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04.09.2009 10:21
Rubrik: Fonds

Merck-Finck-Fondsmanager Jürgen Böhlen: „Wir haben die Aktienquote angehoben“

Jürgen Böhlen

Jürgen Böhlen betreut bei der Münchner Privatbank Merck Finck den Vario Aktien Renten UI. Der Mischfonds, der nach einem mechanischen Allokationsmodell gesteuert wird, hat das Jahr 2008 nahezu ohne Verlust abgeschlossen. Mit DAS INVESTMENT.com sprach der Teilnehmer an der Deutschen Fondsliga über Trendwetten im Fußball und an der Börse und seine jüngsten Umschichtungen

DAS INVESTMENT.com: Hätten Sie Wetten darauf abgeschlossen, dass Ihr Lieblingsclub Bayern München am vergangenen Wochenende so souverän gegen den amtierenden Deutschen Meister VfL Wolfsburg gewinnt?

Jürgen Böhlen: Ich bin zwar quasi seit Geburt Fan der Bayern, aber das hätte ich vermutlich nicht. Dafür hat die Mannschaft zuvor gegen Bremen und in Mainz zu schlecht gespielt.

DAS INVESTMENT.com: Das System, das Ihrem Fonds zugrunde liegt, hätte vermutlich dem gerade aktuellen Trend folgend eiskalt auf Wolfsburg getippt - und prompt verloren.

Böhlen: Das stimmt, aber das ist eher die Ausnahme. Die meisten Verluste an der Börse entstehen, weil menschliche Emotionen im Spiel sind. Die schalten wir systematisch aus, und dabei sprechen die in der Vergangenheit erzielten Ergebnisse für sich. Im Kalenderjahr 2008 beispielsweise verlor der Merck Finck Vario Aktien Renten UI lediglich 0,69 Prozent an Wert. Und eine Rückrechnung bis ins Jahr 1990 ergibt, dass wir mit unserem Ansatz pro Jahr eine Rendite von 10,65 Prozent erzielt hätten, gegenüber 6,77 Prozent im Euro Stoxx 50 und 6,63 Prozent im Rentenindex iBoxx Sovereign Eurozone.

DAS INVESTMENT.com: Im vergangenen Jahr kam Ihnen entgegen, dass die Börse bereits im Januar den Rückwärtsgang eingelegt hat und die zunächst 50prozentige Aktienquote Ihres Fonds dadurch bereits Anfang Juli auf weniger als 10 Prozent zusammengeschmolzen war. Wie schwer ist es Ihnen angesichts der damals vorherrschenden Weltuntergangsstimmung gefallen, die Ende Dezember bei nahezu Null angekommene Quote zum 1. Januar 2009 turnusgemäß wieder auf 50 Prozent anzuheben?

Böhlen: Einerseits sehr leicht, weil wir uns beim Merck Finck Vario Aktien Renten UI eben nicht von äußeren Einflüssen verrückt machen lassen, sondern strikt die Vorgaben des Systems umsetzen. Andererseits war die Hürde psychologisch dennoch sehr hoch. Das haben wir bei einigen institutionellen Mandaten zu spüren bekommen, die wir nach dem gleichen Prinzip verwalten. Dort haben die Kunden darauf bestanden, mit einem niedrigeren Aktienanteil ins neue Jahr zu starten. Doch auch wenn diese Entscheidung rückblickend betrachtet richtig war, so halte ich doch das aus antizyklischen Überlegungen heraus eingesetzte Instrument der jährlichen Rebalancierung für extrem sinnvoll. Es sichert nicht nur die Gewinne in der jeweils besser gelaufenen Anlageklasse Aktien oder Renten, sondern senkt auch die Gefahr, von einem früher oder später einsetzenden Trendwechsel völlig auf dem falschen Fuß erwischt zu werden.

Von: Egon Wachtendorf

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