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13.10.2011 12:01
Rubrik: Märkte

Eurozone auf dem Weg in die Rezession

Daniel Hartmann vom Schweizer Investmenthaus Bantleon

Die Abkühlung der Weltwirtschaft und die Staatsschuldenkrise treffen die Eurozone mit voller Wucht. Indikatoren wie der Einkaufsmanagerindex rutschen derzeit innerhalb kürzester Zeit von der Hochkonjunktur- in die Rezessionszone ab. Der Abwärtstrend ist dabei ähnlich steil wie nach der Lehman-Pleite. Ein Interview mit Daniel Hartmann vom Anleihemanager Bantleon.

Daniel Hartmann ist Senior Analyst Economics des Schweizer Anleihemanagers Bantleon

Herr Hartmann, was sind die Gründe für die zweite Wachstumskrise innerhalb kürzester Zeit?

Daniel Hartmann: Eine wesentliche Rolle spielt wie immer das weltwirtschaftliche Umfeld. Vor allem die asiatische Konjunkturlokomotive hat in den vergangenen Monaten Dampf abgelassen. Im Zuge dessen verringerte sich das Exportwachstum der Eurozone in Richtung Asien von über 30 Prozent Mitte 2010 auf nicht einmal mehr 10 Prozent Mitte 2011. Der Tiefpunkt dürfte damit aber noch nicht erreicht sein – wir erwarten die globale Trendwende frühestens Anfang 2012.

Davon betroffen sind nicht zuletzt die deutschen Unternehmen, die sich zu Jahresbeginn mit Blick auf den Asienabsatz noch euphorisch zeigten. Inzwischen haben sich die Exportperspektiven jedoch spürbar eingetrübt. Der nachlassende Schwung in Deutschland hat schwerwiegende Konsequenzen für die gesamte Eurozone. Für die darbenden Peripherieländer war der Importsog aus Deutschland in den vergangenen Quartalen eine wichtige Stütze, die jetzt wegzubrechen beginnt.

Und wie sieht es mit eigenen Problemen aus?

Hartmann: Mehr als in der Vergangenheit spielen für den aktuellen Abschwung auch hausgemachte Probleme eine Rolle. An vorderster Stelle ist die schwelende Staatsschuldenkrise zu nennen.

Die damit verbundenen Hiobsbotschaften und politischen Auseinandersetzungen haben Unternehmen sowie Verbraucher verunsichert und deren Investitions- und Konsumentscheidungen negativ beeinflusst.

Darüber hinaus mussten zahlreiche Eurostaaten auf Druck der Märkte ihre Anstrengungen zur Reduzierung ihrer öffentlichen Budgetdefizite nochmals intensivieren. Dies galt außer für Spanien, Portugal und Griechenland insbesondere für Frankreich und Italien. Insgesamt nimmt der Restriktionsgrad der Fiskalpolitik der Euroländer im nächsten Jahr nicht ab, sondern weiter zu. Die ohnehin im Gang befindliche Abwärtsspirale erhält dadurch einen zusätzlichen Impuls.

Welche Rolle spielen die Banken?

Hartmann: Der dritte Kanal, über den die Staatsschuldenkrise die zyklische Dynamik belastet, sind die Finanzierungskonditionen. Das gegenseitige Misstrauen in der Branche hat zuletzt wieder fast die Ausmaße von Ende 2008 angenommen.

Immer mehr Institute geraten dadurch in Refinanzierungsschwierigkeiten. Betroffen sind neben den Banken der Peripherieländer wegen ihres starken Engagements in PIIGS-Staatsanleihen vor allem französische Banken. Die realwirtschaftlichen Folgen des erneuten Finanzmarktstresses sind nicht zu unterschätzen. So zeigen bereits die Kreditdaten vom Sommer, dass sich die Banken bei Wohnungsbau- und Unternehmenskrediten wieder stärker zurückhalten.

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