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30.07.2010 16:53
Märkte, Sonstiges, Topnews

WSJ: Li Lu soll Warren Buffetts Nachfolger werden

Vom Platz des Himmlischen Friedens in Peking in die Chefetage von Berkshire Hathaway: Li Lu, der vor 21 Jahren zu den Wortführern der studentischen Protestbewegung in China zählte, wird nun als Warren Buffetts Nachfolger gehandelt. Doch auch die Kandidatur von David Sokol ist noch nicht vom Tisch.

Platz des himmlischen Friedens in Peking;
Der potenzielle Buffett-Nachfolger Li Lu war einer
der Wortführer der Studentenbewegung 1989;
Quelle: Chinaservice.de

An den Ruhestand denkt der Berkshire-Hathaway-Chef Warren Buffett, der in genau einem Monat seinen 80. Geburtstag feiert, noch lange nicht. Ob Lunch-Versteigerungen oder Show- und Gesangseinlagen: Der Star-Investor zeigt sich so fit wie eh und je.

Trotzdem wird in der Finanzbranche heiß über seinen Nachfolger spekuliert. Nach David Sokol, dem Leiter von Berkshires Versorgertochter Mid American Energy Holdings, kommt nun ein weiterer Kandidat ins Spiel.

Es sei wahrscheinlich, dass der Chef der Hedgefonds-Gesellschaften LL Investment Partners und Himalaya Capital Ventures Li Lu zukünftig in die Spitze von Berkshire Hathaway aufsteigen wird, erklärte der Vizepräsident des Verwaltungsrats von Berkshire Hathaway gegenüber dem „Wall Street Journal“ (WSJ). Für ihn sei das eine ausgemachte Sache, sagte der 89-Jährige, der mit Li Lu auch privat befreundet ist.

Buffett: Doppelspitze seines Firmenimperiums möglich

Aber auch die Kandidatur von David Sokol, dem Leiter von Berkshires Versorgertochter Mid American Energy Holdings ist noch nicht vom Tisch. Er könne sich gut eine Doppelspitze seines Firmenimperiums vorstellen, erklärte Buffett gegenüber WSJ.

Dabei könnte ein Kandidat den Vorstandsvorsitz übernehmen, während der andere den Investmentbereich verantwortet. Zu den Kandidaturen von Sokol und Lu wollte sich Buffett jedoch nicht äußern.

Einen guten Dienst hatte Lu Berkshire Hathaway bereits erwiesen. Der 44-jährige führte seinen Freund Munger beim chinesischen Automobil-Grosskonzern BYD („Build your dreams“) ein. Dort erwarb Berkshire Hathaway knapp 10 Prozent der Unternehmensaktien.

Die Investition bei den Chinesen brachte den Amerikanern in den letzten zwei Jahren mehr als eine Milliarde US-Dollar ein. Auch Lus BYD-Aktienpakets, das er für 20 Millionen Dollar erwarb, ist inzwischen auf das Zehnfache angestiegen.

Das sei aber auch der einzige herausragende Coup, der dem chinesisch-amerikanischen Doppelbürger gelungen ist, bemängeln die Kritiker.

Ansonsten seien seine Leistungen als Hedgefonds-Manager zwar gut, aber nicht hervorragend gewesen. Daher werde es für ihn schwierig sein, die Position der Hedegfonds-Legende Buffett auszufüllen.

Waise, Studentenführer, Hedgefonds-Manager

Doch Li Lu ist Schwierigkeiten gewohnt – und das seit seiner frühesten Kindheit. Kurz nach seiner Geburt am Anfang der sogenannten chinesischen Kulturrevolution 1966 kamen seine Eltern zur „Umerziehung“ in einen Arbeitslager.

Lu wuchs ohne Eltern in wechselnden Pflegefamilien auf. Dort lernte er nach eigener Aussage, wie man überlebt. Erst im Lus zehnten Lebensjahr kam die Familie wieder zusammen.

Lu erkannte schon früh den Wert von Bildung. Ende der 80er Jahre machte er an der Nanjing Universität einen Physik-Abschluss. Bei den Studentenprotesten auf dem Platz des Himmlischen Friedens (Tienanmen-Platz) in Peking im Jahr 1989 gehörte der damals 23-Jährige Lu zu den Wortführern.

Nach der gewaltsamen Beendigung des Aufstandes flüchtete Lu zunächst nach Frankreich und anschließend in die USA. Dort schrieb er ein Buch über seine Erfahrungen und begann er ein Rechts- und Wirtschaftsstudium an der Columbia Universität, das er mit drei Abschlüssen - in Volks- und Betriebswirtschaftslehre sowie in Recht – beendete.

Nach einem Vortrag von Warren Buffett, den dieser 1993 an der Columbia Universität hielt, entschloss sich Lu, ins Finanzgeschäft einzusteigen. Er arbeitete zunächst als Investmentbanker, bevor er 1997 seinen ersten Hedgefonds gründete. Inzwischen leitet Lu zwei Gesellschaften: LL Investment Partners und Himalaya Capital Ventures.





Von: Svetlana Kerschner

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