Investments in kommunale US-Infrastrukturanleihen „Der Weg zu Anlagechancen führt über sanierte Brücken“

Christine Todd, CFA, ist President und Managing Director of U.S. Municipal Debt and Insurance Strategies bei Standish, eine Boutique von BNY Mellon Investment Management. Todd ist seit 1995 für Standish tätig. Der weltweit fünftgrößte Verwalter von Strategien für US-Kommunalobligationen betreut in diesem Segment Anlagegelder in Höhe von mehr als 27 Milliarden US-Dollar.

Christine Todd, CFA, ist President und Managing Director of U.S. Municipal Debt and Insurance Strategies bei Standish, eine Boutique von BNY Mellon Investment Management. Todd ist seit 1995 für Standish tätig. Der weltweit fünftgrößte Verwalter von Strategien für US-Kommunalobligationen betreut in diesem Segment Anlagegelder in Höhe von mehr als 27 Milliarden US-Dollar.

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DASINVESTMENT.COM: Frau Todd, jüngst hat BNY Mellon Investment Management den BNY Mellon U.S. Municipal Infrastructure Debt Fund aufgelegt. Infrastruktur ist zu einem sehr wichtigen Investmentthema geworden. Wo sehen Sie die Hintergründe?

Christine Todd: Der Blick auf die USA zeigt: Die Infrastruktur ist dem Verfall geweiht. Die hiesige Infrastruktur ist nicht modern und wettbewerbsfähig, sondern ganz im Gegenteil: Sie ist zu einer Gefahr für die Menschen geworden. Der desolate Zustand der Infrastruktur in den USA ist letztlich durch den Wahlkampf von Donald Trump und seine politischen Pläne zum Thema geworden. Viele Wähler sehnen sich nach einer Abkehr von der strengen Austeritäts-Politik, den intensiven Sparanstrengungen der Regierung, die mit der Finanzkrise einsetzten. Im vergangenen Jahr haben wir  im Sog der Präsidentschaftswahlen die mit Vehemenz vorgetragenen Forderungen der Wähler nach Investitionen in die Infrastruktur erlebt. Der Verband US-amerikanischer Ingenieure hat errechnet, dass wir bis 2025 rund 4,6 Billionen US-Dollar benötigen, um die schlimmsten Mängel zu beseitigen und die Infrastruktur so zu modernisieren, dass keine Menschenleben gefährdet sind.

Seit dem Zweiten Weltkrieg lagen die Infrastruktur-Investitionen in den USA nicht mehr auf einem so niedrigen Niveau wie derzeit. Vor diesem Hintergrund steckt die für die Konjunktur wichtige Bauindustrie in einer traurigen Lage. Die Politik will jetzt die nötigen Hebel in Bewegung setzen, um Abhilfe zu schaffen.  Aus Investorensicht ergeben sich damit Chancen aus kommunalen US-Infrastrukturanleihen. Dieser öffentliche Markt bietet meist höhere Nominalrenditen als vergleichbare Staatsanleihen und weist niedrigere Ausfallquoten und eine geringere Preisvolatilität auf als vergleichbare Unternehmensanleihen. Es handelt sich um einen robusten, breit diversifizierten Markt.

Können Sie Beispiele für Ihre Investments in Infrastruktur nennen?

Besonders wichtig sind für uns Wasser, Abwasser, Elektrizität, also ganz generell der Versorgungssektor. Darüber hinaus nehmen wir natürlich auch etwas weniger essenzielle, aber doch ebenfalls sehr wichtige Wirtschaftszweige in den Blick. Der Weg zu Anlagechancen führt über moderne Flughäfen, sanierte Schulen, Krankenhäuser, Mautstraßen, Autobahnen und Brücken – alle diese Infrastrukturen werden mittels kommunaler US-Anleihen finanziert. Insgesamt 80 Prozent des Kapitals für den Betrieb und die Entwicklung der Infrastruktur in den USA wird durch kommunale US-Infrastrukturanleihen in den einzelnen Bundesstaaten aufgebracht.

Für die Verbriefungen bürgen entweder die einzelnen Bundesstaaten oder die Städte und Kommunen, die die aufgenommenen Summen aus Steuermitteln zurückzahlen. Was wir aus Investment-Gesichtspunkten für noch interessanter halten, sind Revenue Bonds, also Anleihen, die mit Einnahmen aus Maut, Pacht und anderen Gebühren bedient werden.

Wann sollten Anleger investieren? Sollten sie zunächst einmal die Umsetzung der Infrastrukturmaßnahmen der Trump-Regierung abwarten?

