Investments im Niedrigzinsumfeld Wie Anleger auf wissenschaftlich belegte Risikofaktoren setzen

Dag Rodewald, Leiter Vertrieb UBS ETFs in Deutschland bei UBS Asset Management

Dag Rodewald, Leiter Vertrieb UBS ETFs in Deutschland bei UBS Asset Management

Lange Zeit war Geldanlage für professionelle Investoren ein vergleichsweise unkompliziertes Unterfangen: Über Jahrzehnte hinweg kannten die Zinsen nur eine Richtung: nach unten. Im Gegenzug stiegen die Kurse von Anleihen über den gesamten Markt hinweg – und Anleihe-Portfolios lieferten quasi von allein attraktive Erträge.

Inzwischen scheint der Spielraum für weitere Kursgewinne nach diesem Muster allerdings begrenzt: Die durchschnittliche Rendite im Staatsanleihen-Barometer Barclays Global Treasury Index liegt bei lediglich 0,63 Prozent, die von zehnjährigen deutschen Bundesanleihen und Schweizer Anleihen sogar im negativen Bereich.

Anleger stehen vor Dilemma 

Gleichzeitig legen die Lage der globalen Wirtschaft, die Vielzahl politischer Risiken am Horizont – man denke an den Brexit oder die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten – sowie die fortwährend lockere Politik der Notenbanken allerdings auch nahe, dass auch steigende Zinsen und damit höhere Erträge für neue Investitionen auf Sicht unwahrscheinlich sind.

Wie können Anleger auf dieses Dilemma reagieren? Prinzipiell stehen ihnen vor allem zwei Optionen zur Verfügung, um strategisch auf die womöglich lang anhaltend niedrigen Zinsen zu reagieren: Sie können am Anleihemarkt nach höher verzinslichen Alternativen Ausschau halten, und sie können ihr Engagement am Aktienmarkt verstärken.

Schwellenländer attraktiv

Bei Anleihe-Investments nehmen viele Investoren daher verstärkt Hochzins-Unternehmensanleihen (High Yield Bonds) und Staatsanleihen aus Schwellenländern in den Fokus. Sie bieten nach wie vor vergleichsweise attraktive Renditen, die sogar im Bereich ihrer historischen Mittelwerte (Median) von 4 bis 6 Prozent liegen.

Damit schneiden sie auch im direkten Vergleich mit Investmentgrade-Unternehmensanleihen gut ab: US-High-Yield-Anleihen beispielsweise bieten im Durchschnitt eine Verfallrendite von knapp 7 Prozent. Bei paneuropäischen Hochzinsanleihen liegt die Rendite immerhin bei rund 4 Prozent. Und auf Hartwährung lautende Staatsanleihen von Schwellenländern weisen im Mittel eine Rendite von 4,7 Prozent auf.

Bezieht man auch den Aspekt des Anlagerisikos in die Betrachtung ein, erscheinen Schwellenländer-Anleihen gegenwärtig allerdings attraktiver, denn sie weisen unter dem Strich eine bessere Bonität auf. Mehr als die Hälfte der Emerging-Markets-Staatsanleihen (52 Prozent) verfügt über ein Investment-Grade-Rating. Darüber hinaus sind sie auch besser handelbar als High Yield Bonds – dies ist gerade in schwierigen Phasen an den Märkten ein nicht zu unterschätzendes Argument.