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06.01.2012 15:06
Rubrik: Märkte

Goldpreis 2012: Neun Prognosen und ein Abwinken

Getty Images

Was denn nun? Da spitzte sich die Schuldenkrise in den vergangenen Monaten immer mehr zu, und die Krisenwährung Gold verlor seit August letzten Jahres in der Spitze fast 20 Prozent an Wert. Verschnaufpause oder Trendwende? Die Experten sind sich, wie sollte es anders sein, uneins. Einer winkt nur ab.

„Was überraschend ist: Als die Risiko-Berichterstattung in den Medien ihren Höhepunkt erreichte, fiel der Goldpreis. Wir vermuten, dass sich der Goldpreis 2012 unter allen Metallpreisen am schlechtesten entwickeln wird.“

Christoph Eibl, CEO und Partner der Tiberius Asset Management AG, reuters.com

Hans Zöbelein, 09-01-12 00:37:
Seit ca. dem Jahr 2000 steigt der Goldpreis parallel zur amerikanischen Staatsverschuldung. So lange die weiter geht, wird der Goldpreis mitgehen.

Grüße
goldstube24
Sandro Valecchi, 09-01-12 12:15:
Goldpreisanalyse versus kapitaleffiziente Investments:

Gold verleitet sehr leicht zur übertriebenen Euphorie, weshalb eine objektive Rekapitulation der Preisentwicklung des Goldes in den letzten 12 Monaten erforderlich und geboten ist: Der Goldpreis ist im abgelaufenen Jahr 2011 im Zeitraum vom 1.Januar bis zum 31.Dezember um rund 17% (in Euro bewertet) gestiegen. Das kann sich zwar sehen lassen, jedoch liegt das rein subjektive Gefühl einer Wertsteigerung weitaus höher. Einige Anleger werden daher ernüchtert – aber realitätsbezogen feststellen: es waren „nur“ 17%. Punkt! Selbstverständlich hatten besonders agile Anleger zwischenzeitlich die Möglichkeit gehabt, noch weit größere Wertsteigerungen mitzunehmen, weil der Goldpreis im Verlaufe des Jahres höher stand, als er zum Jahresabschluss endete. In USD umgerechnet und betrachtet stieg die Unze Feingold von 1.419 $ am Jahresbeginn auf 1.920 $ in der Spitze, die zugleich das Jahreshoch markierte. Nach einige Korrekturen notierte der Goldpreis nur noch bei 1.567 US$ zum Ende des Jahres 2011 (in Euro gerechnet also bei 1.210 Euro für die Feinunze).

Kritisch wird man konstatieren müssen, dass die Zentralbanken in Zukunft nicht zwingend weiter – und in diesem Umfange Gold vom Markt aufkaufen, sondern die auf hohem Niveau rangierenden Bestände an Derivate auch wieder – zumindest in Teilen – auflösen, verkaufen und Gewinne mitnehmen oder Teilbeträge davon zur Schuldentilgung verwenden.

Zudem funktioniert die – unsere – globale Wirtschaft nur, wenn ausreichend „Working Capital“ zur Verfügung steht. Da nützt der Goldbestand in den Tresoren nichts. Kapitaleffiziente Investments helfen daher nicht nur der Wirtschaft, sie blocken zugleich einen weiteren Höhenflug des Goldpreises.

Jetzt wird es ebenso spannend wie kontrovers, denn die Finanzexperten stellten kürzlich erst kapitaleffiziente Investments unter Solvency II unter Einbeziehung wesentlicher Punkte des aktuell veröffentlichten Pre-Drafts der Level 2-Maßnahmen vor. Das Spreadrisiko wurde besprochen und im Vergleich zu QIS 5 (= fünfte quantitative Auswirkungsstudie) wurden durch die EU-Kommission Entlastungen für Bonds vorgeschlagen. Dies ergebe sich durch die Einführung von Laufzeitbändern. Auch Pfandbriefe würden weiterhin gegenüber Corporates vorteilhaft behandelt. Dies soll nach dem Pre-Draft neben AAA nun auch für AA geratete Pfandbriefe zutreffen. Hinsichtlich des Aktienstresses scheint es aus Expertensicht zufolge Erleichterungen zu geben, da der sogenannte symmetrische Anpassungsmechanismus modifiziert wurde. Das dürfte im Ergebnis zu einer geringeren Anpassung des Schocks bei steigenden Märkten führen. Zudem sehen die Experten eine Entkrampfung aufgrund der risikolosen Basiszinsstrukturkurve und der antizyklischen Prämien.

Die Mehrheit der Analysten sehen den Goldpreis in 2012 weiter ansteigen. Dies allerdings meiner Ansicht nach eher moderat, weil kapitaleffiziente Investments wieder vermehr Zuspruch auf den Märkten bekommen und die globale Wirtschaft ohne diese Investments nicht operieren kann. Überdies hellt sich in den USA die Marktlage auf leichtem Niveau auf, der Arbeitsmarkt profitiert davon und die US-Administration von Obama generiert erste Einspareffekte durch Budgetkürzungen im Militär- und Verteidigungshaushalt.

Andere Analysten gehen von einem rasanten Anstieg des Goldpreises aus, sobald in den USA im lfd. Jahr die Schuldenobergrenze sowie die Finanzprobleme wieder thematisiert werden sollten, die bislang nur verschoben wurden. So sieht Jeffrey Wright, Analyst bei Global Hunter Services, den Preis sogar bei 1.800 $ bis 2.000 US$ für die Feinunze, was einer Steigerung von bis zu 27% für das Jahr 2012 gleich kommen würde.

Wann sollte man einsteigen? Idealerweise nach (unvermeidlichen) Preiskorrekturen und gelegentlichen Rückschlägen, die vor allen Dingen dadurch bedingt sind, dass in sogenannten Stressphasen Marktteilnehmer ihre Positionen liquidieren, um dringend benötigtes Kapital zu generieren. Wichtig: sollte man einen Einstieg in Gold nutzen, dürfen weitere, eigene liquide Mittel nicht fehlen, um das Verlustrisiko eines übereilten Verkaufs zu vermeiden. Niemand kann mit Gewissheit sagen, wo das Limit beim Goldpreis liegen dürfte.

Sandro Valecchi, Berlin

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