geraten. Da steht schnell die Behauptung im Raum, das Markowitz-Modell könnte ausgedient haben. „Die moderne Portfoliotheorie ist auch weiterhin aktuell“, betont indes Olaf Stotz, Professor für Asset Management an der Frankfurt School of Finance & Management. „Problematisch bei der Umsetzung in der Praxis ist, dass Input-Parameter wie erwartete Renditen, Korrelationen und Volatilitäten zeitlich variabel sind. Das führt dazu, dass das Markowitz-Modell von Marktteilnehmern häufig nicht richtig angewendet wird.“

Gleiches gelte im Übrigen auch für die Sharpe-Ratio, mit der artverwandte Anlagen nach Risiko-Rendite-Gesichtspunkten vergleichbar gemacht werden können. Muss die Wissenschaft trotzdem traditionelle Theorien auf den Prüfstand stellen und den Blickwinkel an neue Marktgegebenheiten anpassen? „Hinsichtlich realer Input-Parameter durchaus, etwa bei Inflationserwartungen“, sagt Stotz. „Sich über die ökonomischen Zusammenhänge der Variablen Gedanken zu machen ist viel wichtiger, als eine Portfolio-Selektionsmethode selbst anzuwenden.“ Brückenschlag für ein größeres Verständnis zwischen Theorie und Praxis könne vor allem eins sein: Ausbildung.

Anleger schaffen Korrelationseffekte

„Korrelationen existieren nicht per se, sondern entstehen letztendlich durch das Verhalten der Investoren“, weiß Stotz. Während Aktien und Anleihen traditionell besonders in Krisenphasen weitgehend negativ korrelierten, habe das vergangene Jahr gezeigt, dass auch ein Gleichlauf durchaus möglich ist.

Im Herbst 2015 sind beide Anlageklassen parallel gefallen: „Wenn viele Investoren gleichgerichtet agieren, nehmen Korrelationen naturgemäß zu. Die meisten institutionellen Investoren arbeiten regulatorisch bedingt mit Risikobudgets“, so Stotz. „Diese schmelzen in Krisenphasen synchron ab und dehnen sich in Haussephasen wieder aus, sodass eine Prozyklik in Gang kommt – und ein Gleichlauf von Aktien und Renten.“

„Die Risikobudgets von institutionellen Anlegern setzen einen Gleichlauf von Aktien und Renten in Gang“

Olaf Stotz, Frankfurt School of Finance & Management

Das herdengetriebene Verhalten der Märkte lässt sich nach den Untersuchungen des Wissenschaftlers auch an Notenbankentscheidungen erkennen: „An den acht Tagen im Jahr, an denen die US-Notenbank Fed zum Leitzins öffentlich Stellung nimmt, werden 60 bis 70 Prozent der Aktienrisikoprämien im Jahr verdient. Die übrigen Handelstage sind dagegen von hoher Volatilität geprägt“, berichtet Stotz.

Daran lasse sich erkennen, dass auch makroökonomische Entscheidungen von Marktteilnehmern häufig ähnlich interpretiert werden und letztlich zu einer Verstärkung eines gleichgerichteten Verhaltens führen.

Diversifikation wirkt noch

Ein Blick auf historische Korrelationsdaten zeigt, dass der Diversifikationseffekt zwischen Aktien und Renten in Krisenzeiten aber grundsätzlich funktioniert – etwa beim Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000 oder während der Finanzkrise 2008/2009. Kursverluste bei Aktien konnten so teils durch Gewinne bei Anleihen kompensiert werden. Wenngleich die Phasen, in denen sich Korrelationen nach oben oder unten bewegten, früher ausgedehnter waren. So fiel die Aktien-Renten-Korrelation in den 1990er Jahren zum Beispiel während der Asienkrise von hohen auf niedrige Werte.

Fakt ist: Die Korrelationen der eingesetzten Anlageklassen können über Wohl und Wehe eines Depots entscheiden. „Hochzinsanleihen zum Beispiel korrelieren stark mit Aktien und können deshalb in Krisenzeiten nicht wirklich als Diversifizierer angesehen werden. Bundesanleihen hingegen schon: Nicht ohne Grund rentieren 10-jährige Papiere seit Kurzem negativ, denn sie werden stärker denn je als sicherer Hafen angesehen“, sagt Ali Masarwah, Director Editorial Research bei Morningstar Europe.

Welche Rolle kann das Anleihesegment in der heutigen Asset Allocation also noch spielen? Nach Ansicht von Masarwah eine durchaus große: „Wer in seinem Portfolio eine Rentenkomponente hält, der tut dies nicht unbedingt unter Renditegesichtspunkten, sondern in erster Linie, um Aktienrisiken auszugleichen. Und das erst einmal unabhängig von der Frage, ob steigende Zinsen gut oder schlecht sind für die Kurse im Bond-Portfolio.“

Rendite kann im Null- und Minuszinsumfeld nur von risikoreicheren Anlageklassen ausgehen. Wer auch auf der Anleiheseite Renditepotenziale heben möchte, dem steht eine Reihe erweiterter Ansätze zur Verfügung, wie zum Beispiel sogenannte Unconstrained-Strategien, die flexibel und frei von Benchmarkvorgaben atraktivere Erträge erwirtschaften wollen.

Allerdings lohnt sich hier auch immer ein Blick auf die Gebührenstrukturen. „Die Kosten aktiv gemanagter Anleihefonds sind nicht so heruntergegangen, wie es angesichts der Marktentwicklung angemessen wäre“, so Masarwah.

Auf dem Vormarsch sind auch alternative Anlageklassen wie Liquid Alterna­tives. Gemäß Zahlen von Morningstar haben diese in Ucits-konforme Strukturen gepackten Hedgefonds-Strategien von April 2015 bis April 2016 europaweit Mittelzuflüsse von gut 70 Milliarden Euro dokumentieren können. Das entspricht einem organischen Wachstum von 20 Prozent.

Alternative Ansätze für Mehrertrag

Demgegenüber verzeichnete diese Produktkategorie im selben Zeitraum Preisabschläge von etwa 20 Milliarden Euro. „Im Bereich alternativer Ucits finden sich im Einzelnen gute Produkte, die ihre Berechtigung nicht nur als Rendite-, sondern auch als Diversifikationsbringer haben. Aber die meisten Produkte sind noch nicht hinreichend erprobt“, lautet Masarwahs Einschätzung.

Und die Meinungen sind unterschiedlich, in welchem Ausmaß die Asset Allocation überhaupt einen Beitrag zum individuellen Anlageerfolg beisteuern kann. Während manche Experten den Anteil der systematischen Vermögensaufteilung bei 80 oder gar 90 Prozent sehen, messen andere der strategischen Auswahl der Anlageformen eine geringere Bedeutung zu als taktischen Entscheidungen, also der gezielten Selektion von Einzeltiteln. Wissenschaftler Stotz schränkt ein: „Während die strategische Asset Allocation ohnehin an jeweiligen Marktgegebenheiten ausgerichtet sein sollte, zielen taktische Maßnahmen in der Regel nur darauf ab, einen Markt kurzfristig zu schlagen."

Morningstar-Mann Masarwah sieht das periodische Rebalancieren allerdings nach wie vor als Königsweg der Asset Allocation an: „Das ist nichts anderes als antizyklisches Vorgehen: Man verkauft eine Assetklasse, die bereits gut gelaufen ist, und kauft bei derjenigen, die schlechter gelaufen ist, hinzu.“ So könne man vom Aufwärtspotenzial der Underperformer profitieren.

„Das Rebalancing-Prinzip hat sich bewährt, das sollte auch für die Zukunft gelten", unterstreicht Masarwah. „Hält man dabei die Kosten niedrig, bringt dies in Zeiten niedrigster Zinsen auch Performance-Vorteile.“

Asset Allocation – wichtige Begriffe

Korrelation
...zeigt mittels einer statistischen Kennzahl den Einfluss der Schwankung einer Anlageklasse auf eine andere. Während eine positive Korrelation die gleichgerichtete Entwicklung von Anlageklassen bezeichnet, liegt eine negative Korrelation vor, wenn sich Anlageklassen gegensätzlich verhalten. Die Intensität der Korrelation wird über einen Koeffizienten ausgedrückt, der zwischen plus 1 und minus 1 liegen kann. Eine Korrelation von 0 liegt vor, wenn zwischen den Anlageklassen kein Zusammenhang besteht.

