Schutz vor Inflation: Norwegens Staatsfonds wendet sich Sachwerten zu

Investments zum Anfassen: Svein Gjedrem möchte
den norwegischen Staatsfonds umkrempeln
Foto: Getty Images
Norwegen hat ein Luxusproblem: 400 Milliarden Euro wollen clever angelegt werden. 2009 und 2010 lief alles nach Plan. In diesem Jahr sieht es bisher mau aus. Mehr Sachwerte lautet das neue Motto – auch als Schutz vor Inflation. Ein neuer Mann an der Spitze soll es richten.
Svein Gjedrem (61) wird in Zukunft die Geschicke des zweitgrößten Fonds der Welt lenken (Die größten Staatsfonds der Welt). Seit vergangenen Samstag darf sich der ehemalige Zentralbankchef und neue Mitglied des Finanzministeriums „Chief Adviser“ des norwegischen „Ölfonds“ nennen. Gjedrem löst Tore Eriksen (64) ab, der seit 1999 als Generalsekretär im Finanzministerium waltet.
Zu konservativ, zu einseitig, zu wenig Inflationsschutz
Zu konservativ, zu einseitig, zu wenig Inflationsschutz – so lautet die Kritik an den aktuellen Anlagerichtlinien des zweitgrößten Staatsfonds der Welt. Diesen Schuh muss sich der scheidende Eriksen anziehen.
Seit 1998 brachte es der Fonds auf eine jährliche reale Rendite von 3,03 Prozent. Die Verantwortlichen müssen höhere Risiken eingehen, um die langfristige Zielrendite nach Inflation von 4 Prozent zu erreichen, mahnte Emeritus Elroy Dimson, Professor der London Business School und Leiter des von der Regierung eingesetzten Strategierates, im November vergangenen Jahres.
Eriksen gilt als hyper-konservativ: Aktien und Anleihen – alles andere kam ihm nicht ins Mega-Depot. Viel mehr darf auch nicht rein, so sehen es die aktuellen Anlagerichtlinien vor: 60 Prozent Aktien, 35 Prozent Anleihen und 5 Prozent Immobilien. Ende 2010 belief sich die Aktienquote auf 61,5 Prozent, 38,5 Prozent waren in Anleihen angelegt.
Das soll sich nun ändern: Gjedrem sieht das Heil des Staatsfonds in weniger liquiden Anlagen wie Infrastrukturinvestments und Private Equity – auch das Immobilienportfolio will er deutlich ausgeweitet wissen.
„Sachwerte wie Immobilien bieten inflationsausgleichende Cash-Flows“
„Investments in Immobilien und Infrastruktur gewähren einen direkten Besitz an Sachwerten und eine erwartete Rendite in Form von stabilen, inflationsausgleichenden Cash-Flows“, schrieb Gjedrem schon in seiner Funktion als Zentralbankchef in einem Brief an das Fondsmanagement.
Der Inflationsausgleich rühre aus den regelmäßigen Einnahmen aus diesen Anlagen, die meist mit zunehmender Inflation anstiegen, begründete Gjedrem seine Strategie.
Mit einem entsprechenden Vorschlag war Gjedrem zuletzt im April dieses Jahres gescheitert. Das Finanzministerium blockte ab. Noch vor einer Woche betonte Eriksen in einem Interview, der Fonds müsse einen „konservativen“ Ansatz verfolgen und „Experimente“ vermeiden. Er verwies dabei auf den Rekordverlust von 116 Milliarden Dollar während der Finanzkrise 2008.
























Noch keine Kommentare vorhanden.
Kommentar schreiben