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19.02.2009 16:16
Rubrik: Berater

Rückkehr eines Phantoms: 20 Milliarden Euro Schaden jährlich!

Quelle: Fotolia

20.000.000.000 Euro sollen jedes Jahr durch Falschberatung vernichtet werden. Schon seit fast 20 Jahren geistert dieser Wert durch Branche und Presse. Wie die Phantomzahl entstanden ist und warum sie so zäh überlebt.

Um Weihnachten herum war sie wieder da: 20 Milliarden Euro, eine 2 mit 10 Nullen. Die vermeintlich valide Zahl der jährlich von deutschen Beratern angerichteten Vermögensschäden rauschte durch den Blätterwald. Sogar das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel” übernahm die Angabe ungeprüft und machte damit eine Story über Falschberatung auf.

Grund: Die Zahl taucht in der Studie „Anforderungen an Finanzvermittler – mehr Qualität, bessere Entscheidungen” auf, in der das Bundesverbraucherschutzministerium prüfen lässt, wie die Beratungsqualität der Vermittler von Versicherungen, Kapitalanlagen und Krediten verbessert werden kann. Das ist lobenswert – mit der Phantomzahl indes beschäftigt sich die Studie des Beratungsunternehmen Evers & Jung nicht.

Die Autoren (Slogan: „Was andere schon hundertmal gesagt haben, glauben wir noch lange nicht“) haben die Zahl aus einer vier Jahre alten Pressemitteilung der Universität Witten-Herdecke übernommen, in der es um einen Gutachterlehrgang geht. Es gebe zwar keine systematische Erhebung zur Falschberatung, lediglich Teilstudien im Bereich langfristiger Kapitalanlagen, man halte die Schätzung aber für plausibel, so Evers & Jung.

Und auch in Witten-Herdecke bleibt man vage und kann sich offenbar nicht mehr so genau erinnern. Ein Mitarbeiter teilte mit, die 20 Milliarden Euro beruhten auf mehreren Quellenangaben. Welche dies seien, sagte er nicht.

Immer die gleiche Leier

In der Tat, es gibt zahlreiche Veröffentlichungen, die von Vermögensschäden durch Falschberatung  in Höhe von 20, wahlweise auch 25 oder 30 Milliarden Euro jährlich ausgehen. Nur sind sie eben nicht mit Tatsachen untermauert, zumeist wird als Quelle das Bundeskriminalamt (BKA) genannt.

>> Grafik vergrößern

Das BKA weist  in seiner Kriminalstatistik im Bereich Kapitalanlage- und Beteiligungsbetrug Zahlen der tatsächlich bekanntgewordenen Fälle aus (siehe Grafik). Für 2007 rechnet das BKA mit 4,12 Milliarden Euro Schadensumme aus der Wirtschaftskriminalität insgesamt, davon 234,5 Millionen Euro aus Betrug im Zusammenhang mit Beteiligungen/Kapitalanlagen.

Von: Oliver Lepold

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Anita Mosch, 20-03-09 13:35:
Sehr geehrter Herr Lepold,
ich kann Ihre Recherchen bestätigen. Die Autoren der BMELV Studie konnten auf der Fachtagung am 10.3. nicht aufklären, woher die Zahl stammt. Der Autor der Pressemeldung aus 2005 hatte sich vor der Fachtagung bei mir gemeldet -> s. die Pressemeldung beim Bankmagazin Online: http://www.all4finance.de/index.php;do=show/site=bm/sid=d3a614dd13f0af11fc5aac2275a0f7df/alloc=202/id=11718

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