Liquid Alternatives
...machen Offshore-Hedgefonds-Strategien, wie zum Beispiel Global Macro, Long-Short-Equity oder Market Neutral nach den Vorgaben des europäischen Investmentrechts investierbar. Im Gegensatz zu klassischen Hedgefonds müssen Investoren von Ucits-Fonds die Anteile mindestens zweimal im Monat kaufen oder verkaufen können. Um ein Mehr an Sicherheit zu gewährleisten, sind echte Leerverkäufe verboten.

Sharpe-Ratio
...gibt an, wie viel Rendite ein Fonds pro Risikoeinheit bietet. Die Kennziffer berücksichtigt die Wertentwicklung und Schwankungsbreite eines Fondspreises und setzt beide Größen ins Verhältnis. Je höher die Sharpe-Ratio, desto mehr entschädigt der Fonds für eingegangene Risiken. Ist sie negativ, hat der Fonds nicht einmal die Geldmarktverzinsung erreicht.

Volatilität
...ist ein Maß für die Intensität der Schwankungen an einzelnen Finanzmärkten und wird als Standardabweichung definiert. Während sich die historische Volatilität auf die Schwankungsstärke in der Vergangenheit bezieht, misst die implizite Volatilität die zukünftig erwarteten Schwankungen. Je größer die Schwankungsbreite, desto volatiler und damit risikoreicher ist eine Anlage.

Wie viele Anlageklassen sind nötig?

Generell stellt sich die Frage, wie viele Anlageklassen es überhaupt braucht, um eine effiziente Asset Allocation umzusetzen. „Grundsätzlich sollte die Anzahl der eingesetzten Assets mit zunehmenden Korrelationen steigen“, so Experte Stotz. Vor allem bei institutionellen Anlegern könne das Spektrum auch in Richtung alternativer Risikoprämien wie Value, Momentum oder Credit erweitert werden.

Differenziert beurteilt Stotz auch die Zukunft der Asset Allocation bei privaten und institutionellen Anlegern. Während auf der privaten Seite die Altersvorsorge immer stärker im Zentrum eines Depotaufbaus stehe und dabei das Verschwinden des Zinses zu den größten Herausforderungen gezählt werden könne, werde bei Profianlegern die Gesetzgebung wohl einen noch größeren Einfluss auf die Portfolio-Allokationen haben – insbesondere in Bezug auf die Eigenkapitalunterlegung bei Risiko-Assets. | Carsten Krüger

Experten im Dialog

Sieben Experten diskutierten mit DAS INVESTMENT über das Marktumfeld, ETF-Mythen und Big Data als Megatrend

Fotos: Christian C. Struck

„Der Markt ist noch im Reparaturmodus“

Niedrigzins und Immobilien-Affinität, traditionelles Portfolio-Management und neue Realität an den Märkten, Hedgefonds-Strategien und Robo-Advisory – sieben Experten diskutierten mit DAS INVESTMENT

Berenike Wiener,
Leiterin Stiftungs­management und Corporate Sector beim Bundes­verband Deutscher Stiftungen
Anne Connelly,
Mitgründerin und geschäfts­führende Gesell­schafterin der Fondsfrauen
Achim Küssner,
Sprecher der Geschäfts­führung bei Schroders Investment Management
Martin Lück,
Leiter Kapital­markt­strategie Deutschland, Österreich und Europa bei BlackRock
Nedim Kaplan,
Portfolio­manager und Finanz­analyst bei Ökoworld Asset Management
Alexander George,
Abteilungs­direktor für institutionelle Kunden, Stiftungen und Family Offices bei Hauck & Aufhäuser



| DAS INVESTMENT: Welche Fragen in der Asset Allocation treiben Stiftungen gegenwärtig um?

Berenike Wiener: In Deutschland gibt es mehr als 21.000 Stiftungen. Drei Viertel davon haben ein Kapital von jeweils weniger als 1 Million Euro, und viele arbeiten auf ehrenamtlicher Basis. Deshalb kommen unsere Mitgliedsstiftungen zu uns und bitten um Hilfestellung, wie man zeitgemäße Anlagerichtlinien erstellt, bis hin zur strategischen Beratung, wie sie sich in Fragen der Ertragsorientierung und im Risikomanagement richtig aufstellen. Klar ist: Auch in der Niedrigzinsphase darf die Umsetzung des Stiftungszwecks nicht gefährdet werden.

Nun schlagen aber teils auch bei professionellen Investoren Marktzyklen im Portfolio voll durch. Muss sich generell etwas an der Anlagementalität ändern?

Anne Connelly: Ich denke, dass vielfach noch Nachholbedarf besteht, ethische Kriterien bei der Auswahl der Investitionsziele zu berücksichtigen. Denn dies hat unmittelbare positive Auswirkungen auf Unternehmen und erzielbare Renditen. Hier spielen auch Gender-Themen eine Rolle: Credit Suisse hat dazu im vergangenen Jahr eine bemerkenswerte Studie angefertigt. Ein Ergebnis: Wenn man sich für den Zeitraum der zurückliegenden neun Jahre Unternehmen betrachtet, die wenigstens eine Frau im Vorstand hatten, konnten diese eine durchschnittliche Performance von über 3 Prozent per annum erreichen – in Zeiten niedriger Zinsen ist dies eine vergleichsweise gute Performance. Aktieninvestoren könnten hier profitieren.

„Die tatsächliche Verlusttoleranz großer Anlegerkreise ist nicht nennenswert gestiegen“

Walter Liebe, Pictet Asset Management

Wobei die Aktienkultur hierzulande ja noch sehr ausbaufähig ist. Viele Privatanleger setzen immer noch stark auf traditionelle Sicherheit und auf Garantieprodukte, die nicht viel abwerfen. Da ist noch viel Aufklärungsarbeit nötig.

Achim Küssner: Auf jeden Fall. Diesen Paradigmenwechsel versuchen wir nicht nur in der aktuellen Marktphase, sondern schon seit Jahren zu vermitteln. Dass unsere Branche damit nicht wirklich durchdringt, hat auch damit zu tun, dass wir die Dinge vielfach noch viel zu wissenschaftlich und zu abstrakt darstellen. Ein Privatanleger kann sich in der Regel unter dem Thema Volatilität gar nichts vorstellen. Wir müssen hier viel konkreter werden: etwa mit der Frage, wo bei möglichen Verlusten beim jeweiligen Kunden die Schmerzgrenze liegt. In diese Richtung müssen wir uns entwickeln.

Beim jüngeren Publikum trifft man hier eher auf offenere Ohren, oder?

Martin Lück: Das stimmt. Die Investor-Pulse-Studie von BlackRock weist zwar Jahr für Jahr aus, dass in Deutschland Privatanleger um die 60 Prozent Cash halten. Das ist natürlich sehr hoch, gerade in den gegenwärtigen Zeiten. Aber die aktuelle Studie zeigt auch: Jüngere Leute sind heute eher bereit, ein bisschen mehr Risiko zu akzeptieren, was auch daran liegt, dass sie noch sehr lange Altersvorsorgeaufbau betreiben müssen. Sie merken, dass man im Niedrigzinsumfeld dafür einfach eine höhere Rendite braucht, weil man sonst sehr hohe Beträge zurücklegen muss.

Die Affinität zum Immobilienkauf ist allerdings auch bei jüngeren Menschen groß – trotz aller Argumente, damit Klumpenrisiken zu akzeptieren und keine Risikostreuung zu betreiben.

Nedim Kaplan: Das kann ich bestätigen. Meine Neffen und Nichten sind sozusagen mit der Finanzkrise aufgewachsen. In Erinnerung ist ihnen geblieben, dass Aktien sehr riskant und Banken immer kurz vor dem Zusammenbruch sind. Aktien sind so für sie eine viel riskantere Assetklasse als Immobilien. In der Wahrnehmung der jungen Menschen kann man gerade im Umfeld niedriger Zinsen mit Immobilien eigentlich relativ wenig falsch machen. Und die Folgen der Immobilienkrise in den USA waren hier relativ weit entfernt. Die Prozyklizität auf dem Immobilienmarkt wird dadurch nochmals verstärkt.

