Altersvorsorge-Beratung: „Makler stehen auf sehr dünnem Eis“
Mark Ortmann, Geschäftsführer des Instituts für Transparenz in der Altersvorsorge (ITA), über Haftungsprobleme für Versicherungsmakler – und sein neues Online-Beratungstool, das mehr Sicherheit bieten will als die bisher am Markt befindlichen.
DAS INVESTMENT.com: Aufgrund der Marktregulierung etwa über die Vermittlerrichtlinie oder Versicherungsvertragsgesetz meinen viele Makler, haftungssicher zu Versicherungsprodukten beraten können. Ist das richtig?
Mark Ortmann: Nein. Schon deswegen, weil nicht klar ist, wie vor allem für die Altersvorsorge eine haftungssichere Beratung aussehen soll. Das hat der Gesetzgeber nicht eindeutig formuliert. Somit werden im Streitfall die Gerichte zu entscheiden haben – Präzedenzfälle schaffen dann Tatsachen.
DAS INVESTMENT.com: Heißt das auch, dass die bislang am Markt befindlichen Beratungstools, die eine Produktentscheidung herleiten und dokumentieren, ebenfalls noch keine Haftungssicherheit geben können?
Ortmann: Keine Online-Lösung kann das, weder die am Markt befindlichen noch unser neues Programm. Eine Beratung ist dann relativ haftungsunsicher, wenn mit der Angabe von Ablaufleistungen verkauft wird. Im rein fondsgebundenen Bereich mag eine Ablaufprognose mit Szenarien einer 3-, 6- oder 9-Prozent-Rendite nach heutigen Maßstäben möglich sein. Auf der Seite der neuartigen Garantieprodukte steht man aber auf sehr dünnem Eis. Diese bilden ihre Garantien etwa über CPPI- oder Drei-Topf-Modelle ab. Die Wertentwicklung der Kapitalanlagen verläuft nicht linear, sondern sie schwankt. Das hat Auswirkungen auf die Ablaufleistung. Hinzu kommt, dass viele Gesellschaften Kickbacks aus den Fonds, deren Aufkommen nicht gesichert ist, in die Ablaufleistung mit einrechnen.
DAS INVESTMENT.com: Wie sieht's bei Riester-Renten aus? So mancher Riester-Sparer könnte auf die Idee kommen, dass bei den staatlich lizenzierten Produkten neben dem Kapitalerhalt auch die prognostizierte Ablaufleistung eher erreicht wird als bei nicht-geförderten.
Ortmann: Bei den dargestellten Ablaufleistungen der Riester-Renten liegt der Fall nicht anders als bei nicht-geförderten Produkten. Da Riester-Produkte eine gesetzliche Garantie verlangen, werden entweder klassische kapitalbildende Versicherungen eingesetzt oder moderne Garantieerzeugungsmodelle. Wer moderne Produkte anhand der illustrierten, konstant hochgerechneten Ablaufleistung vergleicht und verkauft, ist alles andere als auf der sicheren Seite. Bei Riester-Renten ist der garantierte Kapitalerhalt gut und schön: Doch geben sich Sparer in der Regel wohl nicht mit einer Null-Prozent-Rendite zufrieden, sondern gehen von einer Vermehrung ihres investierten Kapitals aus.






















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