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07.11.2011 18:54
Rubrik: Märkte

„Rückkehr zur Drachme wäre Selbstmord aus Angst vor Gefängnis“

Thomas Straubhaar

Der Ausstieg Griechenlands aus der Euro-Zone würde die Probleme des Pleite-Staates nicht lösen, meint Thomas Straubhaar, Leiter des Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Instituts (HWWI). Ganz im Gegenteil: Dies käme einem wirtschafts- und finanzpolitischen Selbstmord gleich.

„Griechenland diskutiert den Selbstmord“, so betitelte Thomas Straubhaar seinen Kommentar für „Stern.de“. Denn während viele Finanzexperten Griechenland den Ausstieg aus dem Euro nahelegen wollen, rät der HWWI-Leiter und Professor der Universität Hamburg dringend von diesem Schritt ab.

Er bezweifle zunächst, dass die Rückkehr zur alten Währung rechtlich möglich wäre, schreibt Straubhaar in seiner Wirtschaftskolumne für „Stern.de“. Doch auch wenn das Land die Wiedereinführung der Drachme durchsetzen könnte, stünde es sehr schlecht da. Denn mit einem Ausstieg aus dem Euro hätte Griechenland langfristig Vertrauen – und somit auch seine Kreditwürdigkeit – verspielt.

„Neue ausländische Kredite gäbe es – wenn überhaupt – nur noch gegen hohe Risikoprämien“, so Straubhaar weiter. Das wiederum ließe die meisten Investitionen unrentabel werden. „Ein ganz normaler Ausbau einer Fabrikhalle oder die einfache Erneuerung von Fahrzeugen oder Apparaten wäre schlicht nicht mehr finanzierbar“, prognostiziert der Experte. Und selbst der Import von Energie, Benzin, Rohstoffen oder industriellen Vorleistungen würde für ausländische Lieferanten zu einem Hochrisikogeschäft werden. Im Endeffekt würde sowohl die Real-, als auch die Finanzwirtschaft des Landes zusammenbrechen.

"Teufelskreis der Verelendung“

Die Rückkehr zur alten Währung wäre „nichts anderes als der Versuch, durch Selbstmord einer langjährigen Gefängnisstrafe zu entgehen“, erklärt Straubhaar. Denn das würde einen „sich selbst verstärkenden Teufelskreis der Verelendung“ in Gang setzen. Folge wären unter anderem innere Unruhen, die bei weitem über die derzeitigen Demonstrationen und Krawalle hinausgehen.

Auch die übrigen Euro-Länder wären laut Straubhaar das griechische Problem mit einer Rückkehr zur Drachme nicht los. Ganz im Gegenteil, würde doch der Euro-Ausstieg einen sofortigen kompletten Zahlungsausfall Griechenlands bedeuten. „Mit neuen Drachmen lassen sich nicht die bestehenden alten Euroforderungen begleichen“, so der HWWI-Leiter. Und sollten europäische Gläubiger ihre griechischen Forderungen komplett abschreiben müssen, würde dies eine Kettenreaktion in anderen überschuldeten Euro-Ländern auslösen. Mit verheerenden Folgen.

„Es bleibt nur die Wahl zwischen Pest und Cholera“, fasst Straubhaar zusammen. Denn ein kompletter Zusammenbruch der griechischen Volkswirtschaft lasse sich nur durch eine „finanzpolitische Rosskur“ abwenden. Straubhaars Fazit: Der hellenische Pleite-Staat habe nur eine Chance, wenn er sein verrottetes Steuersystem reformiert, die Staatausgaben ernsthaft verringert und die öffentlichen Haushalte nachhaltig saniert.

Von: Svetlana Kerschner

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