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11.11.2011 14:57
Rubrik: Märkte

Axa-Chefvolkswirt: „Europa kommt Ende 2012 wieder auf die Beine“

Eric Chaney, Chefvolkswirt der Axa-Gruppe

Eric Chaney, Chefvolkswirt der AXA-Gruppe, über die Eurokrise, eine künftige Nullzinspolitik der EZB und deflationäre Gefahren.

„Die Eskalation der europäischen Schuldenkrise stellt das größte systemische Risiko für die Weltwirtschaft dar. Davon abgesehen setzt die globale Konjunktur ihren ab 2009 mit Ende der Rezession verfolgten Aufwärtskurs fort, wenn auch etwas langsamer als zu Beginn des laufenden Jahres.

Solange die politischen Entscheidungsträger in der Eurozone keine Lösungen finden, um die Finanzierung solventer Staaten und Banken sicherzustellen, könnte die Risikoabscheu an den globalen Finanzmärkten weiter steigen. Daran würden auch positive volkswirtschaftliche Daten aus den USA und den Schwellenländern – vor allem China – nichts ändern.

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Deflationäre Gefahr

Nun kämpft auch Italien, das meiner Meinung nach aber noch solvent ist,  mit Liquiditätsproblemen. Die Zinsen auf italienische Staatsanleihen sind explosionsartig auf über sieben Prozent gestiegen. Insofern ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Europäische Zentralbank (EZB) in weitaus größerem Maßstab als bisher auf dem Sekundärmarkt für Staatsanleihen interveniert.

Überdies halten wir die EZB für die einzige wirtschaftspolitische Instanz, die eine fatale deflationäre Spirale im Euroraum abwenden kann. Die Rezession, die im September einsetzte, wird mittlerweile durch eine prozyklische Fiskalpolitik sowie den Schuldenabbau bei den Banken verschärft, mit dem der Bankensektor auf die neuen Eigenkapitalanforderungen reagiert.

Aus diesem Grund wird die EZB die Kurzfristzinsen wohl zunächst auf fast null senken und dann einen Kurs der zinspolitischen und quantitativen Lockerung verfolgen, um eine Kontraktion des Kredit- und Geldangebots zu vermeiden.

Euro-Rettung ist noch möglich

Sofern die EZB rechtzeitig eingreift und die Regierungen der Eurozone Entscheidungen treffen, die sowohl für ihre Binnenwirtschaften als auch die wirtschaftspolitische Kontrolle des Euroraums richtig sind, wäre das Schlimmste – also ein ungeordnetes Auseinanderbrechen der Europäische Wirtschaftsunion (EWU) – zu verhüten.

Die europäischen Volkswirtschaften dürften gegen Ende 2012 wieder auf Erholungskurs gehen und sich dem globalen Aufschwung anschließen. Das würde risikoreichere Anlageformen begünstigen.

Doch solange es an entschlossenen politischen Maßnahmen fehlt, halten wir uns bei risikoreicheren Assets, wie beispielsweise Aktien, zurück. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt setzen wir bei Finanzanlagen vorzugsweise auf sichere Staatsanleihen und qualitativ hochwertige Unternehmensanleihen.“

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