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11.05.2010 16:24
Rubrik: Märkte

Bert Flossbach über die Griechenland-Krise: Rettet den Euro?

Quelle: Manfred Walker / Pixelio

„Die Büchse der Pandora ist nun endgültig auf“, kommentiert Bert Flossbach, Chef der Vermögensverwaltung Flossbach & von Storch, das Griechenland-Rettungspaket. Lesen Sie, welche Gründe aus Flossbachs Sicht gegen die Rettungsaktion sprechen und warum der Experte damit rechnet, dass die gutgemeinte Aktion den Anfang vom Ende des Euros einleitet.

Die EZB bzw. die EU haben heute mit ihrer wohlmeinenden Rettungsaktion den Anfang vom Ende des Euros (in seiner jetzigen Form) eingeleitet. Nachdem der Stabilitätspakt von Maastricht bereits ad acta gelegt wurde, die EZB inzwischen Euro-Staatsanleihen mit Schrottstatus als Pfand akzeptiert, sind nun alle Dämme gebrochen. Die Liquiditätsflut löscht nicht nur das Feuer, sie setzt das ganze Land unter Wasser. Ein Zurück gibt es nun nicht mehr. Entgegen aller Aussagen der Politik und der Notenbanker und wider aller rechtlichen Grundlagen stellen EU und IWF 750 Milliarden Euro für Länder bereit, denen Investoren kein Geld mehr leihen wollen. Wieder einmal ein Plan, der absolut „alternativlos“ ist.

Jetzt ist es wenigstens amtlich. Am Ende soll Deutschland ggf. mit einigen anderen Kernländern für die Schulden aller Länder gerade stehen. Die Anleihen der Wackelkandidaten sind jetzt EU-gesichert. Warum sollte man eigentlich noch niedrig verzinsliche Deutsche Bundesanleihen kaufen, wenn es 8 Prozent für Griechenanleihen gibt, ab heute mit deutscher Patronatserklärung. Eigentlich müsste jeder Bundesbürger eine Bank gründen. Aber die Lizenz für ein solch lukratives Kasino ist leider nicht so einfach zu erhalten.

###BOX_5###

Das Rettungspaket verhöhnt die Stabilitätskriterien des Euros und die Sanktionsmechanismen für Stabilitätsabweichler. Es belohnt Fehlverhalten statt es zu bestrafen und es dürfte ohnehin nicht reichen. Bis Ende 2012 werden allein in den fünf „PIIGS“ Staaten (Portugal, Italien, Irland, Griechenland, Spanien) Anleihen und Zinsen von 1.166 Milliarden Euro fällig. Zusätzlich müssen diese Länder nach unseren Schätzungen noch 300 bis 400 Milliarden Euro neue Defizite finanzieren. Die Summe aller ausstehenden Anleihen dieser fünf Länder beläuft sich auf rund 3.000 Milliarden Euro.

Welche Implikationen ergeben sich aus dem neuen Rettungspaket?

• Die Geldwertstabilität ist bestenfalls noch ein Lippenbekenntnis der EZB. Die EU beziehungsweise EZB haben einen Blankoscheck ausgestellt. Egal was kommt, wir stehen für alles ein!

• Zunächst einmal hilft man nur den Gläubigern der Wackelkandidaten. Der „Moral Hazard Trade" hat sich für Investoren, allen voran die (griechischen) Banken wieder einmal als lukrativ erwiesen.

• Damit macht es für die Banken weiterhin Sinn, sich bei der EZB Geld für 1 Prozent zu leihen und in höherverzinsliche Anleihen der Geretteten zu investieren. Kredite an die Wirtschaft bleiben unattraktiv. Der Mittelständler reibt sich die Augen.

• Die eingeforderten Sparmaßnahmen der Defizitsünder (also fast aller EU-Staaten) wirkt konjunkturdämpfend und macht ein unmittelbares Anziehen der Inflation unwahrscheinlich. Damit kann die EZB auch weiterhin ihre lockere Geldpolitik begründen und die Zinsen niedrig halten. Das ist auch deshalb wichtig, weil steigende Zinsen den hochverschuldeten Staaten eine untragbare Zinslast aufbürden würden und die Refinanzierungskosten der Retter erhöhen.

• Sobald die Bürger erkennen, dass sich die EU bzw. die EZB in einem Teufelskreis befinden, aus dem sie sich nur noch mit Inflation und fiskalischen Tricks befreien können, wird eine Flucht in Sachwerte einsetzen. Diese kann zur selbsterfüllenden Prophezeiung werden. Die Inflation steigt, was wiederum höhere Inflationserwartungen schürt. Dann kauft man Gold, Häuser, Autos oder andere langlebige Wirtschaftsgüter. Das treibt nicht nur die Preise von Sachanlagen, sondern auch die Güterpreise.

Alexander Köpp, 12-05-10 16:48:
Sehr gute Analyse. Die vielen Schwätzer von der Euro-Apokalypse haben das Vertrauen in die Währung nachhaltig unterminiert. Schleusen auf für eine weitere Nivellierung im europäischen Wirtschaftsraum. Leider ist das ganze Modell EU und EURO grandios am Größenwahn von Politikern gescheitert. Wie Jens Ehrhardt ausführte, eine Währungsunion in Mittel- und Nordeuropa hätte funktionieren können, alles Andere war von vorn herein illusionär.

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