Investment-Experte Benjamin Melman Notenbanken bleiben ihrem Weg vorerst treu

Benjamin Melman, Anlageexperte bei Edmond de Rothschild Asset Management

Benjamin Melman, Anlageexperte bei Edmond de Rothschild Asset Management

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Die lockere Geldpolitik steht in der Finanzwelt häufig in der Kritik: Für viele Experten ist sie ineffizient, bringt Blasenrisiken mit und gefährdet die Finanzindustrie. Einige Beobachter sehen bereits das Ende dieser Geldpolitik, da den Notenbanken bald keine Anleihen mehr zum Kauf zur Verfügung stünden.

Benjamin Melman, Leiter Asset Allocation und Sovereign Debt bei Edmond de Rothschild Asset Management, ist in seinem jüngsten Kommentar gegenteiliger Meinung: „Wir sind davon überzeugt, dass die Europäische Zentralbank und die Bank of Japan (BoJ) ihren eingeschlagenen Weg beibehalten und ihre lockere Geldpolitik mindestens in den kommenden Quartalen weiterverfolgen werden“. Die zu schwache Inflation werden beide Zentralbanken bis Ende des Jahres klären. Im Moment sei nur die US-Notenbank Fed gewillt, ihre Benchmark-Zinssätze um 25 Basispunkte im Dezember 2016 zu erhöhen. Aber auch in den USA erwarte Melman „keinen Zinserhöhungszyklus mehr, sondern eher tröpfchenweise Aktionen, die lediglich in einem sorgenfreien Umfeld erfolgen“.

„Insgesamt hat sich die Weltwirtschaftslage in den letzten Wochen verbessert“, so der Experte von Edmond de Rothschild Asset Management. Chinas Wirtschaft wurde durch das Einschreiten der Regierung wiederbelebt, Europa bisher von einem erwarteten Brexit-Schock verschont und der Ölpreis durch die Zustimmung der Organisation der ölexportierenden Länder (OPEC), die Produktion zu trimmen, gestützt.

Kauf japanischer Aktien

Melman mahnt trotzdem zur Vorsicht in den kommenden Monaten, da politische Ereignisse wie die Wahlen in den USA oder Italiens Referendum für Risiken sorgen könnten.

Aus diesen Gründen sieht das Team von Edmond de Rothschild Asset Management zurzeit Rückenwind bei risikotragenden Anlagen. Die Gewichtung in Aktien, auch aus den Schwellenländern, wurde etwas erhöht. Zudem wurden japanische Aktien gekauft. „Durch ihre letzte Entscheidung, die zehnjährigen Staatsanleihen zu unterstützen, konnte die Bank of Japan die Sackgasse verlassen und baut wieder eine positive Zinskurve auf“, so Benjamin Melman.