Schlechte Perspektive
Immer noch halten drei von vier Deutschen die gesetzliche Rente für die am besten geeignete Form der Altersvorsorge. Dennoch: 90 Prozent wollen sich zusätzlich privat absichern. Sie wissen nur nicht, wie.
An einer Bonner Litfaßsäule im April 1986. Bundesarbeitsminister Norbert Blüm balanciert auf einer Leiter und strahlt in die Kameras. Seine Hände sind energisch um eine langstielige Bürste gewickelt, mit der der CDU-Mann über ein Plakat schrubbt. Darauf steht der Satz, der zur politischen Legende werden wird: „Eins ist sicher: die Rente.“
22 Jahre, mehrere Beitragssatz-, Renteneintrittsalter- Erhöhungen und Rentenniveau- Kürzungen später, ist nur eins sicher: Wer sich lediglich auf die gesetzliche Rente verlässt, wird es im Alter schwer haben. Schuld daran sind die Demografie und das Rentensystem – beim Umlageverfahren finanzieren die jüngeren Arbeitnehmer die Renten der Älteren.
Und die Lebenserwartung steigt weiter. Das heißt, es gibt immer mehr Rentner, die zudem länger Zahlungen beziehen. Gleichzeitig werden weniger Kinder geboren, schließlich noch einen Schuss Arbeitslosigkeit und damit fehlende Beitragszahler dazu, und fertig ist das Renten-Fiasko. Folge: Nach Modellrechnungen der Deutschen Rentenversicherung Bund wird das Niveau der gesetzlichen Rente 2020 im Schnitt nur noch bei knapp 46 Prozent des Jahresnettogehalts liegen.
Die Demografie-Falle schnappt zu
Inzwischen hat das auch die Politik eingesehen. „Es ist klar, dass von der gesetzlichen Rente allein der Lebensstandard im Alter künftig nicht mehr gehalten werden kann“, betonte Ex-Arbeits- und Sozialminister Franz Müntefering vor drei Jahren bei der Vorstellung der damals aktuellen Zahlen der Rentenversicherung. Und weiter: „Die private Vorsorge wird künftig eine größere Rolle spielen müssen.“
Das Hin und Her in der Politik hat auch bei den Bundesbürgern Spuren hinterlassen. Laut Studie der Ergo-Tochter Karstadt Quelle Versicherungen glauben 86 Prozent, dass sie Fehler ausbaden müssen, die die Politik in der Vergangenheit begangen hat. Ganze 39 Prozent fühlen sich vom Sozialstaat im Stich gelassen. Die Desillusionierung hat aber auch eine gute Seite. Denn in den Köpfen hat sich damit festgesetzt, dass das Sichern des Lebensstandards im Alter zum Großteil Privatsache ist. Von den 805 Befragten im Rahmen der Studie zeigen sich fast 90 Prozent der Bundesbürger bereit, Verantwortung für die eigene finanzielle Zukunft zu übernehmen.


















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