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10.08.2011 11:39
Rubrik: Märkte

„Chancen und Risiken des russischen Aktienmarktes liegen in der Politik“

Sulev Raik

Die Schuldenkrise bringt laut Experten die Schwellenmärkte in eine starke Position. Russland ist bisher einigermaßen gut durch die Krise gekommen. Sulev Raik, Manager des Aktienfonds SEB Russia, erklärt, wie die Politik das Investorenverhalten steuert und welche Branchen interessant sind.

DAS INVESTMENT.com: Bei dem Treffen zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem russischen Präsidenten Dmitri Medwedew Mitte Juli ging es hauptsächlich um Energiethemen. Es wurden gemeinsame Pilot-Projekte zur Modernisierung des Stromnetzes in Russland geplant und der beschleunigte Atomausstieg Deutschlands besprochen. Eine gute Nachricht für den russischen Aktienmarkt?

Sulev Raik: Definitiv. Gerade der beschleunigte Atomausstieg in Deutschland wird Russland, dem weltweit größten Anbieter von Erdgas und dem achtgrößten Erdöl-Produzenten zugutekommen.  

DAS INVESTMENT.com: Hat Russland noch etwas anderes als Öl und Gas zu bieten?

Raik: Selbstverständlich. Kohle, Stahl, Nickel, Titan, Holz, Agrarrohstoffe, Trinkwasservorräte. Außerdem hat Russland die weltweit größten unerschlossenen Goldvorkommen und ist Weltmarktführer bei der Förderung und Verarbeitung von Diamanten.

DAS INVESTMENT.com: Wo sehen Sie Chancen und Risiken auf dem russischen Markt?

Raik: Die Antwort auf beide Fragen lautet Politik. In den vergangenen 20 Jahren hat Russland eindrucksvoll gezeigt, dass es nicht gerade ein investorenfreundliches Land ist. Doch nun sind Veränderungen in Sicht. Die Ölfirmen beispielsweise sind derzeit sehr stark besteuert und staatlich kontrolliert und daher nicht besonders attraktiv für Großinvestoren. Wir haben zum Beispiel die Branche in unserem Portfolio untergewichtet. Doch die Politiker sind ja nicht blind – und sie brauchen frisches Anleger-Geld. Schließlich muss die Produktion, die in den vergangenen Jahren nahe bei null lag, endlich wieder gesteigert werden. Daher gehe ich davon aus, dass diese Steuern in Zukunft sinken werden.

DAS INVESTMENT.com: Ein guter Grund, die entsprechenden Positionen jetzt aufzustocken?

Raik: Noch nicht. Ich denke, dass die Steuersenkungen nicht vor den Wahlen 2012 beschlossen werden. Daher suchen wir derzeit nach Möglichkeiten in anderen Branchen, die indirekt von der Öl- und Gasindustrie profitieren. Dazu zählen vor allem der Konsum- und Finanzsektor sowie die Immobilienbranche.

DAS INVESTMENT.com: Welchen Ausgang erwarten Sie für die russische Präsidentschaftswahl 2012?

Raik: Ob Putin oder Medwedew Präsident wird, ist derzeit noch nicht abzusehen. Eine dritte Kandidatur ist eher unwahrscheinlich. Aber der russische Aktienmarkt wird auf jeden der beiden Kandidaten leicht positiv reagieren, da dies politische Klarheit für die nächsten Jahre schaffen würde. Westlichen Investoren wäre Medwedew natürlich lieber, da sie sich von ihm einen schnelleren Demokratisierungsprozess erhoffen.

Von: Svetlana Kerschner

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