Investments im Gesundheitsbereich Wechselwirkungs-Check für Anleger

Zusammenkunft der Spitzen von US-Pharmakonzernen und Donald Trump im Weißen Haus im Januar 2017: Mehrere Faktoren sprechen für einen positiven Ausblick des US-Healthcare-Sektors  | © Getty Images

Zusammenkunft der Spitzen von US-Pharmakonzernen und Donald Trump im Weißen Haus im Januar 2017: Mehrere Faktoren sprechen für einen positiven Ausblick des US-Healthcare-Sektors Foto: Getty Images

Risiken und Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen: Anleger, die im Pharma- und Gesundheitssektor investiert sind, wissen inwieweit veränderte politische Grundsätze und Prioritäten sich auf ihre Assets auswirken können. Im Sog des US-Präsidentschaftswahlkampfes 2016 wurden Themen wie etwa die Kosten im Gesundheitswesen oder auch die Preisgestaltung bei verschreibungspflichtigen Medikamenten kontrovers diskutiert. Derzeit macht sich die Regierung unter Donald Trump daran, die eigene Gesundheitsagenda durchzusetzen.

Im bisherigen Jahresverlauf haben der Gesundheits- und der Biotechnologiesektor die vorherrschende Unsicherheit noch abschütteln können. Aber sind die Anleger möglicherweise zu zuversichtlich? Meines Erachtens lässt sich das Verhalten von Medikamenten sehr viel besser vorhersagen als das von Politikern. Allerdings gibt es auch mehrere Faktoren, die für einen positiven Ausblick des Marktes sprechen.

Trump-Wahl stützt Biotechnologie- und Pharmabranche

Die Republikaner attackieren Obamacare inzwischen seit sieben Jahren. Während des Wahlkampfes haben sie immer wieder versprochen, das Gesetz aufzuheben. Branchenkenner vermuten, dass Präsident Trump die Einsparungen durch das aufgehobene oder umgeformte Gesundheitsgesetz nutzen will, um eine Steuerreform zu finanzieren – sie würde aller Wahrscheinlichkeit nach auf mehr Zuspruch stoßen. Somit wirken sich Verzögerungen bei der Verabschiedung von Trumps Gesundheitsreform auch auf andere legislative Pläne aus. Unsere Einschätzung: Wir können uns kaum vorstellen, dass Obamacare bis Ende des Jahres außer Kraft gesetzt oder von einem neuen Versicherungsmodell abgelöst wird.

Trotz dieser Unsicherheiten haben der Gesundheits- und der Biotechnologiesektor seit den im November abgehaltenen US-Präsidentschaftswahlen zulegen können. Hintergrund ist die Niederlage der demokratische Kandidatin Hillary Clinton: Sie hatte die hohen Kosten vieler verschreibungspflichtiger Medikamente zu einem zentralen Thema ihres Wahlkampfes gemacht. Hätte sie die Wahl gewonnen, wären wohl Gesetze auf den Weg gebracht worden, die die Preise gedeckelt und den Pharmasektor belastet hätten.

Die Republikaner hatten sich gegen Änderungen an der Preisgestaltung für Arzneimittel ausgesprochen. Durch den Wahlsieg Trumps ist die Wahrscheinlichkeit belastender legislativer Maßnahmen zur Steuerung der Medikamentenpreise deutlich zurückgegangen. Dieser Befund wird auch insbesondere von der Tatsache gestützt, dass die Republikaner sowohl die Kontrolle über das Repräsentantenhaus als auch den Senat haben.

Infolgedessen ist die Pharma- und Biotechnologiebranche weiterhin auf Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten fokussiert, um Medikamente zu finden, die neue oder stark verbesserte klinische Behandlungsmöglichkeiten bieten.

Trumps Steuerreform würde Mehrwert für Aktionäre erschließen

Wir gehen davon aus, dass eine Steuerreform das nächste große legislative Thema in den USA sein wird. Kommt die Steuerreform, hätte sie Auswirkungen auf den Biotechnologiesektor. Hierbei gilt: Die Körperschaftsteuersätze der meisten profitablen Biotechnologieunternehmen liegen bereits bei etwa 20 bis 25 Prozent, sodass eine geplante Senkung der Körperschaftsteuer keine enorme Veränderung darstellen würde.

Rückenwind dürfte stattdessen von einer anderen Seite kommen: Trump hat Steuervergünstigungen für liquide Mittel im Ausland vorgeschlagen. US-Unternehmen hätten damit Anreize, diese Mittel in die USA zurückzuführen und für Investitionen in das eigene Geschäft zu verwenden. Die Mittel könnten dafür eingesetzt werden, um Mehrwert für die Aktionäre zu schaffen; etwa über Aktienrückkäufe, Dividenden oder – worauf wir insbesondere hoffen – Fusionen und Übernahmen. Letzteres bietet auf verschiedene Weisen einen Mehrwert. Zum einen erlauben sie größeren Unternehmen, ihre Pipeline mit neuen Produkten und innovativen Ideen zu füllen. Kleinere Unternehmen wiederum erhalten Zugang zu Expertise und Kapital sowie personellen Ressourcen etablierter Unternehmen, um ihre Vertriebstätigkeit zu verstärken.

Seitens der Regulierung keine Überraschungen zu erwarten

An der regulatorischen Front erwarten wir in dieser Hinsicht keine deutlichen Änderungen seitens der neuen US-Regierung. Wir gehen davon aus, dass Scott Gottlieb, neuer Leiter der Food and Drug Administration (FDA), positiven Einfluss nicht nur auf die FDA, sondern auch auf den Pharma- und Biotechnologiesektor insgesamt haben wird. Die FDA arbeitet nach wie vor eng mit der Branche zusammen und scheint sich mehr denn je darauf zu konzentrieren, Patienten wichtige neue Medikamente schnell zugänglich zu machen.

Für Investments in die Pharma- und Biotechnologiebranche sprechen auch weitere übergeordnete Trends: Einer davon betrifft die demografische Entwicklung. Die Weltbevölkerung altert insbesondere in den Industrieländern. Zahlungskräftige ältere Menschen nehmen deutlich mehr Produkte und Dienstleistungen zur Gesundheitsvorsorge in Anspruch als jüngere Generationen.