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11.01.2010 17:08
Rubrik: Institutionelle

Was ist denn da los? Hedge-Fonds finanziert Pokerspieler

Quelle: Fotolia

Nicht die Märkte sind ein Kasino, das Kasino ist der Markt. Ein britischer Hedge-Fonds diszipliniert und fördert Zocker – und verdient prächtig mit.

"If you’re in trouble, double!“ Die Zockerweisheit, das Risiko zu erhöhen, wenn es am Spieltisch gerade etwas schlecht läuft, ist Chris Smith ein Grauen. „Wenn Aktienhändler Geld verlieren, verringern sie ihren Einsatz“, sagt Smith, Chef des britischen Hedge-Fonds Manro Haydan. Am Londoner Hyde Park werden mit ausgeklügelten Handels- und Risikosystemen Aktien, Futures und Optionen ge- und verkauft. Und es werden Pokerspieler überwacht.

Dieser Artikel stammt aus der aktuellen Ausgabe von DAS INVESTMENT (Januar 2010).

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Hedge-Fonds suchen mitunter gerne nach wirklich alternativen Investments. Sie kaufen Weine, Kunst und Ackerland, sie handeln mit Musikrechten und sind an Transfers von Top-Kickern beteiligt; je weniger Berührungspunkte die Anlagen mit dem Finanzmarkt haben, umso besser. Manro hat nun die Zocker entdeckt. Über ihre Tochtergesellschaft Bad Beat rekrutiert Manro Online-Pokerspieler. 250 Spieler – Hausfrauen, Studenten, Vollzeit-Zocker – werden derzeit gesponsert, die Verluste übernimmt Manro, von den Gewinnen geht die Hälfte an die Gesellschaft.

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Auch drei deutsche Spieler stehen unter Vertrag. Die besten Spieler verdienen bis zu 2 Millionen Euro im Jahr. „Bad Beat ist seit der Gründung profitabel“, sagt Smith, der den Fonds zusammen mit John Conroy, einem 42-jährigen Iren, gründete und 5 Millionen Euro Eigenkapital einzahlte. Externe Investoren nehmen sie nicht auf, wohl aber können sich Pokerfreunde bei Bad Beat bewerben.

Bad Beat ist ein Fachausdruck aus dem Kartenspiel. Er heißt, dass das beste Blatt des Tisches verliert. Ein Risiko, das die Gesellschaft ausschließen will. Die Verluste der Online-Spieler werden durch Risikoanalysen online überwacht, jeder Spieler hat gemäß seinem Können ein Limit. Wird es erreicht, muss der Spieler einige Tage aussetzen, und beim Wiedereinstieg fällt der maximale Einsatz geringer aus. Unter Aktienhändlern ist diese Disziplin durchaus üblich. Im Pokerspiel ist sie vollkommen neu. Auch Alkohol ist verboten, Marathon-Sessions lässt das System nicht zu, und das unter Pokerspielern übliche „Tilten“, Verluste durch bewusste irrationale Spielzüge zu kompensieren, führt sofort zum Ausschluss.

Platz 18 in der Poker-Weltrangliste

Händler und Hedge-Fonds-Manager sind schon länger Freunde der gepflegten Zockerei. James Vogl, Händler bei Manro Haydan, gewann 2004 bei der Las Vegas World Series of Poker 400.000 Dollar. David Einhorn, Gründer des Hedge-Fonds Greenlight Capital, belegte 2006 den 18. Platz der Poker-Weltrangliste und sicherte sich Preisgelder in Höhe von mehr als 650.000 Dollar.

Von: Malte Dreher

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