Investmentkonferenz von Drescher & Cie. Petersberger Treffen: „Als ob im engen Tunnel ein Zug entgegenkommt“

Auf der Vorabendveranstaltung Tacheles diskutierte Veranstalter Björn Drescher (3. v.l.) mit Christian Rieck, Frankfurt School of Applied Sciences, Thomas Mayer, Flossbach von Storch Research Institute, und Thomas Dapp, Deutsche Bank Research (v.l.) | © Drescher & Cie.

Auf der Vorabendveranstaltung Tacheles diskutierte Veranstalter Björn Drescher (3. v.l.) mit Christian Rieck, Frankfurt School of Applied Sciences, Thomas Mayer, Flossbach von Storch Research Institute, und Thomas Dapp, Deutsche Bank Research (v.l.) Foto: Drescher & Cie.

„Antizyklisches Investieren“ war das Thema des diesjährigen Petersberger Treffens, den der Kölner Anbieter für Wirtschafts- und Finanzinformationen Drescher & Cie. alljährlich auf dem nahe Bonn gelegenen Petersberg veranstaltet. Das auf dem Gipfel gelegene Grandhotel beherbergte als Gästehaus der Bundesrepublik Deutschland bereits Staatsgäste aus aller Welt. Für zwei Tage im November gibt es den Köpfen und Themen der deutschen Investmentbranche einen gediegenen Rahmen. Und das bereits zum 18. Mal. „Das Petersberger Treffen wird volljährig“, verkündete Björn Drescher, der die rund 450 Anlageberater, Vermögensverwalter, Banker und professionelle Investoren als Moderator durch die Veranstaltung geleitete.

Ein Abend voller Aha-Effekte:  Über viele Fragen, die die Referenten in den Raum stellten, konnte das Publikum elektronisch abstimmen - und erstaunte mitunter die Referenten

„Tacheles“am Vorabend

Die Vorabendveranstaltung „Tacheles“, traditioneller Auftakt des Treffens, stand in diesem Jahr im Zeichen der großen Branchenthemen Niedrig- und Negativzinsen, disruptive Technologien, aber auch des am Morgen verkündeten Wahlergebnisses aus den USA. Zum Thema „Finanzindustrie von morgen“ diskutierten auf dem Podium die Research-Spezialisten Thomas Mayer vom Flossbach von Storch Research Institute, Thomas Dapp von Deutsche Bank Research und der Finanzprofessor der Frankfurt University of Applied Sciences Christian Rieck. Dieser bescheinigt mit seiner These „Finanzberater sterben aus“ der Branche derzeit eine düstere Zukunft. Die wirklich gefährliche Zeit für Finanzberater breche in den kommenden zwei bis fünf Jahren an: Wer als Berater untätig bleibe, sich entspannt zurücklehne und den Rückgang des Trends abwarten wolle, werde dann von den Innovationen überrollt, mahnte Rieck.

Auf dem zweiten Podium des Abends diskutierte Gastgeber Björn Drescher mit dem ehemaligen CDU-Politiker, Finanzexperten und Aufsichtsratschef bei Blackrock Deutschland, Friedrich Merz, über aktuelle Themen von Steuergesetzgebung, Altersvorsorge, Einwanderung bis zu Sicherheitspolitik. Angesichts des Wahlausgangs solle sich Deutschland nicht von den USA entfernen, mahnte Merz, der auch der Atlantik-Brücke, einem Verein zur Förderung der Beziehungen zwischen Deutschland und den USA, vorsteht. Zudem appellierte Merz an die Finanzindustrie, sich vermehrt anzustrengen, um Kunden als wirkungsvolle Altersvorsorge auch Anlagen am Kapitalmarkt schmackhaft zu machen.

Björn Drescher, Drescher & Cie., begrüßt die Gäste

Die Themen der Veranstaltung

Am folgenden Hauptveranstaltungstag wechselten sich in jeweils 15-minütigen Kurzvorträgen die Investment- und Kapitalmarkt-Spezialisten Hans-Jörg Naumer von AGI, Harald Preißler von Bantleon, Philippe Oddo von Oddo&Cie, Guido Barthels von Ethenea, Simon Lue-Fong von Pictet, Laurentius Harrer von Capital Group, Malek Bou-Diab von Bellevue, William Yuen von Invesco, Ed Cowart von Eagle, Olgerd Eichler von Mainfirst, Dave Dudding von Columbia Threadneedle, Francois Gobron von Generali Investments, J. Henrik Muhle von Gané/Acatis, Andreas Köster von UBS und Alastair Bishop von Blackrock am Rednerpult ab.

Die Referenten der Veranstaltung

Das Rahmenthema „Antizyklik“ stand auch im Zentrum der beiden Podiumsdiskussionen, zu denen alle Portfoliomanager und Research-Spezialisten gemeinsam auf die Bühne gebeten wurden. Ob ein Value-Investor automatisch Antizykliker sei, ob effiziente Märkten überhaupt noch antizyklisches Anlegen erlaubten - und ob die „Mutter aller antizyklischen Strategien“ nicht eigentlich das Rebalancing, also die regelmäßige höhere Nachgewichtung des zuletzt schlechter abschneidende Wertes sei, wollte Drescher von seinen Gästen wissen.

Ein Fazit

Gegen den Strom zu schwimmen, könne auch bedeuten, in einem engen Tunnel auf einen entgegenkommenden Zug zu treffen, fasste Drescher am Ende des Tages zusammen. Der Antizykliker stehe recht einsam da. Er müsse mit Bedacht Titel auswählen, die über solide Fundamentaldaten verfügten und einen positiven Trend erkennen ließen. Antizyklisch könne handeln, wer einen langen Atem und Disziplin besitze und ausreichende Mittel zur Verfügung habe. Nicht zuletzt müssten die Kunden mitziehen und das auf den ersten Blick unpopuläre Handeln unterstützen. Antizyklik sei damit keine Strategie, die aus Prinzip verfolgt werden sollte. Sie sollte immer zielgerichtet eingesetzt werden, zog Dreschers ein Fazit der Veranstaltung.

Das Petersberger Treffen 2017, kündigte der Gastgeber für das kommende Jahr an, werde aufgrund von Umbauarbeiten am Hotel nicht auf dem Petersberg stattfinden. Der Veranstaltungsort wird vom Veranstalter rechtzeitig bekannt gegeben.