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10.08.2011 09:39
Rubrik: Märkte

Junge Leute werden in Staatsanleihen investieren müssen

Ad van Tiggelen

Auf der einen Seite massiv überschuldete Euroländer. Auf der anderen Seite Staatsanleihen mit realen Renditen nahe dem Nullpunkt. Wie ist dies möglich? Und werden die Renditen auf Dauer niedrig bleiben? Ein Gastkommentar von Ad van Tiggelen, Investment-Spazialist bei ING Investment Management.

Die Beziehung zwischen Anlegern und Staatsanleihen war selten ambivalenter. In den westlichen Medien heißt es, wir seien mit einer Schuldenkrise konfrontiert und die Schuldenquote nähere sich im Verhältnis zum BIP einem Wert von 100 Prozent.

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Gleichzeitig notieren die Anleiherenditen für die überwiegende Mehrheit von Staatsanleihen (Papiere aus den USA und den Kernländern des Euroraums) nahe ihren historischen Tiefständen. Die realen Renditen liegen sogar nahe Null. Wie ist dies möglich? Und werden die Renditen auf Dauer niedrig bleiben?

Derzeit liegen die Prämien für einen Ausfallschutz für rund 25 Prozent der 300 größten Unternehmen außerhalb des Finanzsektors in den USA und Europa unter den Prämien für einen Ausfallschutz ihrer Heimatländer.

Man sollte zwar in die Preise für Ausfallversicherungen (CDS) nicht allzu viel hineininterpretieren, aber sie geben doch einen gewissen Hinweis darauf, wie stark einerseits Staatsanleihen unter Druck geraten sind und wie günstig andererseits die finanziellen Fundamentaldaten im Unternehmenssektor ausfallen.

Zahlreiche Unternehmen außerhalb des Finanzsektors profitieren von Exporten in die Schwellenländer, einem moderaten Lohnwachstum und historisch niedrigen Unternehmenssteuersätzen. Ihnen hat das wirtschaftliche Rettungspaket genützt, das die Regierungen finanzieren mussten. Trotz ihrer Finanzkraft müssen jedoch selbst die größten internationalen Konzerne im Vergleich zu Staaten noch einen Renditeaufschlag zahlen.

Die Kernländer der westlichen Welt müssen sich diese Fähigkeit zur günstigen Kreditaufnahme bewahren. Sie werden Ausgabenkürzungen und/oder (Unternehmens-)Steuererhöhungen beschließen müssen. Möglicherweise müssen wir uns an strukturell höhere Schuldenquoten gewöhnen. Diese können jedoch nicht weiter exponentiell ansteigen. Die USA und Europa werden den Haushalt ins Gleichgewicht bringen müssen – und die Finanzmärkte werden darüber wachen.

Das Problem liegt darin, dass es schlicht keine liquide Alternative zu Staatsanleihen gibt. Und wir leben in einer Welt, in der die Nachfrage nach solchen Anleihen noch weiter ansteigen dürfte. Da die Staaten zunehmend nicht mehr dazu in der Lage sind, für ihre Bürger zu sorgen, werden diese immer stärker selbst vorsorgen müssen – und dazu werden sie großenteils in Staatsanleihen investieren.

Von: Ad van Tiggelen

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