Alexander George: Wenn man es hart mathematisch durchrechnet, sieht ein Immobilienkauf oftmals wirtschaftlich nicht besser aus, als Cash liegen zu lassen. Und die Bewirtschaftung einer Immobilie ist mindestens genauso intensiv oder die Risiken in manchen Lagen, Städten und Regionen zumindest genauso hoch wie eine Anlage in ein liquides Portfolio. Bei diesem Thema ist der Blick manchmal auch bei Stiftungen oder Family Offices verklärt.

„Von Frauen gemanagte Hedgefonds haben mehr Rendite erzielt als von Männern dominierte“

Anne Connelly, Fondsfrauen

Walter Liebe: Wir sollten aber eins bei der Debatte auch nicht vergessen. Nach der Internetblase und dem Einsetzen der Finanzkrise 2008 ist die tatsächliche Verlusttoleranz großer Anlegerkreise nicht nennenswert gestiegen. Doch es werden zunehmend in den Portfolios risikolose Assets durch risikoreichere substituiert. So sind nicht wenige Privatanleger und professionelle Investoren verstärkt in High-Yield investiert, die dort mentalitätsmäßig eigentlich nichts verloren haben. Das heißt in der Folge: Wenn ein ganz normaler zyklischer Abschwung in einer risikobehafteten Assetklasse in illiquider werdenden Märkten kommt, wird die Volatilität meines Erachtens steigen – durch das prozyklische Verhalten von Anlegern, die entweder aus emotionaler Schwäche oder wegen Risikomanagement-Überlegungen aus den Märkten wieder herausgetrieben werden.

„Die Portfolio-Diversifikation bleibt eine Basisannahme im gesamten Investitionsprozess“

Martin Lück, BlackRock

Zentrales Thema der Asset Allocation war lange die Portfolio-Theorie nach Markowitz. Die jüngeren Korrelationsentwicklungen haben hier für Ernüchterung gesorgt. Also: Markowitz ad acta?

Lück: Nein. Die Portfolio-Diversifikation bleibt als Grundidee eine der Basisannahmen im gesamten Investmentprozess. Das von Ihnen angesprochene Problem der Korrelation ist in der Tat aktuell sehr präsent. Und man hat natürlich auch gesehen, dass es schwieriger geworden ist, einzelne Assetklassen gegeneinander zu hedgen. Zusätzlich sollten wir berücksichtigen: Wir sind in einer Phase, in der die Investmentwelt durch eine Anpassung geht. Nach einer tiefen Rezession dauert es eine gewisse Zeit, bis ein volkswirtschaftliches System und die Kapitalmärkte wieder zum Normalzustand zurückkommen. Nach dem New-Economy-Crash hat das System zwei Jahre gebraucht, sich zu rekalibrieren. Wir brauchen wohl dieses Mal deutlich länger. Und so lange braucht es auch für eine Normalisierung der Grundannahme im Asset-Management. Die ökonomische Welt und die Finanzmärkte sind sozusagen immer noch im Reparaturmodus.

Herr Kaplan, aufgrund Ihres Ausschließlichkeitsprinzips bei der Titelauswahl dürfte Ihr Investmentuniversum aber entsprechend kleiner sein.

Kaplan: Auf den ersten Blick ist das sicherlich so. Doch es finden sich in der Regel gute oder noch bessere Alternativen für unsere Investments. So können wir etwa in US-Staatsanleihen nicht investieren, weil wir mit manchen sozialen und politischen Standards dort nicht konform gehen. Doch wir können etwa ersatzweise US-Unternehmensanleihen wählen, die darüber hinaus ein besseres Risiko-Ertrags-Profil aufweisen. Auch unser Ansatz ist natürlich, uns im Portfolio-Management so breit wie möglich aufzustellen.

„Ein Immobilienkauf sieht wirtschaftlich oftmals nicht viel besser aus, als Cash liegen zu lassen“

Alexander George, Hauck & Aufhäuser

Wo sehen Sie noch Nachholbedarf, um Vertrauen beim Kunden zu schaffen?

Küssner: Wir sollten mehr Ehrlichkeit in die gesamte Debatte bringen. Die Welt ist komplex geworden, sie ist alles andere als perfekt: Für das Privatleben gilt das genauso wie für die Finanzbranche. So erleben wir Marktphasen, die nicht einfach in den Griff zu bekommen sind. Dazu gehören auch plötzlich auftretende hohe Korrelationen, die wir vorher nicht kannten. Nehmen wir das Beispiel Auto – die SUVs heute, mit ausgereifter Technik, Vierradantrieb und ESP kommen wunderbar durch Matsch und Schnee, aber auf Eisglätte hilft auch das nicht weiter. Übertragen auf unsere Branche: Exogene oder politisch implizierte Schocks sind nicht in Asset-Allokations-Modellen zu fassen. Nehmen Sie die Diskussion um den Brexit, Attentate oder plötzliche Kriege oder was auch immer. Da stoßen wir alle an unsere Grenzen.

Wiener: Neben der Ehrlichkeit halte ich das Thema Transparenz für sehr wichtig. Wir ermutigen Stiftungen, für sich Anlagerichtlinien mit transparenten Kriterien zu formulieren. Wenn sie ihr Vermögen extern verwalten lassen, können sie so später überprüfen, ob und wie die gesteckten Ziele erreicht wurden. Und meines Erachtens erwartet heute keine Stiftung mehr, dass man für sie Fantasie-Renditen in Aussicht stellt – man sollte einfach transparent machen, was jeweils realistisch ist. Ich glaube, das ist in der momentanen Phase wichtig, das schafft auch das nötige Vertrauen in die Kompetenz und Integrität der Asset-Management-Partner.

Kaplan: Das Prinzip Ehrlichkeit möchte ich auch auf die Aktienanalyse ausdehnen. Das würde ebenfalls zur Vertrauensbildung beitragen und unseres Erachtens weniger Marktverwerfungen nach sich ziehen. Denn wer kann schon wirklich beziffern, wie hoch die Rückstellungen bei EON oder RWE sein müssen, um die Kosten für den Rückbau der Atomkraftsparte zu schultern? Oder nehmen Sie den Bereich Mergers and Acquisitions: Wer kann schon bei großen Banktransaktionen den Riesenpool von Verbindlichkeiten anständig bewerten? Das alles sollte sich in den Analyseergebnissen wiederspiegeln.

Liebe: Ein Wort noch zu Markowitz und zur Portfolio-Management-Praxis. Auch wir sind der Meinung, dass die langfristigen Zusammenhänge und langfristigen Korrelationen im Markt prinzipiell noch bestehen. Was sich verändert hat, ist, dass sie plötzlich wechseln. Früher haben Mischfonds Aktien und Anleihen überzeugungsbasiert gewichtet. Mittlerweile haben aber alle bedeutenden Spieler in der Asset-Management-Industrie Risikomanagementsysteme oder Abteilungen, die Faktorabhängigkeiten und die Korrelationen vergleichen und entsprechend eingreifen können. Man hat zumindest in der Theorie Instrumente, das Downside-Risk zu begrenzen. Was wir zudem sehen: Breite Kreise von Investoren entdecken thematische Investments wieder – und allokieren verstärkt global und weniger regional.

„Auch in der Niedrigzinsphase darf die Umsetzung des Stiftungszwecks nicht gefährdet werden“

Berenike Wiener, Bundesverband Deutscher Stiftungen

Sie deuten es an – was früher Mischfonds hieß, heißt heute vielfach Multi Asset. Das ist aber auch ein etwas pauschaler Oberbegriff, oder?

