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15.06.2009 10:19
Märkte, Topnews, Interviews

Die fantastischen Vier: Das große Bric-Interview mit Thomas Gerhardt von der DWS

Furioses Comeback der vier Bric-Länder. Nach einem katastrophalen Börsenjahr 2008 sind die Aktienmärkte Brasiliens, Russlands, Indiens und Chinas die großen Hoffnungsträger des laufenden Jahres. DAS INVESTMENT.com sprach mit Bric-Fondsmanager Thomas Gerhardt von der DWS über die fantastischen Vier.

Thomas Gerhardt

DAS INVESTMENT.com: Welches der vier Bric-Länder ist auf langfristige Sicht Ihr Favorit?

Thomas Gerhardt: Das größte Potenzial hat ganz sicher China. Die Summe von Einzelfaktoren ist am stimmigsten. Eine enorm hohe Bevölkerungszahl auf einer riesigen Landmasse trifft auf eine breite Industrie. Die Volkswirtschaft und die Politik werden zentral gesteuert und liegen in einer Hand. Das ist für ein Entwicklungsland ein sehr großer Vorteil.

>> Wer ist Ihr BRIC-Favorit? Zur BRIC-Umfrage

DAS INVESTMENT.com: Wer folgt dem großen C?

Gerhardt: Brasilien, Russland und Indien haben für sich gesehen alle ein großes Potenzial. Aber jedes Land hat auch ganz individuelle Schwachstellen. Ich würde die drei Länder gleichgewichten. Indien startet vom niedrigsten Niveau. Russland hängt sehr stark am Öl- und Gaspreis. Brasilien wird wahrscheinlich noch am ehesten unterschätzt.

DAS INVESTMENT.com: Inwiefern?

Gerhardt: Das Land ist inzwischen Netto-Exporteur von Rohöl. Bis die großen Quellen erschlossen werden, vergehen noch fünf Jahre oder mehr. Aber Brasilien ist auf dem besten Weg ein Mini-Saudi-Arabien zu werden. Kaum erkannt wird bisher auch die Agrarindustrie. Über die Börse kommt man da bisher noch nicht richtig dran. Jeder kennt Rindfleisch aus Argentinien, Brasilien hat viel mehr Fleisch, viel mehr Land, unglaublich viel Soja und Zucker. Dadurch ist Brasilien jedoch deutlich abhängiger von der Nachfrage Chinas. Steigt der Wohlstand dort, ändern sich auch die Essgewohnheiten, hin zu mehr proteinhaltiger Nahrung. Davon wird Brasilien profitieren.

DAS INVESTMENT.com: Brasilien zahlt aktuell viele Schulden zurück und die Inflation sinkt. Mittelstandsförderung am Zuckerhut?

Gerhardt: Natürlich. Vor zwei Jahren lagen die Zinsen noch bei 20 Prozent. Wer nimmt denn zu solchen Konditionen einen Firmenkredit auf oder kauft sich ein Haus? Es sind ganz wichtige Signale momentan. Zinsen und Inflation sinken. Das stärkt den Binnenkonsum. Und es wird auch dazu führen, dass verstärkt Kapital vom Renten- an den Aktienmarkt zurückkehrt.

Von: Malte Dreher

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