Investmentausblick Vier Gründe, weshalb die Eurozone 2015 überraschen wird

Die niedrigen Benzinpreise sorgen für mehr Geld in den Portemonnaies der Verbraucher in der Eurozone. (Foto: Getty Images)

Die niedrigen Benzinpreise sorgen für mehr Geld in den Portemonnaies der Verbraucher in der Eurozone. (Foto: Getty Images)

// //

Die meisten Beobachter sind sich einig: Die Eurozone zeigte sich 2014 weltwirtschaftlich gesehen leistungsschwach. Trotz einer überwältigenden Mehrheit negativer Vorhersagen zum zukünftigen Wirtschaftswachstum, bin ich überzeugt, dass die Eurozone Anleger 2015 positiv überraschen wird. Hier sind vier Gründe dafür:

1. Haushaltspolitische Sparmaßnahmen dürften überstanden sein

Nach der Schuldenkrise, die vor beinahe fünf Jahren begann, waren drastische Maßnahmen erforderlich. Die Sparpläne einiger Mitgliedsstaaten erwiesen sich als äußerst hart. Viele Länder erhöhten die Steuern und senkten die Staatsausgaben. Sie mussten dies tun, wenn sie unter den Rettungsschirm der Europäischen Union und des Internationalen Währungsfonds schlüpfen und Rettungsgelder erhalten wollten. Irland, Spanien und Portugal haben drastische Reformen umgesetzt und versucht, ihre Probleme zu lösen. Sie zeigen meiner Meinung nach eine solide Erholung. Bestes Beispiel hierfür ist das Wachstum des jeweiligen Bruttoinlandsprodukts (BIP) im zweiten und dritten Quartal 2014, das im europäischen Vergleich ganz vorne lag, während Deutschlands BIP am hinteren Ende lag. Diesen Ländern scheint es gut zu gehen. Trotz allem war die Sparpolitik im Großen und Ganzen eine bittere Pille. Erst jetzt können wir beobachten, wie die Länder der Eurozone sich von der Sparpolitik entfernen und sich Investitionen in das BIP-Wachstum zuwenden.

2. Globale Nachfrage nach Produkten der Eurozone ist robust

Die Eurozone ist Heimat zahlreicher Branchen – von deutschen Automobilbauern bis zu niederländischen Herstellern von Elektronikprodukten. Viele der Statusmarken, die die Eurozone produziert, sind nach wie vor weltweit gefragt. Selbst wenn die Schwellenmärkte – insbesondere China – nicht mehr so stark wachsen wie zuvor, werden europäische Produkte hier noch immer nachgefragt.

3. Schwacher Euro könnte Exporte stärken

Der Euro erreichte Anfang Januar 2015 gegenüber dem US-Dollar beinahe den niedrigsten Stand seit neun Jahren. Ein schwacher Euro ist im Allgemeinen gut für die Exporte aus der Eurozone. Denn dadurch werden die Preise von Waren und Dienstleistungen der Eurozone im Weltmarkt viel konkurrenzfähiger. Exporte machen 24 Prozent des BIP der Region aus. Demgegenüber ist die US-Wirtschaft stärker binnenmarktorientiert. Dort machen die Exporte nur 13 Prozent des BIP aus.

Außerdem scheint der Konsens unter Marktbeobachtern zu wachsen, dass der Euro 2015 gegenüber dem US-Dollar weiter abschwächen wird. Ich mache mir normalerweise nichts aus dem Konsens. Aber dieses Mal muss ich zugeben, dass der Euro einer Abwärtsdynamik zu folgen scheint. Ich kann nicht vorhersagen, ob der Euro bei 115 oder 110 enden wird oder sogar gleichauf mit dem US-Dollar. Aber meiner Ansicht nach wird der Euro 2015 weiter verlieren.

4. Niedrigere Benzinpreise sorgen für mehr Geld in den Portemonnaies der Verbraucher

Meiner Meinung nach werden die niedrigeren Benzinpreise Verbrauchern in der Eurozone helfen. Zum einen dadurch, dass sie das reale verfügbare Einkommen erhöhen. Und zum anderen durch die Reduzierung der Inputkosten von Unternehmen. So dürften langfristig die Preise für Waren und Dienstleistungen sinken. Zusammengenommen dürften diese Faktoren auch das BIP-Wachstum deutlich anstoßen. Normalerweise kommt es zu einer zeitlichen Verzögerung – für gewöhnlich vier Quartale – bis die Auswirkungen der niedrigeren Kraftstoffkosten sich im BIP-Wachstum bemerkbar machen. Wir sehen also möglicherweise nicht sofort Resultate.