George: Ja, natürlich. Multi Asset wurde in den vergangenen Jahren zu so etwas wie der neuen Heiligkeit in unserer Branche. Hier sollte man differenzieren – zumal sich Multi Asset auch schon innerhalb einzelner Asset-Klassen darstellt. Wie zum Beispiel der bereits angesprochene High-Yield-Bereich in der Asset-Klasse Anleihen. Unsere Welt ist im stetigen Wandel, es entstehen neue Regeln. Das ist in etwa so, als wenn jemand beim Fußball anfangen würde, die Linien wegzunehmen, es dann auch keine Auswechselspieler mehr gäbe, als Nächstes die Tore abgebaut würden, und irgendwann wären es auch nicht mehr zwingend 90 Minuten Spielzeit. Mit traditionellem Fußballspiel hätte das nur noch wenig zu tun. Eine solche drastische Veränderung hat unsere Branche aber vollzogen.

„Wichtig ist, dass wir Transparenz schaffen, wohin wir investieren“

Achim Küssner, Schroders

Was auch heißt: Die den Investmentprodukten zugrunde liegenden Allokationsstrategien werden immer komplizierter. Kann das der Berater beim Kunden auch wirklich in der Tiefe vermitteln?

Küssner: Erklären Sie mal einem Privatanleger Begriffe wie Private Equity, Long-short-Strategien oder Catbonds in zwei, drei Sätzen so, dass er das alles richtig verstanden hat. Das ist unmöglich. Die Frage ist doch: Muss ich dies alles bis ins Detail erklären, und möchte der Anleger das überhaupt? Wichtig ist, dass wir Transparenz schaffen, wohin wir investieren, und dass wir zu dem stehen, was wir versprechen, also was mit hoher Wahrscheinlichkeit für Anleger dabei herauskommt. Und: Für den Interessierten können natürlich alle relevanten Daten und Hintergründe zugänglich gemacht werden.

Connelly: Um den Markt transparenter zu machen, können auch spezielle Ratings weiterhelfen. Mein ehemaliger Arbeitgeber Morningstar hat vor kurzer Zeit ein globales Nachhaltigkeits-Rating gelauncht, mit dem Anleger und Berater einschätzen können, wie Fonds und die Unternehmen, in die sie investieren, entsprechend Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigen. Das ist alles vielleicht noch nicht perfekt, aber es ist ein Ansatz, der nachvollziehbar ist. Und wenn ein Haus wie Morningstar sein Gewicht hier in die Waagschale wirft, ist das eine klare Aussage. Und sich so offensiv in dieser Hinsicht zu positionieren, ist für ein amerikanisches Haus sicherlich ein deutlich größerer Schritt als für ein europäisches. Das zeigt doch den Trend klar auf.

Wiener: Man sieht eindeutig, dass Nachhaltigkeit beim Investieren eine sehr positive Auswirkung hat. Nehmen Sie etwa den Global Challenges Index, der den Dax in den vergangenen Jahren deutlich übertreffen konnte. Der Anlageausschuss des GCI, dem ich angehöre, hat sehr strenge Kriterien zum Thema Nachhaltigkeit. Das Nachhaltigkeitsthema hat die Nische verlassen, und das ist gut so – auch unter ökonomischen Gesichtspunkten.

Liebe: Unmittelbar nach Einführung des Morningstar-Sustainability-Ratings haben auch die klassischen Fonds bereits darauf reagiert – die Diskussionen der Fondsmanager mit eigenem Management über die „Nachhaltigkeit“ ihrer klassischen Investmentfonds haben massiv eingesetzt, selbst wenn sie dies bisher gar nicht zum Ziel hatten. Und es ist ja richtig: Nachhaltige Anlagen haben in der letzten Zeit sehr gut performt. Ohne Wasser in den Wein gießen zu wollen: Das hat unter anderem auch damit zu tun, dass wir in den Boomjahren bis 2000 einen Commodity-Superzyklus hatten – mit steigenden Preisen von Rohstoffunternehmen. Jeder, der nachhaltig investierte, war strukturell in den Best-Performern untergewichtet. Seitdem haben wir geradezu einen Crash in diesem Markt gesehen. In der Folge hatte wiederum jeder, der hier untergewichtet war, einen strukturellen Performance-Vorteil. Wir werden sehen, wie sich dies in Zukunft darstellt.

Nehmen wir noch ein anderes Thema auf, das bei Anlegern hoch im Kurs steht: Absolute Return. Wenn wir auch hier das Transparenzgebot anwenden: Weckt der Begriff nicht falsche Erwartungen?

Lück: Wenn man unterstellt, dass beim Investor suggeriert wird, für ihn das Risiko komplett herausnehmen zu können und auf jeden Fall von positiven Erträgen zu profitieren, haben Sie sicherlich recht. Mit Absolute-Return-Strategien marktneutral investieren zu können, halte ich in Grenzen für annäherbar, aber nie komplett realisierbar. Insofern wäre die Versprechung, dies liefern zu können, schlicht und ergreifend Augenwischerei.

Küssner: Es gibt ja auch keine klaren Definitionen. Will ich das Absolute-Return-Ziel über Kalenderjahre hinweg erreichen, über rollierende Perioden, über drei Jahre oder über einen Investmentzyklus? Das bleibt ja oftmals vollkommen offen.

Haben Family Offices Absolute-Return-Strategien auf der Agenda?

George: Nicht in dieser Ausschließlichkeit. Als Diversifikationselement und strategische Komponente werden sicherlich auch Absolute-Return-Strategien und -elemente genutzt. Und mit der Maßgabe Vermögenserhalt und -sicherung über Generationen, die fast allen SFO‘s zugrundeliegt, betreibt man ja bereits in einer gewissen Form Absolute Return.

Liebe: Das sehe ich auch so – durch die Erweiterung des Handlungsspielraums kann ein guter Manager noch besser werden, oder ein schlechter wird voraussichtlich noch schlechter sein. Ich finde es übrigens bemerkenswert, dass es möglich war, in Deutschland Long-short-Hedgefonds im Ucits-Mantel an den Start zu bekommen. Nach den sehr späten, aber schmerzhaften Erfahrungen, die deutsche Anleger mit hierzulande domizilierten Dach-Hedgefonds und Hedgefonds-Zertifikaten gemacht haben, ist es interessant, wie stark heute der Zuspruch ist. Ein Erklärungsansatz ist der viel offenere Umgang: Faktor- und Manager-Risiken werden dargestellt, auch, dass die Performance in Zyklen verläuft. Dieser Umgang sorgt dafür, dass das Vertrauen in Hedgefonds wächst.

Connelly: Auf das Managerrisiko möchte ich auch eingehen. Es gibt Studien, die den Erfolg von Hedgefonds untersucht haben, die von Frauen gemanagt werden. Eine Studie von 2013 etwa belegt, dass in den voraufgegangenen sieben Jahren von Frauen gemanagte Hedgefonds durchschnittlich 6 Prozent Rendite erzielt hatten, die von Männern dominierten Fonds verzeichneten im Schnitt dagegen 1,1 Prozent Verlust. Das fand ich sehr bezeichnend. Man hat dann als Erläuterung dafür herangezogen, dass Frauen Risiken anders einschätzen und ihrer Strategie eher treu bleiben. So gibt es mittlerweile US-Pensionsfonds, die sich unter diesem Diversifizierungsaspekt gezielt von Frauen gemanagte Fonds aussuchen.

Küssner: Wie hoch ist denn der Anteil von Frauen, die Hedgefonds managen?

Connelly: Ich habe die konkrete Zahl gerade nicht gegenwärtig, aber sie dürfte bei unter 10 Prozent liegen.

Küssner: Das hieße dann aber auch, wenn 90 Prozent der Hedgefondsmanager männlich sind, ist die statistische Wahrscheinlichkeit von Verlierern bei den Männern viel höher als bei den Frauen.

Lück: Oder, anders ausgedrückt: Eine Frau, die in einer solchen Position ankommt, muss per se besser als das Gros der männlichen Konkurrenten sein.

„Es ist schwierig, ein gut performendes, aktiv gemanagtes Produkt zu haben, das gleich viel kostet wie ein ETF“

Nedim Kaplan, Ökoworld Asset Management

In die Diskussion über erzielbare Renditen gehört auch die Frage, inwiefern Kosten für das Asset-Management mit der erbrachten Leistung in Einklang zu bringen sind. So plädieren manche Verbraucherschützer dafür, ETFs gemanagten Portfolio-Strukturen vorzuziehen. Wie sieht das bei Stiftungen aus?

