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08.05.2009 13:05
Rubrik: Märkte

Verkaufen oder kaufen: Was ist dran an der Mai-Weisheit?

Conrad Mattern

Alle Jahre wieder fragen sich Anleger im fünften Monat des Jahres, ob sie Ihre Schäfchen ins Trockene bringen sollen, um erst wieder nach dem Sommerloch im September an die Börse zurückzukehren. DAS INVESTMENT.com fragte Conrad Mattern, Experte im Bereich Fundamentalanalyse und Behavioral Finance, ob die Regel auch diesmal gilt und was von anderen schlauen Börsenweisheiten zu halten ist.

DAS INVESTMENT.com: Herr Mattern, der Mai ist gekommen, die Kurse steigen hoch: Ist es an der Zeit, der Börse den Rücken zu kehren, um im September wieder einzusteigen – „Sell in May and go away“ ?
 
Conrad Mattern:  Darüber reden gerade zu viele. Und wenn viele über ein Börsenthema reden, dann kommt es meist nicht. Derzeit ist eine Korrektur überfällig, aber kaum jemand ist schon großartig am Markt positioniert. Daher ist das jetzige Umfeld eher zum Kaufen da. Jeder Rücksetzer sollte zum Einstieg genutzt werden. „Buy in May“ gilt dieses Jahr.

DAS INVESTMENT.com: Spricht da der fundamental- oder der verhaltensorientierte Analyst aus Ihnen?
 
Mattern:  Beides. Die Stimmung der Investoren ist noch sehr vorsichtig, aber die fundamentalen Faktoren sind dabei, sich zu verbessern. Beides spricht zunächst einmal gegen einen größeren Rücksetzer.
 
DAS INVESTMENT.com: Scheren Sie sich bei Ihren Börsenengagements um Börsenweisheiten?
 
Mattern:  Eigentlich nicht. Mal treffen sie zu, mal aber auch nicht. Da können Sie auch Münzen werfen.
 
DAS INVESTMENT.com: Ihre Meinung zu dieser Weisheit: Einer Straßenbahn und einer Aktie sollte man nie nachlaufen, denn die nächste kommt mit Sicherheit?
 
Mattern:  Auch hier gilt, mal stimmt es, mal nicht. Das muss man immer situationsabhängig abschätzen. Wer im Sommer 2007 schon negativ eingestellt war und dort nicht ausgestiegen ist, wartet wohl immer noch auf die Straßenbahn – und auch bei der gibt es mal einen Betriebsschluss. Wenn man die letzte Straßenbahn verpasst hat, wartet man eben ziemlich lange auf die nächste Gelegenheit.
 
DAS INVESTMENT.com: Ist an diesem Spruch etwas dran: An der Börse kehrt der alte besser als der neue Besen?
 
Mattern:  Die Erfahrung eines alten Hasen – oder Besen – kann in vielen Situationen helfen. Manchmal ist es aber auch hinderlich, wenn die alten Hasen auf ihren eingefahrenen Wegen unterwegs sind und nicht merken, dass sich die Zeiten geändert haben. Auch hier gilt also das beliebte „es kommt darauf an".

Conrad Mattern ist Vorstand der Vermögensberatungsgesellschaft Conquest Investment Advisory AG und Lehrbeauftragter beim Institut für Kapitalmarktforschung und Finanzierung der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Von: Felix Hannemann

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