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01.08.2011 19:13
Rubrik: Märkte

„Eine Herabstufung der USA hätte kaum Konsequenzen für die Anleihemärkte“

Das Weiße Haus. Quelle: Tim Reinhart/Pixelio

Wie die Kapitalmärkte auf die vorläufige Einigung in den USA zur Anhebung der Schuldenobergrenze reagieren und warum eine mögliche Herabstufung des US-Ratings keine ernsthaften Konsequenzen für den Anleihenmarkt haben dürfte, erklärt Stefan Hofrichter, Chef-Volkswirt der RCM.

Vor dem Hintergrund der Diskussionen zur Erhöhung der Schuldengrenze hätten sich die US-Anleihen während der vergangenen zwei Monate bereits seitwärts entwickelt, meint Hofrichter. Daher rechnet der Chef-Volkswirt der Allianz Global Investors-Tochter RCM in diesem Segment mit keinen nennenswerten Reaktionen mehr.

Anders sieht Hofrichter die Situation auf dem Aktienmarkt. Dort erwartet er eine kurzfristige Erholung, die in direktem Zusammenhang mit der jüngsten Einigung steht. „Anschließend werden die Kapitalmärkte wieder primär vom fundamentalen Ausblick für Wachstum und Inflation bestimmt werden“, meint der Experte.

Die Wahrscheinlichkeit einer Herabstufung des Ratings liegt bei 50 Prozent

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Rating-Agentur S&P das Rating der USA um eine Stufe auf AA senkt, beziffert Hofrichter auf 50 Prozent. Im letzten Statement habe die Rating-Agentur die Regierung aufgefordert, einen glaubwürdigen Plan zu erarbeiten, mit dem sie bis zu 4 Billionen US-Dollar über die nächsten zehn Jahre einsparen könnte. Der Kompromissvorschlag sehe aktuell Einsparung von mehr als 2,4 Billionen US-Dollar vor, so Hofrichter. Auch wenn S&P die ursprünglichen Anforderungen im Hinblick auf notwendige Einsparungen kürzlich gelockert habe, sei die Wahrscheinlichkeit einer Herabstufung relativ hoch.

Mit seinen 50 Prozent mutet Hofrichters Schätzung fast schon optimistisch an. Andreas Rees, Chefvolkswirt bei Unicredit in Deutschland, ist beispielsweise davon überzeugt, dass die USA ihr "AAA"-Rating auf Dauer nicht werden halten können.

Doch auch im Falle einer Herabstufung rechnet Hofrichter nicht mit ernstzunehmenden Konsequenzen für die Anleihemärkte. „Ein Downgrade auf AA würde keinen massiven Verkaufsdruck für US-Staatsanleihen auf der Bankenseite erzeugen“. Einige Pensionsfonds wären eventuell gezwungen, ihre Positionen zu reduzieren, „aber der Gesamteffekt auf die Anleihenmärkte dürfte überschaubar bleiben.“

Erfahrungen der vergangenen Jahre hätten gezeigt, dass der mittelfristige Einfluss einer Herabstufung von Staatsanleihen auf den Aktienmarkt eher moderat ausfällt, erklärt der RCM-Experte. Kurzfristige Volatilität sei dabei jedoch möglich.

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