Wiener: Auch ETF-Lösungen werden von einigen Stiftungen näher angeschaut, wobei natürlich niedrige Kosten und Fondsqualiät nicht eins zu eins zu setzen sind. Und da auf der Ertragsseite heute in der Regel weniger ankommt, sind es nicht nur die Kosten für das Asset-Management, die Stiftungen in den Blick nehmen, sondern natürlich auch die Kosten der Stiftungsarbeit als solche. So ist es auch eine Möglichkeit, über Kooperationen Synergien zu schaffen und damit Ressourcen zu schonen. Auch andere Instrumente der Wirkungs- und Effizienzsteigerung rücken in den Fokus.

Kaplan: In unserem Haus haben wir einen elfköpfigen Anlageausschuss, der sich um die Vorauswahl der infrage kommenden Unternehmen kümmert. Und wir haben allein fünf Mitarbeiter, die nichts anderes tun, als Unternehmen intensiv auf Nachhaltigkeitsaspekte zu prüfen. Dieser Personalaufwand muss entsprechend vergütet werden: So ist es insgesamt schwierig, ein gut performendes Produkt zu haben, das dann auch gleich viel kostet wie ein ETF. Wir investieren in Know-how, das man sich nicht schnell anhand irgendeiner Datenbank verschaffen kann.

George: Und auch beim ETF gilt es, genau zu schauen, was konkret enthalten ist und wie die Strategie in bestimmten Marktphasen aussieht. Kosteneffizienz ist da wirklich nur ein Faktor. Wenn man an manchen Stellen mal ein bisschen intensiver hinschaut, zeigt sich teils auch Bedenkliches. Dass sich die Vielfalt und die Auswahl auch bei ETFs stark erhöht hat, ist aber absolut positiv zu beurteilen. Doch ich muss schon wissen, was sich hinter den Kulissen tut.

Connelly: Ich denke, es geht bei der Kostenentscheidung vor allem um die Bewertung des Risikos. Wenn ich feststellen kann, dass ähnlich risikogelagerte Produkte eine unterschiedliche Kostenstruktur haben, kann ich das günstigere wählen. Da habe ich eine Gewissheit in einer sehr ungewissen Welt. Wobei ich betonen möchte, dass ich durchaus ein Faible für aktiv gemanagte Fonds habe. Und viele ETFs sind noch nicht so lange am Markt, der ultimative Test steht dort immer noch aus. Wenn hier so viel Geld in diese Produkte fließt, welche Auswirkungen hat das dann auf einzelne Aktien und den Markt?

Liebe: Ohne jetzt Werbung für ein einzelnes Unternehmen machen zu wollen: BlackRock ist hier Vorreiter, der schon antizipiert, worauf die Industrie hinauslaufen wird. Nämlich eine Koexistenz von aktiven Strategien, die aktiv bepreist werden, aber kein Index-Hugging machen – und einem großen passiven Teil, der sich weiter professionalisiert. Beide Bereiche haben ihre speziellen Zielgruppen und ihre spezielle Marktrelevanz. Ich nehme an, dass es in zehn Jahren so sein wird, dass es den typischen Tracking Error 2 bis 3 nicht mehr geben wird, weil er nicht mehr notwendig ist. Es wird dann zum einen passive Investments geben und zum anderen sehr aktive mit einem Tracking Error 5 bis 6.

Kommen wir zum Schluss zum Thema Digitalisierung, zu Robo-Advisory, Fintech & Co. Welchen Stellenwert hat dieser Megatrend für Ihre Branche?

George: Dazu nur ein Satz: Ich glaube, dass unsere Akquisition von Easyfolio vor Kurzem da alles ausdrückt. Wir meinen, dass dieser Zukauf der weitaus kooperativere und wesentlich vernünftigere Weg war, im Fintech-Bereich mit dabei zu sein und auf einer etablierten Plattform agieren zu können. Das Thema Digitalisierung wird uns nicht loslassen und unsere Branche erheblich dynamisieren.

Küssner: Mit der Digitalisierung geht ein massiver Umwälzungsprozess einher. Nehmen wir nur die Produktionsseite: Wir haben gerade eine Armada an Datenanalysten angeheuert und integrieren hier derzeit Know-how aus ganz anderen Branchen, die wissen, wie man mit Daten umzugehen hat – etwa aus der Formel 1, aus der Telekommunikation und aus anderen Industrien, die nichts mit der Finanzbranche zu tun haben. Und zwar aus drei Gründen: erstens, um aus der Fülle der Daten frühzeitig wichtige Unternehmenstrends erkennen zu können. Zweitens, um überprüfen zu können, ob die Daten stimmen. Drittens, um die Datenmengen zu kanalisieren: Wenn der Fondsmanager zu seinem Arbeitsplatz geht, sollen die Daten, die ihn betreffen, maßgeschneidert auf den Bildschirmen erscheinen. Das sind Umwälzungen, die den Arbeitsplatz des Fondsmanagers komplett verändern und ihm vor allen Dingen helfen, die Arbeit besser zu machen und schneller zu sein.

Lück: Die Digitalisierung ist auf jeden Fall ein Trend, der extrem dynamisch ist, der die ganze Branche, die gesamte Wertschöpfungskette und das Asset-Management komplett verändert. Der Aspekt der Nutzung von Big Data ist auch bei BlackRock ein riesiges Thema. Das wird seit Jahren in Teams in London und San Francisco intensiv bearbeitet, inklusive Auswertungen von Google-Klicks und Satellitenfotos von der Nutzung von Supermarktparkplätzen und solchen Dingen. Ich bin selbst betroffen, da von meinen Marketing-Kollegen immer stärker gefordert wird, dass ich im digitalen Content stärker präsent sein muss und soll. Als junger Volkswirt habe ich meine Research-Stücke per Fotokopierer und Fax verbreitet, heute nutze ich Video-Botschaften. Das ist auch unter Nachhaltigkeitsaspekten eine gute Entwicklung.

Liebe: Was das Asset-Management betrifft, sehen wir ganz klar, dass die Informationsbereitstellung und die Akkuratheit der Informationen deutlich zunimmt, ganz einfach, weil der Wettbewerb es erfordert. Auf der übergeordneten Ebene der Fintechs oder Robo-Advisory wird immer gerne von den Banken das Schreckensbild an die Wand gemalt, dass alle Banken überflüssig werden könnten. Ich sehe das nicht so, weil es einen ganz großen Bereich von Kunden gibt, der aus Kostengründen quasi unberaten bleibt. Der Massenbereich muss sich selbst informieren – mit allen möglichen Gefahren, die davon ausgehen. Und wenn es eine Möglichkeit gibt, über Fintech-Unternehmen diesen eine halbwegs qualifizierte Beratung zu ermöglichen, ist für deren Vermögensanlagen auch etwas getan. Aber klar ist: Komplexe Vermögenssituationen werden jedoch nicht durch einen Robo-Advisor ersetzt, beispielsweise bei Stiftungen oder Family Offices. Es ist illusorisch zu glauben, dass die Maschine besser etwa auf individuelle Familiensituationen eingehen könnte. Die Banken, die laut schreien, dass ihnen das Geschäft wegbricht und sie bald zumachen können, sind genau diejenigen, die diese Art von Kunden nicht haben wollen, die Fintechs nutzen können.

Das Gespräch moderierte Markus Deselaers

Strategien im Paket

Straßenszene in Chicago: Die USA sind derzeit größter regionaler Schwerpunkt im BSF – BlackRock Multi-Manager Alternative Strategies Fund

Foto: Bloomberg

Strategien im Paket

Alternative UCITs-Strategien erfreuen sich großer Beliebtheit. Gegenüber Offshore-Varianten ist ihre Vielfalt jedoch begrenzt. Der BSF – BlackRock Multi-Manager Alternative Strategies Fund hat die Lösung gefunden

| Wie unsicher die Zeiten an den Märkten sind, das wurde Anlegern am 24. Juni wieder deutlich vor Augen geführt. Am Tag nach dem Brexit-Referendum brach ein Sturm an den Finanzmärkten los. Vor allem in Europa, aber auch weltweit kamen Aktien unter die Räder, das Britische Pfund befand sich im freien Fall. Aber auch andere risikobehaftete Anlagen verloren an Wert.

