Willkommen im 21. Jahrhundert
Klimawandel an den Kapitalmärkten: Statt Business as usual wird umwelt und sozialverträgliches Wirtschaften an den Börsen belohnt. Das ist keine Modeerscheinung, sondern ein langfristiger Trend.
„Die Umstrukturierung der Weltwirtschaft nach ökologischen Gesichtspunkten bietet eine der größten Investitionsmöglichkeiten aller Zeiten“, sagt Lester Brown, Vordenker der US-Umweltbewegung, Gründer und Chef des Earth Policy Institute. Wie sich Brown den Umbau vorstellt, hat er in seinem neusten Buch „Plan B 3.0: Mobilisierung zur Rettung der Zivilisation“ formuliert.
Vier Zielen kommt dabei eine besonders große Bedeutung zu: der Stabilisierung des Klimas und des Bevölkerungswachstums, der Bekämpfung der Armut und der Wiederherstellung der Ökosysteme. Von einer Utopie ist sein Anliegen weit entfernt. Ob in Funk und Fernsehen, Print oder Podcast: Klimakatastrophen, Hungersnöte und hohe Energiepreise sind derzeit allgegenwärtig und machen deutlich, wie dringend der Wirtschaftswandel ist.
Die dritte industrielle Revolution und das zweite Wirtschaftswunder
Das Gute daran: Die nötigen Werkzeuge zur Umstrukturierung der weltweiten Energiewirtschaft und zur Stabilisierung des Klimas gibt es bereits. Unter dem recht vagen Begriff Umwelttechnologie, englisch Cleantech, wird branchenübergreifend alles gehandelt, was hilft, Luft, Boden und Wasser vor schädlichen Einflüssen zu schützen oder Schäden zu minimieren. Solar, Windkraft, alternative Treibstoffe, Recycling oder Wasseraufbereitung sind nur einige Bereiche, die dazuzählen.
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel hat bereits eine dritte industrielle Revolution und ein zweites Wirtschaftswunder für Deutschland und Europa vorausgesagt. Die Umwelttechnikbranche werde in wenigen Jahren zur neuen Leitindustrie der Welt, ist sich Gabriel sicher. Der Umbruch macht sich bereits im Zentrum des Internet-Booms bemerkbar: Das amerikanische Silicon Valley wird zum grünen Tal. Firmen, die sich dem Umweltschutz verschrieben haben, schießen wie Pilze aus dem Boden. Sie werden mit Start- und Beteiligungskapital nur so überschwemmt.
Investorenlegende John Doerr hat bereits vor fünf Jahren zum ersten Mal investiert. Der Partner des US-Risiko-Kapitalgebers Kleiner Perkins Caufield & Byers hat schon Firmen wie Google und Amazon auf die Startbahn geholfen. Angst vor dem Aufbau einer Blase wie in Dotcom-Zeiten gibt es nicht. Schließlich werden keine Zukunftsfantasien gehandelt, sondern das Überleben der Menschheit. Internet und Cleantech sind zwei ganz verschiedene Welten. Kein Vergleich, meint auch Doerr.


















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