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06.10.2010 13:41
Rubrik: Versicherungen

Postbank-Studie: Private Altersvorsorge in der Krise

Foto: Fotolia

37 Prozent aller Berufstätigen in Deutschland haben Angst, dass der Staat wegen seiner stark gestiegenen Verschuldung die Rente im Alter kürzen wird. 28 Prozent haben außerdem Sorge vor einer Inflation, die die eigenen Ersparnisse zur Altersvorsorge entwerten könnte. Welche Folgen die Finanzkrise noch auf die private Altersvorsorge hat.

20 Prozent der Berufstätigen haben wegen Krise schon Beiträge zu privaten Vorsorgeverträgen gekürzt oder sie ganz gekündigt (siehe erste Grafik). In Ostdeutschland fragt sich mit 43 Prozent fast jeder zweite Berufstätige, „welche private Anlageform überhaupt noch Sinn macht.“

Das zeigt die bundesweite repräsentative Studie „Altersvorsorge in Deutschland 2010/2011“, die die Postbank seit 2003 in Zusammenarbeit mit dem Institut für Demoskopie Allensbach alljährlich durchführt.

Schock-Starre nach Finanz- und Wirtschaftskrise verfestigt sich

Trotz zwischenzeitlicher Wirtschaftsbelebung geben mehr als zwei Drittel der Berufstätigen in Deutschland an, dass sich ihre Einstellung zur privaten Altersvorsorge wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise geändert hat. So zeigen die Befragten mehr Skepsis, wenn es um die Sicherheit der meisten Vorsorgeformen geht und sind grundsätzlich verunsichert, wie sie fürs Alter vorsorgen sollen. Von den Berufstätigen, die eigentlich vorhatten, ihre Vorsorge in den kommenden Jahren aufzustocken, haben exakt ein Viertel bestehende Verträge gekündigt oder gekürzt. Am häufigsten sind hiervon private Renten- und Lebensversicherungen sowie privat abgeschlossene Riester-Renten betroffen (siehe zweite Grafik).

Michael Meyer, Retailvorstand der Postbank: „Wir messen in diesem Jahr einen Rekord bei der Differenz zwischen dem, was Berufstätige für ihre Altersvorsorge selbst als nötig ansehen und dem, was sie hierzu tatsächlich investieren. Besonders in Ostdeutschland ist die Entwicklung alarmierend. Es zeigt sich, dass kurzfristige konjunkturelle Erholungsphasen das langfristige Thema Alterssicherung in Deutschland nicht wirksam beeinflussen können.“

Westdeutsche sparen 100 Euro mehr im Monat

Berufstätige aus Ostdeutschland haben  ihre Vorsorgebeträge um 25 Prozent gegenüber 2009 auf durchschnittlich 123 Euro monatlich gekappt. Damit werden in Westdeutschland mit 215 Euro heute fast 100 Euro pro Monat mehr in die private Altersvorsorge investiert.

Spiegelbildlich erwartet im Osten jetzt auch nur jeder Siebte im Alter keine finanziellen Sorgen zu haben. Im Vorjahr lag der Wert noch bei 20 Prozent. Dagegen ist in Westdeutschland der Kreis der Berufstätigen mit dieser Erwartung von 26 Prozent auf 30 Prozent gewachsen. Aber: Bei Berufstätigen in West- und Ostdeutschland geht die Zahl derer zurück, die ihre bisherige Altersvorsorge als heute schon ausreichend ansehen.

„Ähnlich wie bei demografischen Entwicklungen lassen sich auch im Bereich der Altersvorsorge gefährliche Trends früh erkennen. So potenziert der Zinseszins-Effekt Versäumnisse beim Ansparen im Zeitverlauf bis zum Ruhestand. Im Osten Deutschlands ist deshalb spätestens jetzt dringender Handlungsbedarf gegeben“, so Meyer.

Riester verliert an Ansehen und Bedeutung

Weiteres Ergebnis der Studie: Junge Berufstätige unter 30 Jahren bewerteten die privat abgeschlossene Riester-Rente vor zwei Jahren noch zu 45 Prozent als „ideale Form der Alterssicherung“. 2009 fiel dieser Wert schon auf 37 Prozent und in diesem Jahr noch einmal auf 26 Prozent. Einen Riestervertrag privat abzuschließen, planen jetzt nur noch 9 Prozent (2009: 13 Prozent, 2008: 23 Prozent).

Nach wie vor en vogue als Altersvorsorge ist das Eigenheim oder die eigene Wohnung. Zwei Drittel aller Berufstätigen sehen sie als „ideale Form der Alterssicherung“ (siehe dritte Grafik). Deutlich zeigt sich das auch in den Plänen derer, die ihre private Altersvorsorge ausbauen wollen: Mit 23 Prozent hat jeder vierte dieser Berufstätigen vor, ein Haus zu kaufen. Auch unter den jungen Berufstätigen bis 29 Jahren steht dieses Ziel vor allen anderen.

Wohnraum beliebt, Wohn-Riester unbekannt

Im Gegensatz zu dieser breiten Nachfrage steht aber die Bekanntheit der staatlichen Eigenheimförderung: 42 Prozent aller Berufstätigen in Deutschland haben noch nie von Wohn-Riester gehört. Meyer: „Wir wissen aus unserer Studie aber, dass für 58 Prozent der Berufstätigen eine staatliche Förderung Anreiz ist, ein Eigenheim zu bauen oder zu kaufen. Hier kann und sollte daher mehr passieren. Auch ist eine Ausweitung der Wohn-Riester-Förderung auf Ausbauten oder altersgerechte Umbauten bestehender Immobilien sinnvoll.“

Von: Karen Schmidt

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