„Die Märkte sind schon länger von extrem niedrigen Zinsen, sehr volatilen Aktienkursen und einer hohen Unsicherheit geprägt“, macht Mark Woolley aus dem Fondsmanagement des BSF – BlackRock Multi-Manager Alternative Strategies Fund klar. Das heißt: Traditionelle Anlagen bieten keine Sicherheit oder keine Rendite. „In solch einem Umfeld suchen Anleger nach Anlagen, die einen echten Diversifikationseffekt für ihr Portfolio leisten.“

Das Rendite-Risiko-Profil des Portfolios zu verbessern hat sich auch der BSF – BlackRock Multi-Manager Alternative Strategies Fund auf die Fahnen geschrieben. Bei ihm selektieren die Experten des BlackRock-Alternative-Teams die besten Hedgefonds und bündeln sie in einem Fonds.

Allerdings ist es nicht ganz einfach, die besten Fonds zu finden. Im ersten Schritt geht es deshalb darum, sie einer gründlichen Due Diligence zu unterziehen. „Wir haben dabei eine Investmentphilosophie, an der wir strikt festhalten“, sagt Woolley. Das heißt, für BlackRock kommen nur Fonds infrage, bei denen die Experten ein fundamentales Verständnis für die Investmentstrategie eines Managers haben. Zudem fordern sie Interessengleichheit zwischen Manager und Investor, dass der Manager die Märkte unabhängig beurteilt und nicht nur der Herde folgt und sich auf Marktineffizienzen als wichtigste Risiko- und Ertragsquelle fokussiert.

Das Alternative-Team von BlackRock, das über mehr als 20 Jahre Erfahrung in diesem Bereich verfügt, wählt aus dem Universum von 8.000 Fonds 140 Strategien aus, die durch das Investmentkomitee genehmigt werden. Diese Auswahl wird dann für den BlackRock-Fonds weiter verdichtet. Dabei wird auf eine ausreichende Liquidität und Transparenz geachtet – und darauf, ob der Fonds an den UCITs-Beschränkungen ausgerichtet ist. Zuletzt sortieren sie ähnliche Strategien aus. „So bleiben sechs bis zwölf Manager übrig, die grundsätzlich unterschiedliche Konzepte verfolgen“, so Woolley.

Zwar könnten Anleger, seit es Hedgefonds-Strategien im UCITs-Mantel gibt, dort auch direkt investieren. Allerdings hat diese Verpackung auch einige Haken: Zum einen ist das verfügbare Universum an unterschiedlichen Strategien begrenzt. Rund 80 Prozent der dort verfügbaren Produkte konzentrieren sich auf Global-Macro- und Equity-Long-short-Strategien. „Eine ausreichende Diversifizierung zu erreichen ist damit schwierig“, erklärt Woolley. Andererseits gibt es langfristig eine erhebliche Renditelücke zwischen den Offshore-Fonds und ihren UCITs-Pendants.

„Wir umgehen den UCITs-Gap“

Mark Woolley, BlackRock-Fondsmanager

Der Grund: Die regulatorischen Verpflichtungen, denen ein UCITs-Fonds unterliegt, schränken die Freiheit des Hedgefonds-Managers ein.

Hat dieser etwa acht sehr gute Ideen, dann muss er bei der UCITs-Variante noch weitere acht dazunehmen. „Die sind aber oft nicht mehr so gut wie die ersten acht, sondern vielleicht nur noch mittelmäßig“, betont Woolley. So laufen viele UCITs-Fonds im Schnitt langfristig schlechter als ihre Offshore-Varianten. Auf Sicht der vergangenen zehn Jahre macht der Unterschied fast 50 Prozentpunkte aus. Bei BlackRock gehen die Experten deshalb einen anderen Weg: Statt direkt auf die Fonds zu setzen, mandatieren sie die jeweiligen Fondsmanager. Das heißt, sie stellen ihnen eine Teilsumme des Fondsvermögens zur Verfügung, das diese dann wie ihre Offshore-Variante managen können. „Auf diese Weise umgehen wir diesen UCITs-Gap, bekommen Zugang zu einem breiteren Universum an unterschiedlichen Strategien und können so breiter streuen“, erklärt der Experte.

Enger Kontakt zum Management

Bleibt ein Hindernis: Die besten alternativen Anlageformen sind oft schwer oder gar nicht zugänglich. BlackRock hat deshalb mithilfe der weltweiten Präsenz und des breiten Netzwerks in langjähriger Arbeit Kontakt zu den besten Managern aufgebaut. Zu einigen bestehen bereits seit mehr als 20 Jahren Geschäftsbeziehungen. „Diese Kontakte und die Tatsache, dass wir bei vielen Managern Investoren der ersten Stunde sind, verschafft uns den Zugang zu diesen Strategien“, sagt Woolley.

Auf diese Weise kann er in seinem Fonds diversifizierte Alphaquellen kombinieren, die er und sein Team dann laufend überwachen. „Unterm Strich ergibt sich ein echter Diversifikationseffekt für das Gesamtportfolio“, erklärt Woolley. Insgesamt soll der BSF – BlackRock Multi-Manager Alternative Strategies Fund eine durchschnittliche Volatilität von 6 bis 8 Prozent pro Jahr haben und eine positive Rendite in jedem Marktumfeld anstreben.

Das ist genau das, wonach viele Anleger händeringend suchen. Nicht nur in Zeiten von Brexit und Co. | Gerd Hübner

Moral mit Mehrwert

Sportwagen von Tesla: Der US-Autohersteller ist eine Position im Portfolio des Ökoworld Ökovision Classic

Foto: Bloomberg

Moral mit Mehrwert

Ein klar definiertes Anlageuniversum und intelligentes Stockpicking: Das sind die zwei Erfolgsfaktoren des Ökoworld Ökovision Classic

| Langsam dürfte es eng werden in den Vitrinen der Ökoworld AG im nordrhein-westfälischen Hilden. Denn was der Flaggschifffonds der Gesellschaft, der Ökoworld Ökovision Classic, in den zurückliegenden 20 Jahren an Preisen und Auszeichnungen gewonnen hat, sprengt längst die klassische Dimension. Ob Testsieger beim ECOfondstest oder bei Stiftung Warentest, ob Fund Award und 5 Sterne bei Öko-Test oder zuletzt der Deutsche Fondspreis 2016, um nur einige der Auszeichnungen zu nennen – fast immer hat der Nachhaltigkeits-Aktienfonds die Nase vorn.

Seit Auflage im Mai 1996 hat der Ökovision Classic den Anlegern eine durchschnittliche Wertentwicklung von rund 5,3 Prozent pro Jahr beschert. Das Fondsvolumen beträgt inzwischen mehr als eine halbe Milliarde Euro.

Ein wichtiger Grund für den Erfolg dürfte das Ökoworld-Prinzip sein, das eine vollständige Trennung von Portfoliomanagement und Fundamentalanalyse einerseits und dem Nachhaltigkeits-Research andererseits vorsieht. Das bedeutet, dass nicht die Fondsmanager die Prüfung übernehmen, ob eine Aktie zukunftsfähig oder nachhaltig ist. Das macht der elfköpfige Anlageausschuss, bestehend aus externen, unabhängigen Experten. Er legt nach strengen Kriterien ein Anlageuniversum fest, aus dem das Portfoliomanagement dann die interessantesten Titel heraussucht.

„Wir gehen dabei nach einem risikoorientierten Stockpicking-Ansatz vor“, erläutert Alexander Mozer, Leiter des Ökoworld-Fondsmanagements. „Das unterscheidet unseren Fonds von anderen Produkten, die häufig an einer Benchmark kleben und so nicht die für den Anleger optimale Rendite-Risiko-Mischung darstellen können.“

Trends, die sich bezahlt machen

Mozer und sein Team konzentrieren sich auf die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen. Im Fokus stehen Firmen rund um den Globus, die sich für eine effizientere Nutzung von Ressourcen einsetzen oder Produktinnovationen vorantreiben, um damit die Umwelt- und Sozialrisiken zu reduzieren. „Wir wollen in nachhaltige Trends und Themen investieren, die sich langfristig bezahlt machen“, so Mozer. Die Idee dahinter: Wer auf innovative Unternehmen setzt, die in ihrer jeweiligen Branche unter ökologischen und ethischen Aspekten führend sind, hat meist nicht nur effizientere und ressourcenschonendere Produzenten im Portfolio, sondern oft auch die gewinnbringenderen.

