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12.01.2012 11:24
Rubrik: Märkte

„Die meisten Konjunkturprognosen sind zu einfach“

Martin Hüfner

Martin Hüfner, Chefvolkswirt bei Assénagon, ist überzeugt: Die derzeitigen Konjunkturprognosen der deutschen Wirtschaft liegen zu nahe beieinander und sind zu einfach gestrickt. Warum das Wachstum 2012 besser als erwartet wird, 2013 aber schlechter, erläutert er in seinem Gastbeitrag für DAS INVESTMENT.com

So nahe beieinander lagen die Konjunkturprognosen für Deutschland selten. Fast alle Vorhersagen gehen derzeit für 2012 von einem Zuwachs des realen Bruttoinlandsprodukts zwischen null und ein Prozent aus.

Das provoziert geradezu die Frage, ob es nicht anderes kommen könnte.  Dies umso mehr, als die Prognosen auf einem ganz einfachen Bild basieren. Angenommen wird, dass wir jetzt eine Krise haben (das weiß jeder), dass diese aber in wenigen Monaten vorbei ist. Dann ist die Welt wieder in Ordnung und die Unternehmen werden fröhlich investieren.

Entsprechend wird die Wirtschaft im vierten Quartal 2011 und im ersten (und vielleicht auch noch im zweiten) Quartal 2012 stagnieren, eventuell auch leicht zurückgehen. Im weiteren Verlauf des Jahres wird sich die Situation aber wieder entspannen. Für das kommende Jahr sehen die Aussichten daher vergleichsweise gut aus. Das Wachstum könnte in Deutschland wieder über ein Prozent liegen.

Ich halte beides für zu einfach. Weder ist die aktuelle Lage so schlecht wie viele meinen. Noch sind die Eurokrise und die weltwirtschaftlichen Verwerfungen so harmlos, dass es nur eine vorübergehende Durststrecke gibt. Das wird vielmehr länger dauern.  

Aktuelle Lage

Gemessen an den Stimmungsindikatoren ist ein stärkerer Pessimismus derzeit noch nicht gerechtfertigt. Seit zwei Monaten stabilisiert sich der Geschäftsklimaindex des ifo Instituts (Grafik). Das darf man zwar nicht überschätzen. Es ist aber ein Indiz, dass das vierte Quartal vielleicht doch nicht so schlecht gelaufen ist.

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Dem Wetter sei Dank

In die gleiche Richtung deutet das ungewöhnlich warme Wetter des bisherigen Winters. Im Oktober und Novem¬ber waren die Temperaturen schon relativ hoch. Im Dezember lagen sie im Durchschnitt um 2,5 Grad über dem Schnitt der vergangenen dreißig Jahre und um 7 Grad über denen im Dezember 2010.

Der Januar hat auch nicht schlecht angefangen. Erfahrungsgemäß erhöht ein milder Winter das gesamtwirtschaftliche Wachstum um rund 0,3 Prozentpunkte. Ich wäre daher nicht überrascht, wenn die Wirtschaft mit einem höheren Überhang in das neue Jahr gehen würde, als bisher angenommen (statt 0,2 vielleicht 0,4 Prozentpunkte).

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