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19.10.2011 11:02
Rubrik: Märkte

„Wir werden noch Jahre mit der Eurokrise beschäftigt sein“

Johannes Müller

Die fehlenden Finanzinstrumente der Europäischen Union sind lange bekannt. Das sieht auch Johannes Müller, Chefvolkswirt der DWS, so. Erste Erfolge der Krisenbewältigung gebe es bereits in Irland und Spanien.

DAS INVESTMENT.com: Ihre Prognose in Prozent: Wie wahrscheinlich ist eine Rückkehr einer nationalen Währung? Werden insgeheim D-Mark oder Drachme bereits gedruckt?

Johannes Müller: Das halte ich für sehr unwahrscheinlich. Man muss den Euro im Kontext des europäischen Einigungsprozesses sehen, und dieser Prozess war – mit Verlaub gesagt – bisher ein spektakulärer Erfolg. Der Euro ist also genauso wie frühere Schritte der europäischen Integration primär ein politisches Projekt. Daher sollten die notwendigen politischen Entscheidungen zur Weiterentwicklung und Stabilisierung der Eurozone machbar sein.

DAS INVESTMENT.com: Spielen Sie Finanzgott: Wie sehen ihre Maßnahmen zur nachhaltigen Lösung der Schuldenkrise der Europäer aus?

Müller: Romano Prodi – und da war er keineswegs der erste - hat schon vor zehn Jahren festgestellt, dass der Eurozone ein paar wichtige wirtschaftspolitische Instrumente fehlen. Eines Tages werde es eine Krise geben, so hat er prognostiziert, und dann werden diese Instrumente nachgereicht.

Die Ursache der Eurokrise ist in der ökonomischen Divergenz der Mitgliedsländer seit der Euro-Einführung zu suchen, verbunden mit der Tatsache, dass der Eurozone wichtige Ausgleichsmechanismen, wie zum Beispiel eine gemeinsame Fiskalpolitik oder gemeinsame Sozialversicherungssysteme, fehlen.

Zur nachhaltigen Stabilisierung bedarf es zuerst einer Re-Konvergenz, einer wirtschaftlichen Annäherung. Dieser Prozess ist angestoßen und in Irland etwa sind bereits spektakuläre Fortschritte zu verzeichnen. Auch in Spanien ist eine deutliche Verbesserung erkennbar. Um diese Fortschritte zu erhalten und zukünftigen Fehlentwicklungen vorzubeugen, wird eine verbesserte Governance erforderlich sein, die sowohl den öffentlichen also auch den privaten Sektor umfasst.

Darüber hinaus werden wir ein paar Instrumente einführen müssen, die – natürlich unter strikter Konditionalität – eine Ausgleichsfunktion innerhalb der Währungsunion erfüllen. Diese Instrumente kann nicht der Bankensektor einführen, auch nicht die Rating-Agenturen oder der FC Bayern. Das muss die Politik machen. Der Vorschlag, sich in Richtung einer Fiskalunion zu entwickeln, zielt ganz klar darauf ab.

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