Titel aus dem Bereich regenerative Energien finden sich ebenso im Portfolio wie Unternehmen, die umweltfreundliche Produkte und Dienstleistungen oder ökologische Nahrungsmittel anbieten. Strikt ausgeschlossen sind dagegen Unternehmen aus den Bereichen Atomindustrie, Chlorchemie, Gentechnik, Raubbau, Tierversuche, Kinderarbeit und Militärtechnologie.

Dass die Nachfrage hoch ist, ist für Mozer kein Zufall: „Der Ökovision Classic hat neben der starken Rendite auch noch ein emotionales, soziales, ökologisches und ethisches Anliegen.“ | Heino Reents

„Die Idee trägt immer mehr Früchte“

Alexander Mozer, Head of Portfoliomanagement bei Ökoworld-Asset Management, über seinen strategischen Ansatz

| DAS INVESTMENT: Hat sich Ihr Anlageuniversum im Lauf der Jahre vergrößert?

Alexander Mozer: Ja. Im Ökovision Classic entscheidet der Anlageausschuss nach sehr engen sozialen und ethisch-ökologischen Kriterien. Aktuell können wir aus rund 300 Unternehmen weltweit auswählen. Als ich vor fünf Jahren bei Ökoworld angefangen habe, waren es noch 200 Firmen. Insofern wird das Universum in der Tat immer größer. Es zeigt zugleich auch, dass die Idee, mit der der Ökovision vor 20 Jahren gestartet ist, immer mehr Früchte trägt. Allerdings beobachten wir, dass auch viele Unternehmen sagen, dass sie sich nachhaltig aufstellen, ohne zu wissen, wie das eigentlich wirklich geht.

Wie begrenzen Sie Risiken?

Mozer: Das geschieht im Wesentlichen auf zwei Wegen. Zum einen sind wir quasi sekündlich an unserem Portfolio dran und können somit sofort auf mögliche signifikante Schwächen oder schlechte Nachrichten wie Gewinnwarnungen reagieren. Zum anderen können wir auch mal Kasse halten und müssen bei Verkäufen nicht sofort das Geld reinvestieren.

Ihr Cash-Anteil liegt aber gegenwärtig nur bei rund 2 Prozent.

Mozer: Wir sind aktuell nicht besonders nervös. Unsere Portfolio-Werte entwickeln sich gut, die Nachrichtenlage ist ausgezeichnet. Bei vielen unserer Titel ist eine konjunkturelle Aufhellung zu spüren, was sich langfristig positiv auf die Kurse niederschlagen dürfte.

Welche Investmentthemen sind momentan besonders aussichtsreich?

Mozer: Wir suchen nicht nach Themen, sondern nach interessanten Unternehmen. Wir sind Stockpicker. Aktuell haben wir aber ein hohes Gewicht im Gesundheitssektor. Dort gibt es viele aussichtsreiche Werte, die zudem unabhängig von der konjunkturellen Entwicklung sind. Auch im Bereich nachhaltiges Bauen gibt es derzeit einige spannende Firmen. |

Das Morgen im Heute

Roboter „Pepper“ spricht in Paris mit Bahnfahrgästen: Robotik ist einer der Megatrends, auf den Pictet setzt

Foto: Getty Images

Das Morgen im Heute

Der Name ist Programm: Der Pictet-Global Megatrend Selection investiert breit gestreut in aussichtsreiche Zukunftsthemen

| Der Grat ist bisweilen schmal, wenn eine Investmentfirma einen vermeintlich neuen „Megatrend“ ausruft, in den es sich angeblich zu investieren lohnt. Handelt es sich wirklich um einen Megatrend, der langfristig Wachstum und eine attraktive Rendite verspricht – oder steckt doch nur heiße Luft dahinter, und der Begriff „Modethema“ wäre passender gewählt?

Auf der sicheren Seite ist, wer hier auf Produkte der Privatbank Pictet vertraut. Die Schweizer haben sich in den vergangenen Jahrzehnten mit Themenfonds einen Namen gemacht und sind auf diesem Gebiet nicht nur Pionier, sondern auch ausgewiesener Spezialist und Marktführer. Ob Wasser, Biotech, Holz oder Robotics – bei themen- und trendbasierten Anlagestrategien macht Pictet so leicht keiner was vor.

Wer sich nicht entscheiden kann, in welches der zahlreichen aussichtsreichen Investmentthemen er investieren soll, sollte sich den Pictet-Global Megatrend Selection einmal genauer anschauen. Der mittlerweile 4 Milliarden Euro schwere und vom erfahrenen Portfoliomanager Hans Peter Portner verantwortete Fonds setzt gleich auf neun spannende Themen. Dazu zählt Pictet Landwirtschaft, saubere Energien, digitale Kommunikation, Gesundheit, Premiummarken, Sicherheit, Holz, Robotics und Wasser.

Für jeden der neun Trends hat die Schweizer Bank einen eigenen Themenfonds aufgelegt. Der Pictet-Global Mega­trend Selection setzt sich aus den Anteilen dieser neun Anlagethemen des Hauses zusammen.

Monatlich wird rebalanciert

„Das Besondere ist, dass die kompletten Portfolios jeweils addiert werden, was eine sehr breite Streuung bedeutet“, sagt Walter Liebe, Investmentspezialist bei Pictet Asset Management. Jedes Thema ist gleich stark gewichtet und wird in einem monatlichen Re-Balancing gegebenenfalls angeglichen.

„Globale Megatrends in einem Produkt“

Walter Liebe, Pictet Asset Management

Knapp 500 Titel sind insgesamt im Portfolio. Wichtig auch: Es handelt sich um keinen Dachfonds, investiert wird nur in die internen Themenfonds-Portfolios. Somit sind auch keine doppelten Gebühren fällig.

„Der Fonds eignet sich für Anleger, die in nur einem Produkt Zugang zu den aussichtsreichsten globalen Megatrends wünschen“, so Liebe. Und die Nachfrage steigt: „Wir beobachten in der Asset-Allokation aktuell eine Wende von der regionalen zur globalen Aufstellung. Davon profitieren unsere einzelnen Themenfonds und natürlich auch der Global Megatrend Selection“, berichtet Liebe.

Megatrends werden nach Ansicht Pictets viele Jahre bis Jahrzehnte Relevanz und Gültigkeit besitzen. „Dies sind eigentlich relativ abstrakte Entwicklungslinien, die Gesellschaft, Politik und Wirtschaft erheblich verändern werden. Sie sind aber noch kein brauchbarer Investitionsauftrag“, erläutert der Investmentexperte. Die besondere Expertise von Pictet Asset Management besteht darin, Megatrends wie Globalisierung, Nachhaltigkeit, demografische Entwicklung, technologische Entwicklung oder Gesundheit in konkrete Anlagestrategien zu übersetzen. Der Pictet Wasserfonds war vor 16 Jahren das erste Resultat, der Robotics-Fonds im vergangenen Jahr das vorerst letzte.

Jedes der Themen verspricht langfristig höheres Wachstum, sie weisen aber auch unterschiedliche Zyklen und Werttreiber auf. Und auch die Volatilitätsprofile sind verschieden. Während Wasser etwa als sehr defensives Investmentthema gilt, ist Robotics durch technologische Umbrüche gekennzeichnet und daher insgesamt schwankungsanfälliger. „Auch deshalb ist es sinnvoll, die verschiedenen Themen zu kombinieren und diversifizieren“, unterstreicht Experte Liebe.

Im Fokus der verschiedenen Themenfonds stehen Firmen mit einem großen und unbestritten scheinenden Zukunftspotenzial. Für das Portfoliomanagement der insgesamt neun Fonds sind separate und für den jeweiligen Bereich spezialisierte Teams aus mehreren Experten verantwortlich. Sie werden jeweils von einem wissenschaftlichen Beirat unterstützt.

