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27.07.2011 15:28
Rubrik: Märkte

Was nun, Eurozone?: „In zwei Jahren ist Griechenland nicht mehr im Euro“

Cyrus Moriabadi vom Landert Family Office

Cyrus Moriabadi leitet die deutsche Einheit des Schweizer Landert Family Office. Gegenüber DAS INVESTMENT.com äußert er sich über die Euro-Zukunft Griechenlands und über die Qualitäten von guten Anlageberatern in Krisenzeiten.

DAS INVESTMENT.com: Geht Griechenland trotz Rettungspaket noch pleite?

Cyrus Moriabadi: Auch wenn es offiziell anders aussieht - faktisch ist Griechenland seit über einem Jahr pleite. Das erste Rettungspaket hat die dortige Volkswirtschaft nicht gerettet, sondern das Land jeden Monat ärmer und chancenloser für seine Gesundung gemacht. An einer ökonomischen Lösung werden Griechenland und die Euro-Regierungen nicht herum kommen. Wirtschaftliche Zwänge und die Bevölkerung Griechenlands, aber auch die in anderen, reicheren Euroländern werden die Politik dahin zwingen. Das ist die positive Wirkung von Stimmungsdemokratie.

DAS INVESTMENT.com: Falls Griechenland pleite geht, was passiert schlimmstenfalls? Euro-Aus für Griechenland? Der Euro zerbricht? Oder eine weltweite Finanzkrise?

Moriabadi:
Griechenland ist gut beraten, in zwei Jahren nicht mehr im Euro zu sein. Das ist meine Position seit Frühjahr 2010. Der freiwillige Austritt kann durchaus mit einem finanziell sehr üppigen Abschiedsgeschenk verbunden werden. Von Versüßen kann, gleich in welcher Höher, freilich nicht die Rede sein. Auch jenseits Griechenlands wird der Euro in Bälde nicht mehr so aufgestellt und geregelt sein können wie heute. Es gibt keine leichte Lösung der Eurokrise, und jeder größere Lösungsversuch ist mittlerweile auch ein Experiment. Je länger sich die Euro-Regierungen jedoch Zeit erkaufen und vor einer Neuregelung drücken, desto größer wird die Gefahr die Kontrolle zu verlieren. Ob mit oder ohne Handeln der Politik.

DAS INVESTMENT.com: Welche politische Entscheidung in der Eurokrise ärgert Sie am meisten?

Moriabadi: Wenn etwas gründlich schief geht, gibt es auf einmal viele, die es schon immer gewusst haben. Dann ist Hochkonjunktur für einfache Antworten, die in aller Regel keine Lösung sind. Aber es ist schon zum Haare raufen, warum Experten für ökonomische Gesetzmäßigkeiten, Finanzmarkt-Verhalten und politisch-gesellschaftliche Zusammenhänge zu wenig in die Lösung einbezogen werden. Lange hat die Politik die Krisenlogik wenig verstanden und mangels Kompetenz oder aus Angst vor ungewünschten Reaktionen allenfalls zögerlich entschieden und kleinschrittig agiert.

DAS INVESTMENT.com: Ist Deutschland bisher Gewinner oder Verlierer der Eurokrise? Warum?

Moriabadi: Gestern hieß es: Gegen den Euro ist gegen die Europäische Idee. Nun droht der Schlachtruf: Wer für einen Euro ohne ökonomische Regeln ist, der spaltet Europa früher als später. Finanzielles Desaster, sozialer Unfriede, Verlust der Glaubwürdigkeit – wo ist da der Gewinner?

Michael Dötterchen, 28-07-11 01:41:
Sehr schön, kurzweilig, analytisch und sehr eloquent - und zwischen den Zeilen steckt in diesem Gespräch ein aufgeklärtes Know-how. Hoffentlich erreicht es die richtigen Adressen.

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