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27.10.2009 15:27
Rubrik: Fonds

Unternehmensanleihen: „Im historischen Vergleich ist Qualität noch recht günstig“

Stephan Kuhnke

71 Prozent Gewinn seit Jahresbeginn brachten Euro-Hochzinsanleihen. Mit Investment-Grade-Papieren waren immerhin mehr als 13 Prozent drin. Gibt es bei Unternehmensanleihen (englisch: Corporate Bonds) nun die nächste Spekulationsblase? Nein, sagt Stephan Kuhnke, Vorstand Anlagemanagement beim Anleihespezialisten Bantleon. Im Gespräch mit DAS INVESTMENT.com schildert er seine Argumente.

DAS INVESTMENT.com: Herr Kuhnke, in letzter Zeit war mit Unternehmensanleihen ganz schön viel los.

Stephan Kuhnke: Absolut. Der Markt hat eine 180-Grad-Wende vollzogen. Wenn Sie Anfang des Jahres Anleihen verkaufen wollten, haben 13 von 15 Brokern abgelehnt. Heute kriegen Sie selbst kaum noch Anleihen zu kaufen. Bei manchen Neuemissionen dauert die Platzierungsphase nur noch eine Stunde.

DAS INVESTMENT.com: Wie lange dauerte das denn früher?

Kuhnke: Normal waren eher ein paar Tage.

DAS INVESTMENT.com: So ein Nachfragewahnsinn klingt schon fast wieder nach einer Spekulationsblase.

Kuhnke: Soweit ist es noch nicht. Der Markt ist vielmehr in der Endphase einer Normalisierung. Im historischen Vergleich ist Qualität aber noch recht günstig bewertet.

DAS INVESTMENT.com: Trotz dieser irren Nachfrage?

Kuhnke: Ja, denn das Angebot hat sich ebenfalls extrem ausgeweitet. Wir hatten bis Ende September schon so viele Neuemissionen wie in keinem Gesamtjahr zuvor.

DAS INVESTMENT.com: Warum ist das so?

Kuhnke: Die Unternehmen umgehen damit die Kreditklemme. Hausbanken verweigern ihnen Kredite, also holen sie sich das Geld bei den Anlegern am Kapitalmarkt. Und die Hausbank leitet das ganze Geschäft ins Investmentbanking um, denn das bringt die Anleihe an den Markt.

DAS INVESTMENT.com: Wer sagt eigentlich, dass die hohe Nachfrage nach solchen Papieren weiter anhält?

Kuhnke: Garantieren kann das sicherlich niemand. Aber es spricht einiges dafür. Die positiven Überraschungen aus der Wirtschaft haben für etwas Optimismus gesorgt. Deshalb nimmt die Risikoneigung der Investoren zu. Doch durch die extrem niedrigen Zinsen der Zentralbanken und die niedrigen Renditen von Staatsanleihen gibt es kaum Alternativen. Die absoluten Ertragsziele einiger institutioneller Investoren können nur mit risikobehafteten Assets wie zum Beispiel Unternehmensanleihen erreicht werden. In der Folge bleibt die Nachfrage nach Unternehmensanleihen hoch.

DAS INVESTMENT.com: Und was kaufen Sie in diesem Segment?

Kuhnke: Weil bei uns der Kapitalerhalt an erster Stelle steht, engagieren wir uns nur in Anleihen von Schuldnern im Investment-Grade-Bereich. Hier mögen wir unter den defensiven Titeln die nichtzyklischen Werte wie Versorger, Telekom-Anleihen und einzelne Tabak-Unternehmen. Da wir aber auch die Konjunkturaussichten weiter positiv beurteilen, haben wir auch Konsum-, Auto- und Rohstoffanleihen im Portfolio unserer Fonds wie zum Beispiel dem Bantleon Yield. Ich denke, hier werden sich die Risikoaufschläge weiter einengen und die Papiere so gegenüber risikofreien Anlagen an Wert gewinnen.

Von: Andreas Scholz

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