„Die wenigsten Banken wollen Reeder werden“

Die Sicherheit für Schiffshypotheken sind die
Schiffe selbst. Auch in der Krise werde die wenigsten
Banken sie an die Kette legen wollen.
Als ob es derzeit nicht genug schlechte Nachrichten aus den Schiffsmärkten gäbe, werden jetzt so genannte Fire Sales vermeldet – Schiffe, die deutlich unter Wert verkauft werden. Droht Anlegern jetzt Ungemach seitens der Banken?
Zur Debatte hatte etwa der Verkauf des Fondsschiffs MS Champion, emittiert von Gebab, gestanden. Das Containerschiff, das im vergangenen Jahr noch 25 Millionen US-Dollar wert gewesen sein soll, stand zwischenzeitlich für 12 Millionen US-Dollar zum Verkauf. Aktuell ist der Verkauf zwar wieder vom Tisch. Doch Lloyd´s List vermeldet Verkäufe 50 bis 60 Prozent unter dem Wert, der den Schiffen im Vorjahr zugeschrieben worden war.
Das Problem: Werden die Schiffe auf so niedrigem Niveau verschleudert, könnte man annehmen, das dies der tatsächliche Marktwert dieser Schiffe ist. Ob das wirklich so ist, welche Auswirkungen das für den Markt und die Schiffsfonds hätte, darüber sprach DASINVESTMENT.com mit Sönke Fanslow, Vorstand der Hansa Treuhand.
DASINVESTMENT.com: Sind die Schiffsmärkte tatsächlich in so einem desolaten Zustand, wie die vereinzelt vermeldeten Verkäufe suggerieren?
Sönke Fanslow: Sie sagen es selbst – es sind vereinzelte Verkäufe. Tatsächlich haben wir keinen funktionierenden Markt, der Rückschlüsse auf den wirklichen Schiffswert zuließe. Verkäufer und Käufer kommen nicht immer auf Augenhöhe zusammen. Was nicht zwingend heißt, dass alle so genannten Fire Sales, die wir sehen, bedeuten, dass das Schiff notleidend ist. Hansa Treuhand hat kürzlich zwei Containerschiffe günstig kaufen können, weil sich der Verkäufer auf sein Kerngeschäft konzentrieren will. Für die von uns gezahlten rund 19 Millionen Dollar je Schiff würde wohl die Mehrzahl der Schiffseigner ihre Schiffe nie und nimmer verkaufen. Das sind Sondersituationen, aber kein Markt.
DASINVESTMENT.com: Wenn der Schiffswert nicht vom Markt gemacht wird, wie dann?
Fanlsow: Die Vereinigung Hamburger Schiffsmakler und Schiffsagenten (VHSS) hat gemeinsam mit deutschen Reedern, Schiffssachverständigen und Schiffsbeleihungsbanken ein neues Modell zur Bewertung entwickelt, das in Krisenzeiten wie diesen zum Einsatz kommen soll. Es basiert im Wesentlichen auf einer langfristigen Ertragsbetrachtung. Damit wird versucht, einen nachhaltigen Wert zu ermitteln, da die wenigen Transaktionen nicht als repräsentative Basis für eine Marktwertermittlung nach dem Vergleichswertverfahren herangezogen werden können.




















Noch keine Kommentare vorhanden.
Kommentar schreiben