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17.10.2011 11:00
Rubrik: Märkte

Vorndran: „Wir haben den Höhepunkt der Krise noch nicht erreicht“

Philipp Vorndran

Die Krise in Europa erwächst sich zur Dauer-Krise. Philipp Vorndran, Kapitalmarkt-Stratege der Vermögensverwaltung Flossbach von Storch, redet im Interview mit DAS INVESTMENT.com Tacheles zum Ausweg aus der Eurokrise, einem Kern-Euro und der Zukunft der Banken.

DAS INVESTMENT.com: Ihre Prognose in Prozent: Wie wahrscheinlich ist eine Rückkehr einer nationalen Währung? Werden insgeheim D-Mark oder Drachme bereits gedruckt?

Philipp Vorndran: Nichts ist unmöglich. Aber wenn überhaupt, dann eher Drachmen wie D-Mark. Nur eine möglichst homogene Eurozone hat noch eine Chance. Homogenität lässt sich aber nicht durch EU-Stabilitätsauflagen erzwingen, sondern bedarf eines natürlichen Konsenses.

Ein Kern-Euro, mit den Mitgliedsländern Deutschland, Holland, Belgien, Österreich, Finnland, der Slowakei, Luxemburg, Slowenien, Estland, gegebenenfalls noch Irland und mit etwas Wohlwollen auch Frankreich, würde – nach dem Verteilungsschlüssel der Euroländer – rund 65 Prozent der heutigen Eurozone ausmachen.

Der Kern-Euroraum würde nicht nur einen großen Binnenmarkt bieten, sondern auch ein Gegengewicht zum US-Dollar darstellen. Wenn die Politik weiter versucht, die Euroländer statt den Euro zu homogenisieren, werden sie ein Europa hinterlassen, das an dem Versuch gescheitert ist, den politischen Willen dauerhaft über die ökonomische Realität zu setzen.

DAS INVESTMENT.com: Spielen Sie Finanzgott: Wie sehen ihre Maßnahmen zur nachhaltigen Lösung der Schuldenkrise der Europäer aus?

Vorndran: Einen schmerzlosen Weg aus der Staatschuldenkrise gibt es nicht. Das marode Bankensystem muss stabilisiert werden, damit es die Realwirtschaft nicht mit nach unten zieht.

An einer temporären (Teil-)Verstaatlichung der Großbanken und der Wiedereinführung des Trennbankensystems führt kein Weg vorbei. Nur so können die von den komplexen Instituten ausgehenden Risiken begrenzt werden. Der Moral Hazard muss eingedämmt werden und das Haftungsprinzip muss wieder gelten.

Der Euro wird in seiner jetzigen Form nicht zu halten sein. Die Heterogenität in der Eurozone ist zu groß. Eine dauerhafte Transferunion zerstört den Leistungswillen in den Geberländern und erhöht den Frust in den Nehmerländern über die Einmischung ihrer „Gönner“. Dies wäre der Untergang der gesamten Eurozone.

Der Erkenntnisgewinn der Politiker läuft den Realitäten hinterher. Wichtige Anpassungen geschehen nur unter dem Druck der Märkte. Immerhin gibt es erste Anzeichen, dass die Politik erkennt, dass es so nicht weitergeht.

DAS INVESTMENT.com: Künftige Rolle der EZB: Lieber Konjunktur stützen oder Inflation bekämpfen?

Vorndran: Mein Wunsch ist, dass sie als unabhängige Notenbank die Währungsstabilität sicherstellt. Realität ist aber, dass die Zentralbanken ihre Politik des leichten Geldes Wohl oder Übel fortsetzen werden. Ein Abbau der Staatschuldenquoten ist nur mit negativen Realzinsen möglich.

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