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04.08.2011 13:27
Rubrik: Märkte

Europa: Nordlichter und Schlusslichter

Das schwedische Kleidungsunternehmen H&M
schwang sich mit günstiger Massenware zu
einem der führenden Textilkonzerne der
Welt auf. Umsatz 2010: 14 Milliarden Euro.
Quelle: Getty Images

Die Schuldenkrise in Euroland deckt gnadenlos auf, welche Europäer derzeit die beste Wirtschaftspolitik fahren.

Selber schuld – treffender kann man Maud Olofssons Kommentar nicht umschreiben. Eine Geldspritze werde es von ihr nicht geben, lässt Schwedens Wirtschaftsministerin am 23. Juni verlauten. Was soll sie auch sonst sagen zu einem Konzern, der seit Jahren Autos baut, die keiner will, und der finanziell auf der Kriechspur ist: Saab.

Soll sie etwa Staatsgeld und Energie für ein kaputtes Unternehmen opfern und sich dabei blamieren wie die Bundesregierung bei Opel? Ihre Antwort: „Saab hat die Verantwortung und muss selbst finanzielle Lösungen finden.“ Derzeit kann das Unternehmen nicht einmal mehr die Löhne seiner Beschäftigten zahlen.

Olofssons menschlich zwar äußerst harte, wirtschaftlich aber umso schlauere Reaktion passt ins Bild, das die nordeuropäischen Länder Dänemark, Norwegen, Schweden und Finnland derzeit vermitteln. Ihre Regierungen fahren eine vernünftige Wirtschaftspolitik und können mit Geld offenbar besser umgehen als ihre Kollegen weiter südlich.

Der Saab-Crash ist zwar ein Fleck auf der strahlenden Wirtschaftsweste der nordischen Musterknaben. Doch andere Unternehmen gehören aber zur weltweiten Elite: der Kleidungsproduzent H&M, der Haushaltsgerätehersteller Electrolux und natürlich das Möbelhaus Ikea. „Die Finnen erfinden, die Schweden finanzieren, die Dänen verkaufen, und die Norweger kaufen es“, so erklärte es Erik Friman, Chef des Aktienhandels bei SEB Enskilda Deutschland, gegenüber der „FAZ“.

Öl schwemmt Schulden fort

 Vor allem dem Erdölförderland Norwegen hilft derzeit der hohe Ölpreis beim Einkaufen. Umgerechnet 44 Milliarden Euro sollen die Ölexporte dieses Jahr bringen. Davon könnte Deutschland seinen Verteidigungshaushalt schultern und hätte noch 13 Milliarden Euro übrig.

Dank seines Rohstoffschatzes in der Nordsee ist Norwegen – Soll und Haben verrechnet – sogar schuldenfrei. Damit bildet der Norden einen Gegenpol zu den südlichen Problemländern der Eurozone – Portugal, Italien, Griechenland und Spanien – denen Investmentbanker die wenig schmeichelhafte Abkürzung „Pigs“ (englisch: Schweine) aufgedrückt haben.

Von: Andreas Scholz

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