Der richtige Zeitpunkt für Investments ist jetzt. Wir wissen: Es besteht Unsicherheit, ob Donald Trump mit seinen Plänen Erfolg haben wird. Für uns ist Trumps politischer Erfolg jedoch nicht unbedingt ausschlaggebend. Wichtiger ist für uns die Frage: Stellen seine Infrastrukturpläne für den Markt der - in der Regel steuerbefreiten - kommunalen US-Infrastrukturanleihen eine Bedrohung dar? Die Antwort liegt auf der Hand: nein. Seine geplanten Maßnahmen sollen die bereits bestehenden Infrastrukturprojekte flankieren. Trump schlägt vor, jährlich 100 Milliarden US-Dollar, insgesamt 1 Billion, aus dem laufenden Haushalt in Washington in den Markt zu geben.

Die von der US-Regierung in den 1980er Jahren verabschiedete Steuerbefreiung von Anleihen, mit denen rein öffentliche Güter finanziert werden, soll beibehalten werden. Schließlich sind mehr als 65 Prozent des Gesamtbetrags der US-Kommunalanleihen entweder direkt oder über Anlagefondsprodukte im Besitz von Privatpersonen. 30 Prozent halten Institutionen wie Versicherungsgesellschaften oder Banken.

100 Milliarden US-Dollar – das ist in etwa so viel, wie China für ähnliche Zwecke in einem Monat ausgibt…

… das stimmt, aber wir müssen hier die stimulierende Breitenwirkung ins Auge fassen, die mit diesem Geld zusammenhängt. Natürlich ist die Frage: Wann kommt es zur Umsetzung von Trumps Plänen? Aber für uns gilt: Trumps angekündigte Infrastrukturmaßnahmen können eine Stärkung für den Markt kommunaler US-Anleihen bedeuten. Wir hoffen deshalb, dass Trumps Vorschläge erfolgreich umgesetzt werden können.

Angesichts von Trumps Haushaltsplänen fragen sich viele Marktbeobachter, wie die Finanzierung gestemmt werden soll. Welche Risiken sehen Sie für Kommunalobligationen?

Es gibt die Befürchtung, dass Trumps geplante Steuererleichterungen – sowohl für die Verbraucher als auch für die Unternehmen – den Markt kommunaler US-Anleihen unter Druck bringen, weil Infrastrukturprojekte durch das dann niedrigere Steueraufkommen nicht mehr vollumfänglich abgesichert werden können und die Anleihen im Wert verlieren. Doch hierzu wird es nicht kommen. Der Blick in die Vergangenheit zeigt: Frühere Steuererleichterungen haben nicht zu einem Wertverlust von kommunalen Obligationen geführt.

Es gibt Sorgen, aber dennoch stellen die Investoren Kapital bereit?

Sehen Sie: Die Geldgeber können mit wiederkehrenden, hohen Erträgen bei gleichzeitig zu vernachlässigender Volatilität rechnen. Zugleich bietet diese Asset-Klasse ein Höchstmaß an Sicherheit. Und Trump hat seinen Wählern, die nicht selten US-Kommunalobligationen halten, versprochen, bei den Steuererleichterungen mit Umsicht vorzugehen.

Bislang haben sich für diese speziellen US-Anleihen vorrangig Anleger aus den USA interessiert. Warum will Standish kommunale US-Anleihen nun auch ausländischen Investoren zugänglich machen?

Das ist der Punkt, warum ich auf diese Investment-Konferenz hier in London eingeladen bin. Die Relevanz dieses Marktsegments der Infrastrukturanleihen hat sich beträchtlich erhöht und wird nun auch in Europa und Asien interessant – nicht zuletzt wegen des Income-Charakters und der willkommenen Diversifikation in Zeiten, in denen die Anleger händeringend nach Rendite und zum Aktienmarkt unkorrelierten Assets suchen.

Wie reagieren deutsche Investoren auf Ihren Investment-Ansatz?

In Deutschland stoßen wir überall auf offene Ohren. Das Zinsniveau ist hier sehr niedrig, aber auch die Risikoneigung der Deutschen ist nicht sehr ausgeprägt. Unsere Anlageklasse verspricht eine gute Rendite bei geringem Risiko. Vor allem deutsche Versicherungsunternehmen halten die Anlageklasse für sehr interessant; nicht zuletzt, weil Infrastrukturinvestitionen den veränderten Kapitalanlagestrategien unter den Solvency-II-Regelungen entsprechen. Darüber hinaus zeigen Pensionskassen und Finanzintermediäre großes Interesse.