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16.08.2010 15:13
Rubrik: Versicherungen

Finanzkrise und Altersvorsorge: 200 Milliarden Euro weniger im Rententopf

Quelle: Fotolia

Die Finanzkrise ist weder an der gesetzlichen Rentenversicherung noch an der privaten Altersvorsorge spurlos vorüber gegangen. Setzt sich die derzeitige Erholung der Wirtschaft weiter fort, bleiben die Verluste jedoch überschaubar. Wenn nicht, droht der gesetzlichen Rentenversicherung im Jahr 2050 eine Lücke von bis zu 7,4 Prozent.

Dies ergab eine Studie zu den Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise auf die Alterssicherung in Deutschland, die vom Forschungszentrum Generationenverträge der Universität Freiburg im Auftrag von Union Investment durchgeführt wurde. Dabei setzten die Studienleiter Bernd Raffelhüschen und Johannes Vatter die Szenario-Analyse, bei der mit Hilfe aktueller und historischer Daten zukünftige Entwicklungen berechnet werden, ein. Neben der Entwicklung, die angesichts gegenwärtiger Informationen am wahrscheinlichsten ist, zeigt die Analyse auch das Best- und das Worst-Case-Szenario auf.

Im wahrscheinlichsten Szenario rechnen Raffelhüschen und Vatter damit, dass die Finanzkrise langfristig negative Auswirkungen auf die zukünftige Wirtschaftsleistung in Deutschland haben wird. Ihren Berechnungen zufolge wird diese 2,5 Prozent unter derjenigen Wirtschaftsleitung liegen, die Deutschland ohne die Krise erzielt hätte.

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Dadurch sei auch die gesetzliche Rentenversicherung von der Krise betroffen, so die Studienautoren. Der Rückgang des Wirtschaftswachstums führt nach den Berechnungen mittelfristig dazu, dass der Rentenanstieg langfristig um 2,7 Prozent geringer ausfällt. Das entspricht einer Minderung der Altersrenten um rund 200 Milliarden Euro bis zum Jahr 2050. „Verglichen mit den Auswirkungen der Rentenreformen der vergangenen 20 Jahre und im Verhältnis zur Gesamtsumme der bis zum Jahr 2050 zu zahlenden Altersrenten von knapp 7.000 Milliarden Euro relativiert sich diese Zahl jedoch erheblich“, so Raffelhüschen.

Sollten sich die gegenwärtigen Wachstumsprognosen jedoch als zu optimistisch herausstellen, könnte es die gesetzlich versicherten hart treffen. Denn in dem eher unwahrscheinlichen Worst-Case-Szenario kommt es zu einer relativen Lücke bei den Altersrenten von etwa 4 Prozent bis zum Jahr 2020. Aufgrund eines geringeren Trendwachstums könnte diese Lücke dann auf bis zu 7,4 Prozent im Jahr 2050 anwachsen. In diesem Fall ergäben sich Einbußen von rund 370 Milliarden Euro.

„Zu einem solchen Szenario könnte es vor allem dann kommen, wenn sich die Schuldenkrise der öffentlichen Haushalte weiter ausweitet“, so die Autoren. Umgekehrt vermindern sich die Einbußen auf 1 Prozent beziehungsweise rund 100 Milliarden Euro bis zum Jahr 2050, falls die gegenwärtige Erholung überraschend dynamisch und nachhaltig ausfällt. In diesem Fall bleibt es bei relativen Verlusten beim Rentenwert von weniger als einem Prozent.

Kapitalgedeckte Vorsorge: Verluste ungleich verteilt

Bei der kapitalgedeckten Vorsorge erscheinen die Verluste zunächst größer. Verglichen mit der langfristigen Wertentwicklung hat das Geldvermögen der privaten Haushalte laut der Studie etwa 6 Prozent an Wert eingebüßt. Das entspricht einem Volumen von rund 180 Milliarden Euro.

Zählt man auch Immobilien zum Altersvorsorgevermögen hinzu, fallen die relativen Verluste jedoch deutlich geringer aus. In diesem Fall liegt der Renditerückgang pro Haushalt im Mittel bei rund 3 Prozent. Dabei sollte jedoch berücksichtigt werden, dass im Gegensatz zum Umlageverfahren die Verluste einzelner Haushalte bei der kapitalgedeckten Vorsorge sehr ungleich verteilt sind.

„Die Einbußen müssen auch im Verhältnis zu den teils deutlichen Erträgen im Vorfeld der Krise und potenziellen Renditen betrachtet werden“, erklärt Raffelhüschen.

Die gesamte Studie können Sie hier herunterladen.

Von: Svetlana Kerschner

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