Klare Outperformance erzielt

Seit der Fondsauflage im November 2008 hat der Pictet-Global Megatrend Selection eine deutliche Outperformance gegenüber dem MSCI World Index erzielt, der als Vergleichsindex für die Performance-Entwicklung herangezogen wird. Für Liebe hat das mehrere Gründe: „Die Überschneidung mit dem Vergleichsindex ist sehr gering. Der Active Share liegt bei 77 Prozent, das bedeutet also, weniger als ein Viertel der Aktien stimmen mit dem Index überein.“Außerdem suchen die einzelnen Fondsmanager per Stockpicking die geeignetsten Titel heraus. Kleinere und mittlere Unternehmen finden deshalb eher den Weg ins Portfolio, auch Titel aus den Emerging Markets werden stärker berücksichtigt, was erfahrungsgemäß ebenfalls wachstumsstärkere Unternehmen bedeutet.

Regional liegt der Schwerpunkt mit einer Gewichtung von mehr als 50 Prozent eindeutig in den USA. Der Rest ist breit gestreut. Bei den Sektoren dominieren aktuell Unternehmen aus der IT- sowie der Industriebranche. Auch Gesundheitstitel sind stark vertreten. Finanzwerte oder Öl- und Gas-Konzerne finden sich dagegen nicht im Portfolio.

Wie wichtig Pictet innovative und zukunftsträchtige Themen sind, zeigt auch ein neues Informationsportal im Internet, das von den Schweizern initiiert wurde. Unter www.mega.online können sich Interessierte ohne jeden Produktbezug über Megatrends rund um den Globus informieren. „Die Inhalte stammen ausschließlich von externen, unabhängigen Experten und Wissenschaftlern“, so Liebe. | Heino Reents

Vorwärts in beide Richtungen

Limonadenlieferung in New York: Coca-Cola hat der Schroder ISF1 QEP Global Absolute EUR Hedged derzeit long gewichtet

1Schroder ISF steht für Schroder International Selection Fund Foto: Bloomberg

Vorwärts in beide Richtungen

Auf steigende und fallende Aktienkurse zu setzen macht unabhängig vom Marktumfeld. Das Team des Schroder ISF1 QEP Global Absolute setzt dabei auf langjährige Erfahrung und einen erprobten Auswahlprozess

| Der Jahresauftakt 2016 war für viele Aktieninvestoren eine harte Prüfung. Um satte 12 Prozent brachen die globalen Märkte bis Mitte Februar ein – und haben damit in den Portfolios für herbe Verluste gesorgt. Anleger sind deshalb auf der Suche nach Strategien, die sich unabhängig vom Markt entwickeln und die Schwankungen eines Depots reduzieren. „Die Möglichkeit dazu bieten Long-Short-Fonds, bei denen der Manager auf steigende wie auch auf fallende Kurse setzen kann“, erklärt Daniel Lösche, Investment Analyst beim Vermögensverwalter Schroders.

Das erscheint logisch. Durch die Kombination beider Ansätze kann ein Fonds schließlich in jeder Marktphase einen positiven Ertrag erzielen. Und zugleich die Wertschwankungen in einem Portfolio reduzieren. Genau dieses Ziel verfolgt der Schroder ISF QEP Global Absolute, der bei langfristigen Kursschwankungen von 3 bis 5 Prozent über einen Marktzyklus hinweg einen Ertrag von 3 bis 5 Prozentpunkten über dem Geldmarktsatz Libor anstrebt.

Der Fonds bewies Anfang des Jahres, als die Märkte einbrachen, dass er das Portfolio stabilisieren kann. In diesem Zeitraum kletterte sein Wert um 3,6 Prozent. Die Kunst liegt bei Long-Short-Strategien in der Steuerung, um ihre stabilisierende Wirkung auch entfalten zu können.

„Das beginnt schon bei der Einzeltitelauswahl, die bei dem Fonds für den Mehrwert sorgt“, so Lösche. Beim Schroder ISF QEP Global Absolute obliegt dies dem Quant-Team von Schroders, das seit über 16 Jahren globale Aktienstrategien erfolgreich managt und über acht Jahre Erfahrung mit dem Shorten von Aktien hat. Insgesamt umfasst das Anlageuniversum rund 15.000 Einzeltitel. „Daraus filtern wir mithilfe skalierbarer quantitativer Methoden die aussichtsreichsten Long- und Short-Kandidaten heraus“, sagt der Analyst.Grundsätzlich sind für die Identifizierung der Kaufkandidaten die Kriterien Value (also Bewertungs- und Substanzstärke) und Qualität entscheidend. Dabei werden Value-Titel an Kriterien wie Dividende, Ertrag oder Cashflow gemessen. Bei Qualitätsunternehmen dagegen entscheiden die Profitabilität, die Stabilität und die finanzielle Stärke.

„Bestenfalls weisen die Long-Kandidaten Value- und Qualitätskriterien auf“, sagt Lösche. „Die Kombination beider Faktoren hilft dann zu vermeiden, zu viel für Qualität zu zahlen oder in Value-Fallen zu tappen.“ Ergänzt wird dies durch die Auswahl geeigneter Short-Kandidaten. Insgesamt achten die Experten bei der Portfoliokonstruktion auf eine breite Streuung. „Indem wir in der Regel je 500 Titel shorten und bei ebenso vielen auf steigende Kurse setzen, können wir das Einzeltitelrisiko deutlich reduzieren und das Portfolio nach Ländern, Branchen und Firmengröße diversifizieren“, erklärt Lösche.

„Zusätzlich kann das Management die Kauf- und die Verkaufsseite jeweils bis auf 200 Prozent des Nettoinventarwerts des Fonds hebeln“, informiert Lösche. In der Regel liegt die Nettoposition dann zwischen minus und plus 25 Prozent. „Entscheidend ist aber, dass das Portfolio insgesamt ein Beta von oder nahe null aufweist, also nicht mit dem Markt korreliert.“ Das ist auch sinnvoll: Schließlich kann der Fonds nur so einen echten Diversifikationsbeitrag und Kapitalerhalt in turbulenten Marktphasen leisten. | Gerd Hübner

„Effizient handeln“

Auf fallende Aktienkurse zu setzen erfordert andere Fähigkeiten, als long zu gehen. Experte Daniel Lösche von Schroders erläutert, warum das so ist

DAS INVESTMENT: Wie wählen Sie Short-Positionen aus?

Daniel Lösche: Im Rahmen der Identifikation der Kaufpositionen untersuchen wir alle Unternehmen auf ihre Fundamentaldaten. Jene, die schwache Daten aufweisen und hoch bewertet sind, kommen als Short-Position infrage. Des Weiteren verzichten wir darauf, stark unterbewertete Aktien zu shorten.

Was macht short gehen so schwierig?

Lösche: Wenn Sie eine Aktie long gehen, dann kaufen Sie diese einfach und legen sie ins Portfolio. Das geht beim Shorten nicht, hier braucht es derivative Finanzinstrumente. Wir nutzen dafür Aktienportfolio-Swaps. Zudem sind die Kosten und die Liquidität beim Shorten wichtig und deshalb Bestandteil unseres Investmentprozesses. Die Effizienz beim Handeln steht bei uns im Vordergrund.

Warum?

Lösche: Durch die Größe unseres Anlageuniversums können wir überfüllte Positionen mit geringer Liquidität meiden. So halten wir die Kosten gering und verbessern die Liquidität im Portfolio. Somit unterscheidet sich unser Portfolio stark von den Produkten unserer Wettbewerber. Teils setzen wir bei beliebten Short-Titeln auf steigende Kurse und umgekehrt. Auch das kann in turbulenten Marktphasen von Vorteil sein. |

 

Video-Interviews

 

Berenike Wiener - Bundesverband Deutscher Stiftungen

 

Martin Lück - BlackRock

 

Nedim Kaplan - Ökoworld

 

Anne Connelly - Fondsfrauen

 

Walter Liebe - Pictet

 

Achim Küssner - Schroders

 

Alexander George - Hauck & Aufhäuser