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Wo haben beliebte Fonds aus stark nachgefragten Anlagekategorien Stärken und Schwächen, und wie sind ihre Manager aktuell aufgestellt? Wir geben die Antworten!

16.03.2010 15:43
Rubrik: Fonds

Osteuropa-Experte Martin Hrdina: „Für ein radikal-defensives Portfolio sehen wir zurzeit keinen Anlass“

Martin Hrdina

In der vergangenen Dekade schnitten Osteuropa-Fonds am besten ab. Auch 2009 konnten sich Fondsmanager, die in Russland & Co. investierten, über hübsche Renditen freuen. Warum Russland der stärkste osteuropäische Markt bleiben wird und was das Land außer Öl und Gas noch zu bieten hat, erklärt Martin Hrdina, Manager des Osteuropa-Aktienfonds Deka Convergence Aktien (WKN 940541), im Gespräch mit DAS INVESTMENT.com.

DAS INVESTMENT.com: Mit einer Wertsteigerung von knapp 88 Prozent haben Sie im vergangenen Jahr den Vergleichsindex um rund 11 Prozent geschlagen. Welcher Markt war der größte Performancetreiber?

Martin Hrdina: Russland. Das Land ist in unserem Portfolio übergewichtet, sein Öl- und Gas-Sektor hingegen untergewichtet.

DAS INVESTMENT.com: Russland ohne Gazprom und Lukoil? Warum?

Hrdina: Der russische Staat ist stark von den Gewinnen der Öl- und Gas-Industrie abhängig. Diese Gewinne werden stark besteuert. Aus politischer Sicht ist das natürlich verständlich. Doch als Aktionär interessiert uns der freie Cashflow, der bei russischen Öl- und Gas-Firmen weggesteuert wird. Auch die hohen Produktionskosten sowie die Investitionen in neue Projekte wirken sich negativ auf die Dividendenzahlungen aus. Wir kaufen daher lieber Werte, die nur indirekt vom Öl- und Gas-Sektor profitieren.

###BOX_6###

DAS INVESTMENT.com: Was hat Russland denn außer Gazprom, Lukoil und Sberbank zu bieten?

Hrdina: Zum Beispiel Stahlwerte, die vom Ölgeld indirekt profitieren. So kommt beispielsweise Firmen, die den Bauträger Langstahl herstellen, die allmähliche Baukonjunktur-Erholung zugute. Zudem wird der Bauträger vom Wachstumsmarkt China stark nachgefragt. Auch Konsumwerte erscheinen uns zurzeit interessant. Nur ist das Angebot an hochwertigen russischen Konsumwerten leider sehr begrenzt.

DAS INVESTMENT.com: Mal brechen sie massiv ein, dann gibt es wieder eine Kursverdopplung: Russlands Märkte waren in letzter Zeit sehr volatil. Ist Russland im Jahr 2010 überhaupt noch der führende Markt in Osteuropa?

Hrdina: Wenn ich von meinem Portfolio ausgehe, dann ja. Denn wir haben drei große geografische Positionen, die im Portfolio vertreten sind: die Türkei, Zentraleuropa und Russland. In der Türkei hat sich bisher noch kein einheitlicher Markt gebildet. Durch die massiven Zinssenkungen schnitten im vergangenen Jahr die Bankentitel, die den größten Teil des türkischen Investmentmarkts ausmachen, zwar gut ab. Auch die Bewertungen sind für Investoren attraktiv. Andererseits könnten die Zinsenerhöhungen die Marktmeinung negativ beeinflussen. Ob sich der Markt also auf die günstigen Bewertungen oder die steigenden Zinsen konzentrieren wird, kann ich jetzt noch nicht abschließend beantworten. Zentraleuropa haben wir stark untergewichtet. Schließlich sind die zentraleuropäischen Staaten im Wesentlichen auf Westeuropa angewiesen – eine Region, der wir derzeit kaum positiv gegenüberstehen. Russland hingegen profitiert dank seinem Reichtum an Rohstoffen vom Wachstum Chinas, das die Rohstoffpreise kontinuierlich in die Höhe treibt.

DAS INVESTMENT.com: Und wie geht es weiter?

Hrdina: Russland wird sich auf lange Sicht nicht von den globalen Märkten – allen voran den USA, aber auch China – abkoppeln können. Die entwickeln sich momentan zwar positiv, ob das auch in drei Monaten noch der Fall sein wird, ist fraglich. Es gibt viele Indizien, die dagegen sprechen: beispielsweise die Probleme in Europa, die Fragilität der weltweiten Konjunkturerholung, die zu einem großen Teil auf staatliche Maßnahme zurückzuführen ist oder die Zinserhöhungen in China, die die Rohstoffnachfrage belasten könnten. Mein Optimismus hält sich also in Grenzen. So haben wir zwar in letzter Zeit unseren Schwerpunkt von zyklischen hin zu defensiven Werten verschoben, sind aber nach wie vor voll investiert. Für ein radikal-defensives Portfolio sehen wir zurzeit keinen Anlass.

Von: Svetlana Kerschner

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