Postbank-Chefvolkswirt: Bleibt der Euro-Crash aus?
„Angesichts der schwerwiegenden und lang anhaltenden Verschuldungskrise im Euroraum hat sich die Gemeinschaftswährung in den letzten Jahren erstaunlich gut behauptet,“ meint Marco Bargel. Wie es nun mit dem Euro weitergeht, erklärt der Postbank-Chefvolkswirt in seinem Gastbeitrag für DAS INVESTMENT.com.
Mit aktuell 1,44 notiert der Euro gegenüber der US-Währung nur leicht unter dem Niveau vor Ausbruch der Krise in Griechenland Ende 2009. Auch gemessen an den Wechselkursen gegenüber anderen Währungen kann von einer signifikanten Euroschwäche keine Rede sein. So liegt der Index für den nominalen handelsgewichteten Euro-Außenwert gegenüber den Währungen der 20 wichtigsten Handelspartner nur knapp 9 Prozent unter dem Stand Ende 2009.
Zwischenzeitlich hatte der Euro allerdings etwas stärker abgewertet. Bis Juni 2010, also kurz nach Verabschiedung des ersten Hilfspaketes für Griechenland, verbilligte sich die Gemeinschaftswährung bis auf 1,20 US-Dollar, das entsprach einer Abwertung von rund 20Prozent. Bei früheren Verschuldungskrisen kam es in der Regel zu einer deutlich dramatischeren Reaktion der Wechselkurse auf einen (drohenden) Zahlungsausfall des Staates.
So wertete der russische Rubel gegenüber dem US-Dollar nach Ausbruch der Krise in 1998 innerhalb eines Jahres um 75 Prozent ab. Auch der argentinische Peso verbilligte sich gegenüber dem Greenback nach dem Zahlungsausfall des Staates im Jahr 2001 und Freigabe des Wechselkurses innerhalb kürzester Zeit um fast 75 Prozent. Die indonesische Rupie wertete Ende der 1990er Jahre sogar um 85 Prozent ab, der mexikanische Peso im Zuge des staatlichen Zahlungsausfalls 1982 um gut 80 Prozent.
Droht dem Euro bei einer Fortsetzung der Krise und einem Zahlungsausfall weiterer Mitgliedsländer der Währungsunion ein ähnliches Schicksal?
Verschuldungskrise im Euroraum ist keine Währungskrise
Der Euro weist zu den genannten Währungen einige wesentliche Unterschiede auf. Viele Währungen der von einem Zahlungsausfall betroffenen Schwellenländer waren bis zum Ausbruch der Krise in einem System fester Wechselkurse an eine Leitwährung gekoppelt. Dies führte in einigen Fällen zu einer starken Überbewertung der heimischen Währung. Eine Freigabe des Wechselkurses bzw. signifikante Abwertung war ein wichtiger Bestandteil zur Lösung der Verschuldungskrise, nicht zuletzt um die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Volkswirtschaft wieder herzustellen.





















Noch keine Kommentare vorhanden.
Kommentar schreiben