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31.07.2011 12:34
Rubrik: Märkte

Bantleon-Chefvolkswirt: „Der Herbst wird heißer als der Sommer“

Harald Preißler

Harald Preißler, Chefvolkswirt beim Fondshaus Bantleon, über mögliche Staatspleiten diesseits und jenseits des Atlantiks, Inflationsangst und den blinden Glauben an China.

DAS INVESTMENT.com: In den USA scheint die Einigung über den Staatshaushalt gefunden. Hatten Sie Befürchtungen, dass das Land wirklich in die Staatspleite rutscht?

Harald Preißler: Nein, es war klar, dass die Einigung kommen würde - so wie sie auch in der Vergangenheit immer gekommen ist. Republikaner und Demokraten haben ihr Schmierentheater bis zuletzt aufgeführt. Was aber auch kommen wird, ist die Abwertung des Triple-A-Ratings für die USA.

DAS INVESTMENT.com: Da wird dann aber eine heilige Kuh geschlachtet.

Preißler: Durchaus, doch werden die Folgen überschaubar bleiben.  Auch nach dem Downgrading bleiben US-Staatsanleihen die liquidesten der Welt. Die Bewertung wird einfach nur die Realität widerspiegeln. Das ist ein Gesamttrend an den Märkten: Nach jahrzehntelangem Augen-zu-und-durch werden Risiken endlich wieder bewertet.

DAS INVESTMENT.com: Probleme haben wir ja auch genug vor der Haustür. Die europäische Wachstumslokomotive Deutschland verliert  an Fahrt.

Preißler: Ja, und nicht erst seit gestern. Die Konjunkturindikatoren wie etwa der ifo-Index zeigen in den vergangenen Monaten steil nach unten. So wird  wir in der nächsten Zeit die Konjunkturdebatte wieder aufflammen - auch über die Peripheriestaaten, da sind die Indikatoren ganz besonders im Keller. Spanien und Italien, die sich gerade mal über die Nulllinie gekämpft hatten,  werden  wahrscheinlich in die Rezession zurückfallen.  Und bekanntermaßen ist in einer Rezession das Sparen doppelt schwierig. Die Staatsdefizite werden dann wohl kaum zurückgeführt werden können.

DAS INVESTMENT.com: Also werden die Hoffnungen der Politik, dass durch Wachstum der Verschuldung gegengesteuert werden könnte, zunichte gemacht?

Preißler: Genau.  Mein ganz persönliches Horrorszenario ist, was eigentlich passieren soll, wenn Deutschland die ganzen Bürgschaften am Hals hat, die Länder irgendwann den Default erklären und wir dann die Schulden abtragen müssten, derer sich die anderen schon längst entledigt hätten. Das könnte am Ende teurer werden als die Wiedervereinigung.

DAS INVESTMENT.com: Aber es gibt ja immer noch die Idee der Eurobonds, wenn die Europapolitiker sich bislang auch nicht dazu durchringen konnten.

Preißler:
Ja, dieser letzte Schritt ist noch nicht gemacht, weil man Eurobonds mit einer Transferunion gleichsetzt, bei der die starken die schwachen Staaten stützen und deren Schulden mitfinanzieren. Die Politiker in den Kernländern fürchten, dass sie das ihren Wählern nicht vermitteln können. Wenn wir uns aber die ganzen Hilfs- und Rettungspakete für die Peripherieländer ansehen, haben wir diese Transferunion schon längst. Eurobonds sind daher der logische nächste Schritt, erst dann dürfte an den Anleihenmärkten Ruhe einkehren.

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