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14.12.2009 14:03
Märkte, Sonstiges, Topnews

Treuhänder lehnt Schadensersatzforderungen vieler Madoff-Opfer ab

Die meisten Opfer des Schneeballsystems von Bernard Madoff werden wohl keinen Schadensersatz erhalten. Der Treuhänder Irving Picard hat die Mehrzahl der Forderungen abgelehnt.

Bernard Madoff

Die Begründung: Die Investoren hätten nur indirekt bei dem Betrüger investiert oder mehr Geld abgezogen als sie eingezahlt hatten. Geschädigte kritisieren die Vorgehensweise. Der Verursacher Madoff lässt sich derweil im Gefängnis feiern.

Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, hat Picard 9.900 von 11.500 Forderungen bereits abgelehnt. Weitere 4.500 müssen noch geprüft werden. Die 1.600 Investoren, deren Forderungen genehmigt worden sind, haben Verluste von 4,69 Milliarden Dollar angemeldet. Zunächst sollen sie jedoch höchstens je 500.000 Dollar erhalten. Weitere Rückzahlungen hängen vom Ausgang der Klagen ab, die Picard gegen Nutznießer des Schneeballsystems angestrengt hat.

Viele Investoren sollen nur indirekt bei Madoff investiert oder weniger eingezahlt als abgezogen haben

Ein großer Teil der abgelehnten Forderungen kam von Anlegern, die bei Madoff über Sammelfonds, sogenannte „Feeder Funds“ investiert hatten. Diese Opfer könnten Geld erhalten, wenn die Forderungen der Fonds, in die sie investiert hatten, befriedigt werden und die Fonds das Geld an die Anleger zurückzahlen. Forderungen von einigen Sammelfonds hat Picard ebenfalls abgelehnt.

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Andere Investoren wollten wiederum nicht nur ihre ursprüngliche Einlage, sondern auch die über Jahre ausgewiesenen, aber nie wirklich erzielten Gewinne zurück. Der Schaden von 65 Milliarden Dollar, den die Opfer geltend machen wollen, basiere zum Teil auf Gewinnen mit Investments, die Madoff gar nicht getätigt hatte, erklärte Picard gegenüber Bloomberg. Die Bargeld-Verluste beliefen sich laut Picard hingegen auf rund 19,4 Milliarden Dollar.

Picards Vorgehensweise verletze eine Regelung auf Bundesebene und sei „krass unfair“

Picards Ansatz, den ursprünglich eingezahlten Beitrag als Grundlage für die Schadensberechnung zu nehmen, wird von vielen Madoff-Opfern kritisiert. „Es verletzt eine Regelung auf Bundesebene, die vorsieht, dass Kunden auf Basis ihrer letzten Auszüge entschädigt werden”, sagte Anwältin und selbst Madoff-Opfer Helen Chaitman in einem Interview mit Bloomberg. Picard durchsuche über Jahrzehnte angesammelte Dokumente, um Anlegern, denen eigentlich Zahlungen zustünden, Gelder zu verweigern, meinte sie.

Ken Macher bezeichnete Picards Methode als „krass unfair“. Der Rentner hatte 365.000 Dollar bei Madoff investiert. Im Jahr 2007, als der Wert der Sparanlage nach seinen Angaben mit 1,6 Millionen Dollar ausgewiesen wurde, zog Macher eine Million Dollar ab – um sie in ein anderes Madoff-Produkt zu stecken, das nun ebenfalls wertlos ist.

„Wir haben nie etwas von dem Geld gesehen”, sagte er. „Diese Transaktion mit einer Geldrückzahlung gleichzusetzen, bei der der Anleger tatsächlich Bargeld erhielt, ignoriert die tatsächlichen Umstände.”

Madoff lässt es sich derweil im Gefängnis gut gehen

Während die betrogenen Anleger um ihre Entschädigung kämpfen, hat es Madoff als Sträfling 61.727-054 im Gefängnis von Butner in North Carolina zu einiger Popularität gebracht. „Für jeden Trickbetrüger ist er der Godfather", sagte ein Insasse des Gefängnisses dem „Wall Street Journal". Wer kann schon von sich behaupten, die halbe Elite Amerikas aufs Kreuz gelegt zu haben, darunter Stars und Sternchen wie Steven Spielberg? Einen neuen Job hat der einstige Vollzeit-Betrüger ebenfalls gefunden: Neben dem Autogrammschreiben für seine Knast-Fans putzt er in der Gefängnisküche Töpfe und Pfannen.

Von: Svetlana Kerschner

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